Peytan Porter - Deep Cut - B Side

CD Cover: Peytan Porter - Deep Cut - B Side
 

Aufgewachsen in einer Kleinstadt in Georgia, entwickelte die Country-Sängerin und Songschreibein Peytan Porter eine Leidenschaft für das Geschichtenerzählen, prägnante Texte und jene "Deep Cuts", die bei jedem Anhören mehr von sich preisgeben. Inspiriert von Künstlern aus den Bereichen Country, Americana und der klassischen Sänger-Songschreiber-Tradition hat sich Porter in Nashville einen Namen für emotional ehrliche Texte gemacht, die Verletzlichkeit mit Witz verbinden. Ihre Musik verbindet moderne Country-Klänge mit sehr persönlichen Erzählungen, in denen sie oft Themen wie Liebeskummer, Selbstfindung und die chaotischen Realitäten des Erwachsenwerdens behandelt.

Payton Porter strahlt auf ihrer neuen EP "Deep Cut – B Side" feurige Sinnlichkeit und Klasse aus

Seit ihrer Ankunft in Nashville hat sich Peytan Porter zu einer der vielversprechendsten jungen Stimmen des Genres entwickelt und Aufmerksamkeit für ihr furchtloses Songwriting und ihren genreübergreifenden Sound erlangt. In Veröffentlichungen wie "In My Head" und nun "Deep Cut – B Side" setzt sie weiterhin auf unverfälschte Ehrlichkeit und Tagebuch-artige Erzählungen und schafft Songs, die sich intim anfühlen und doch universell nachvollziehbar sind. Mit einer wachsenden Fangemeinde und dem Ruf, die stilleren Momente des Lebens in eindrucksvolle lyrische Details zu verwandeln, repräsentiert Porter eine neue Generation von Country-Künstlern, die keine Angst davor haben, emotionale Tiefe mit zeitgenössischer Schärfe zu verbinden.

Ein Gefühl der Selbstfindung zieht sich durch "Deep Cut – B Side"

Das Projekt, das über einen Zeitraum von mehr als zwei Jahren entstanden ist und nach dem erscheint, was Porter als "das Ende meiner gesamten beruflichen Infrastruktur" beschreibt, wirkt weniger wie eine Sammlung von Songs, sondern eher wie ein persönlicher Neuanfang: eine Künstlerin, die endlich zulässt, dass alle Seiten ihrer Persönlichkeit im selben Raum existieren. Country, Pop, Funk, Rock, West-Coast-Glanz und bluesige Intimität prallen hier aufeinander, doch statt verstreut zu klingen, besticht die EP gerade dadurch, dass Porter sich voll und ganz auf diese Widersprüche einlässt. Das Ergebnis ist eine selbstbewusste, emotionsgeladene Sammlung, die das Chaos, den Humor, die Sinnlichkeit und den Herzschmerz des Jungseins einfängt – und das Sich-selbst-Finden in Echtzeit.

Der Titeltrack macht diese Grundhaltung sofort deutlich. "Deep Cut" beginnt mit einem verspielten, funkigen Gitarrenriff und einem entspannten Groove, der mühelos cool wirkt, während Porter die Vorstellung ablehnt, sich nahtlos in traditionelle Country-Erwartungen einzufügen. "Ich bin nicht dein Country-Gold-Retro-Typ, ich bin eher Airstream, Tagtraum", singt sie und präsentiert sich als rastlos und romantisch zugleich, bevor der Song in eine geschliffene, gefühlvolle Liebeserklärung mündet. Die Metapher, jemandes "45er-B-Seite" oder "Deep Cut" sein zu wollen, ist clever, weil sie auf etwas Persönliches, Bleibendes und Wertvolles hindeutet, das über die offensichtlichen Singles hinausgeht. Musikalisch ist dies einer der raffiniertesten Momente der EP: sexy, ohne sich zu sehr anzustrengen, geschmeidig, ohne an Biss zu verlieren. Porters volle, klare Stimme gleitet mit echtem Charisma über den Groove und stellt ein Projekt vor, das sich weigert, in eine Schublade gesteckt zu werden.

Diese Weigerung wird in "Blue Calls" – dem wohl mitreißendsten Moment der EP – noch unterhaltsamer. Der Song, der auf einem augenzwinkernden Wortspiel mit dem Ausdruck "blue balls" aufbaut, sprudelt vor drängender Pop-Energie und schelmischem Humor. "Heilige Scheiße, was muss ein Mädchen denn tun, um dich ganz für sich allein zu haben?", fragt Porter, bevor sie schließlich vor wachsender Frustration schreit: "Nimm das verdammte Telefon ab!" Es hat etwas brillant Unapologetisches, wie sie einen traditionell männlichen Ausdruck sexueller Frustration in ihre eigene Perspektive umdreht und das, ohne dabei den Spaß zu verlieren. Klanglich bewegt sich der Song irgendwo zwischen glattem Country-Pop und Pop-Punk der späten 90er: Man stelle sich vor, Avril Lavigne würde eine Songwriting-Session mit Megan Moroney stören. Der explosive Gesangsmoment im Schlussabschnitt wirkt wie maßgeschneidert für Live-Auftritte – genau die Art von Refrain, bei dem die Fans mit erhobenen Fäusten mitschreien.

