Glen Hansard fasziniert sein deutsches Publikum in Erlangen

Glen Hansard live in Erlangen

Vor ausverkauftem Haus begeisterte Glen Hansard gestern im E-Werk in Erlangen.

Außergewöhnliche Kleinkunst eben mal nicht immer nur in große Städte zu bringen, hat sich bewährt. Erlangen, oft etwas im Schatten Nürnbergs stehende Universitätsstadt im nördlichen Bayern, hat jedoch gerade aufgrund ihrer durch Studenten geprägten Vielfalt ein reichlich kulturelles Leben. Vor allem auch im Bereich Country Music, Rockabilly und Folk/Americana sind dieser fränkischen Region durchaus schon einige Künstler und Bands "entsprungen", was mit den Jahren dazu führte, dass sich die Live-Locations entsprechend angepasst haben und es noch immer einige wenige gibt, die dieser Musikrichtung ein Zuhause geben. Seit vielen Jahren einer der beliebtesten Orte hierfür ist das Kulturzentrum E-Werk in Erlangen. Am 27. Februar 2016 wählte es erstmals nun auch Glen Hansard und sorgte sofort für ein ausverkauftes Haus.

Poesie und Neugier

Glen Hansard, Foto: Sandra Schramm

Die Motivation, welche 700 Menschen bereits im Vorfeld dazu trieb, sich ein Ticket für den irischen Musiker zu kaufen, mag vielfältig sein. Glen Hansard weckt Neugier nicht nur beim hören seiner Songs, gleichwohl beim Lesen seiner Biographie. Ein Mann, der mit Legenden wie Bruce Springsteen ebenso wie mit Ed Sheeran auf der Bühne stand, bei den Simpsons einem Irischen Jungen seine Stimme lieh und irgendwie doch wenig bekannt ist. Der von ihm geschriebene Song "Falling Slowly" erhielt 2007 sogar den Oscar als bester Original-Film-Song im Streifen "Once", in welchem er auch mitspielte. Bereits hier an seiner Seite als Co-Autorin und Schauspielerin Markéta Irglová. Die begnadete tschechische Musikerin brachte Glen Hansard gestern als Opener für seine Show nach Erlangen mit und sang mit ihr später auch ein Duett.

Das Schreiben von Liedern beschrieb Glen Hansard einst wie das Kochen eines Gerichts. Man fügt stets noch eine Brise hinzu, probiert wieder, lässt es köcheln, testet erneut, ändert eine Zeile oder ein Wort, so lange, bis es schließlich vollendet ist. Dann kann man sich dem nächsten zuwenden. Ein Konzert hingegen könne man nur bedingt kontrollieren. Man wisse nie, wer es besuchen würde, jedes hätte seine eigene Energie und er würde es immer mit Spannung erwarten, wie es sich entwickelt. Doch wolle er eigentlich nur dies, "gebt mir ein Publikum und ich mach‘ den Rest dann schon".

Als David Bowie, einer seiner größten Helden und Vorbilder, am 10. Januar diesen Jahres in New York verstarb, war Glen Hansard zufällig ein paar Blocks weiter in einem Hotel. Er verarbeitete die Nachricht, indem er sich dessen Song "Ashes to Ashes", den er bis dahin nie gespielt hatte, selbst auf der Gitarre beibrachte und es auf dem Handy aufnahm. Danach ging er zu Bowies Appartement, wo sich bereits eine Menschenmenge versammelt hatte, die Blumen niederlegte und trauerte. Glen Hansard packte die Gitarre aus und spielte "Ashes to Ashes" dort auf der Straße. Es war seine Art, Tribut zu zollen.

Großartiges Konzert von Glen Hansard in Erlangen

Glen Hansard, Foto: Sandra Schramm

Der Applaus ertönte bereits, bevor Glen Hansard die Bühne auch nur betreten hatte. Diszipliniert und in umfassender Darstellung seiner Bescheidenheit eröffnete er seinen Teil der Show mit leisen Klängen und Musik von sanfter, klarer Schönheit, nach welchen das Publikum erneut in tosenden Jubel ausbrach. Die Vorbedingungen waren also erfüllt, doch wenngleich Glen Hansard durchwegs weitgehend solistisch pur mit Gitarre agierte, kam die Genialität und Vielfältigkeit seiner Band immer wieder zum Tragen. Drei Geigerinnen, ein Bassist, ein weiterer Gitarrist, Keyboarder und Schlagzeuger bildeten den Reigen um Glen Hansard. Die Veränderung betonend, setzten die Musiker auch Saxophon und Mandoline ein, variierten immer wieder in effektvoller Kommunikation mit beeindruckendem Resultat. Der Dank des überaus respektvollen und Publikums war ihnen gewiss. Menschen, die zuhören konnten, den Klängen, wie den Geschichten, die Glen Hansard zwischen den Liedern erzählte, lauschen wollten. Erzählungen von Erlebnissen während seiner Touren oder von Spaziergängen am Morgen. Eindrücke eines Poeten, der seine Umwelt mit jedem seiner Sinne wahrnimmt und diese wiedergibt. Meistens in seinen Liedern, wie auf seinem aktuellen Album "Didn't He Ramble", das jedoch in erster Linie von seinem Vater, der Beziehung zu Freunden, weniger über die zu Frauen handelt.

Etwas schade war dennoch, dass, obwohl der Sound im E-Werk perfekt war, die Örtlichkeit an sich für ein solch überwiegend zum stillen Genießen aufforderndes Konzert nicht unbedingt geeignet war. In einem etwas kleineren Club mit Sitzplätzen hätte man vielleicht sogar noch eine Verfeinerung dieser ohnehin dargebrachten musikalischen Offenbarung erreicht. Glen Hansard schien jede Situation nur so herauszufordern, mixte psychedelische Klänge mit folkloristischen seiner irischen Heimat, ging musikalisch bis an jede Grenze.

"People are people everywhere", sagte Glen Hansard auf der Bühne. Für ihn ist es egal, ob er in New York, London oder eben in einer fränkischen Kleinstadt auftritt. Für jene, die sein Tun schätzen, gibt er alles. Schon morgen Abend, am 28. Februar 2016, werden es Liebhaber besonderer Kunst in Dresden sein.

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