Während "Blue Calls" Porters verspielte Seite zeigt, offenbart "Just Who You Are (Unfortunately)" ihre schärfste Songwriting-Seite. Der Track driftet in Richtung Diss-Track ab und nimmt giftige Freundschaften unter Frauen sowie Menschen ins Visier, die grausames Verhalten mit Astrologie, Tarotkarten oder dem rückläufigen Merkur rechtfertigen. "Gib nicht dem Mond die Schuld … es ist nicht der Himmel, der dich gemein macht, Babe, es ist einfach, wer du bist!", schnappt Porter und liefert damit einen der besten lyrischen Schläge der EP. Es liegt eine unbestreitbare Befriedigung darin, wie direkt der Song ist – nicht bitter um der Bitterkeit willen, sondern genervt auf eine Art, die nachvollziehbar und erfrischend wirkt. Musikalisch tendiert der Song zu ausgefeiltem Pop-Country mit einem verschwommenen Westküsten-Flair, vielschichtigen Harmonien und einer cineastischen Rock-Produktion, die ihm das Gefühl von etwas verleihen, das direkt aus dem Soundtrack eines stilvollen Coming-of-Age-Dramas stammt. Er ist selbstbewusst und unglaublich eingängig.

"Tell Me You Don’t Love Me" lenkt den emotionalen Fokus dann nach innen. Der Song beginnt mit bluesigen Gitarrenklängen und einem intimen Gesang und thematisiert emotionale Lähmung sowie die Unfähigkeit, sich voll und ganz einzulassen, weil eine andere Beziehung noch immer im Hintergrund nachhallt. "Was soll ich denn tun? Ich möchte mich in seine Arme fallen lassen … aber du machst es mir schwer", gesteht Porter und fängt die Schuldgefühle und die Verwirrung, die emotionale Überschneidungen mit sich bringen, mit schmerzhafter Ehrlichkeit ein. Die Produktion verbindet erneut Country-Pop-Texturen mit verträumten West-Coast-Einflüssen, doch hier wirkt alles zurückhaltender und intimer. Porter meistert auf der gesamten EP die Balance zwischen Sinnlichkeit und Verletzlichkeit, und dieser Track ist vielleicht das deutlichste Beispiel für diese Kombination. Ihre vielschichtigen Harmonien schweben fast wie aufdringliche Gedanken durch den Mix und lassen die emotionale Unsicherheit eher eindringlich wirken, als dass sie nur beschrieben wird.

Der letzte Titel, "Are You Moving On?", liefert den emotionalen Knaller der EP. Eine weitläufige, atmosphärische Produktion umhüllt zurückhaltende Gitarrenlinien und hallende Vocals, während Peytan Porter mit der Tatsache ringt, dass ein Ex ohne sie vielleicht tatsächlich glücklicher ist. "Ich dachte, ich hätte es überwunden, dich zu vermissen", gesteht sie, bevor sie in die niederschmetternde Frage abgleitet, die den Kern des Songs bildet. "So sollte es eigentlich nicht laufen", klagt sie, unfähig, die Fantasie des Herzschmerzes mit der Realität in Einklang zu bringen, dass jemand anderes sein Leben weiterlebt. Die üppige Country-Pop-Produktion des Songs, die verschwommenen Texturen und die emotionale Weite lassen ihn fast filmisch wirken, doch es ist Porters Gesangsleistung, die den Schlag wirklich versetzt. Die Zurückhaltung, mit der sie den Text vorträgt, lässt den Herzschmerz glaubwürdiger wirken: Sie klingt weniger wie jemand, der dramatisch zusammenbricht, sondern eher wie jemand, der still erkennt, dass er bereits verloren hat.

Peytan Porter klingt furchtlos und diese Authentizität verleiht der EP ihre Persönlichkeit als auch ihre Durchschlagskraft

Was "Deep Cut – B Side" besonders fesselnd macht, ist, wie stimmig das Album wirkt, obwohl es sich aus so vielen verschiedenen Genres und emotionalen Stimmungen speist. Im Laufe des Projekts bewegt sich Porter von verspielter Sexualität über beißenden Sarkasmus bis hin zu romantischer Verwirrung und schmerzlichem Liebeskummer, ohne jemals den Eindruck zu erwecken, als würde sie ihren Charakter wechseln. Stattdessen überzeugt die EP dadurch, dass jeder Song durch dieselbe Kernidee verbunden zu sein scheint: sich zu weigern, sich den Erwartungen anderer anzupassen. Ob sie nun das Verlangen zelebriert, toxisches Verhalten anprangert oder um eine Beziehung trauert – Porter schreibt stets aus einer Haltung emotionaler Ehrlichkeit und Selbstwahrnehmung heraus.

Vor allem aber vermittelt "Deep Cut – B Side" das Gefühl, dass eine Künstlerin endlich ihren Instinkten vertraut. Anstatt einem einzigen Sound nachzujagen oder zu versuchen, sich in eine bestimmte Version der Country Music einzufügen, begrüßt Peytan Porter die Unschärfe zwischen Genres und Identitäten. Die stärksten Momente des Projekts entspringen dieser Freiheit: von den Funk-Grooves und Pop-Punk-Ausbrüchen bis hin zu den verträumten Country-Pop-Balladen, die alles miteinander verbinden.

Fazit: Wenn "Deep Cut - B Side" nur das erste Kapitel eines größeren Projekts ist, dann hat Peytan Porter ein spannendes Fundament gelegt.

vgw
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