Kingswood bringen auf ihrem neuen Album "Midnight Mavericks" warme Melodien und authentisches Storytelling
Mit mehreren Platin- und Gold-Auszeichnungen der ARIA, einer ARIA-Nominierung und vier Nominierungen für den Golden Guitar Award hat die Band weltweit mehr als 80 Millionen Streams gesammelt und sich dabei ständig neu erfunden, ohne dabei die Rauheit und die Erzählkunst zu verlieren, die den Kern ihrer Musik ausmachen. Irgendwo zwischen dem weitläufigen Heartland von Tom Petty und der staubigen Selbstsicherheit von Lynyrd Skynyrd haben Kingswood ihren ganz eigenen Weg gefunden: einen, der für offene Autobahnen, Spelunken und nächtliche Reflexionen gemacht ist.
Dieser Geist zieht sich wie ein roter Faden durch ihr neuestes Album "Midnight Mavericks" – ein ausgereiftes und zielstrebiges Werk, das in den einsamen Stunden nach Einbruch der Dunkelheit entstanden ist. Das von Alexander Laska produzierte Album widmet sich Themen wie Ehrgeiz, Unruhe, Zugehörigkeit und Flucht, verpackt in warme Country-Rock-Melodien und authentisches Storytelling statt in glattpolierten Klängen. Vorausgegangen von Singles wie "Lovin' a Girl", "Last First Kiss", "Highway Signs" und dem eingängigen "Faith", verankert das Album Kingswood noch fester im Americana-Territorium, spiegelt den Einfluss von Künstlern wie Neil Young und Gram Parsons wider und klingt dabei selbstbewusst in seiner eigenen Identität. "Midnight Mavericks" wirkt weniger wie eine Neuerfindung, sondern eher wie das entscheidende nächste Kapitel einer Band, die auf Hochtouren läuft.
Die Songs von Kingswood sind für lange Autofahrten, späte Nächte und laute Bühnen gemacht
Kingswood verschwenden keine Zeit, um bei "Midnight Mavericks" den Ton anzugeben, und eröffnen das Album mit "Two Lovers", einem drängenden, mitreißenden Pop-Country-Stück, das sofort die klangliche Palette des Albums festlegt. Der Song, der irgendwo zwischen der melodischen Wärme von Crowded House und dem zeitlosen Schwung der Eagles angesiedelt ist, lebt von Bewegung: sowohl musikalisch als auch emotional. Der Einsatz von Steph Greenwood im zweiten Vers sorgt für eine frische Dynamik, wobei ihre Stimme einen Kontrapunkt setzt, während sich die Geschichte entfaltet. "Past the crying and saying goodbye in the dark", singen sie und fangen so die stille Verzweiflung zweier Menschen ein, die sich auseinanderleben. Der Song ist eingängig, ja, aber es gibt einen melancholischen Kern, der dem Ohrwurm-Refrain echtes Gewicht verleiht.
"Lovin' a Girl" hält das Tempo hoch, schlägt aber eine etwas andere Stimmung an und lehnt sich an den klirrenden 90er-Jahre-Pop-Americana-Sound an, der an The Rembrandts, Gin Blossoms und die schottische Band Del Amitri erinnert. Aufgebaut um ein sich wiederholendes Gitarrenmotiv und eine beschwingte Rhythmusgruppe, ist es im Kern ein Road-Song, der von einer Liebe träumt, die noch nicht eingetroffen ist. "Lovin' a girl that I haven't met", geben sie zu, bevor der Refrain mit "Slow down, take my hand, got a one way ticket to Neverland" einsetzt. Der Song ist sonnenverwöhnt, melodisch und bleibt sofort im Gedächtnis – eines der unmittelbaren Highlights des Albums.
Diese luftige Energie setzt sich in "The Action" fort, einem weiteren Uptempo-Track, der Geschichtenerzählen im Bar-Stil mit jenem typischen 90er-Jahre-Glanz verbindet. Hier schleicht sich ein bluesiger, leicht westernartiger Touch in die Gitarren ein, der dem Ganzen unter dem Glanz etwas mehr Biss verleiht. "Ich versuche, ein Stück vom Geschehen abzubekommen, versuche, ein Stück von deinem Herzen zu ergattern", singen sie und beobachten von der Seitenlinie aus, wie Begierde und Frustration aufeinanderprallen. Das Mundharmonika-Solo sorgt für zusätzliche Textur und verstärkt diese spätnächtliche Bar-Atmosphäre, während die narrative Wendung in den Schlusszeilen dem Song einen zusätzlichen Kick verleiht.
"Highway Signs" markiert die erste echte Wende des Albums, bei der elektrischer Jangle gegen akustische Texturen und einen nachdenklicheren Ton eingetauscht wird. Es ist ein Road-Song im wahrsten Sinne des Wortes: einsame Meilen, schwindendes Tageslicht und die ständige Sehnsucht nach Zuhause. Die Bilder sind lebhaft, voller Sonnenuntergänge und kurviger Straßen, während der Einsatz von weiblichem Hintergrundgesang für Tiefe und emotionale Vielschichtigkeit sorgt. Mandoline und bluesige E-Gitarren-Einlagen verleihen dem Song ein ländliches, fast folkiges Flair und verankern das Album nach seinem energiegeladenen Auftakt in etwas Organischerem.
"Mary Jane" führt das Album zurück in düsterere Gefilde und verbindet die Ästhetik von Crowded House meets Eagles mit einer eher schattenhaften lyrischen Note. "One more dance with Mary Jane" wird zum zentralen Refrain, doch ob Mary Jane eine Frau oder etwas eher Eskapistisches ist, bleibt bewusst im Unklaren. "She'll run through the woods just to follow the stars", singen sie und zeichnen ein Bild von etwas Wildem und Unerreichbarem. Die bluesigen Gitarren und stimmungsvolleren Melodien verleihen diesem Track eine nächtliche, fast hypnotische Qualität.
Mit einer Länge von über fünf Minuten ist "Jenny" das Herzstück von "Midnight Mavericks"
"Jenny" ist ein ausufernder, kraftvoller Rocker, der stark an das Geschichtenerzählen der Americana-Tradition anknüpft. Er dringt mit einer gewissen Dringlichkeit aus den Lautsprechern und zeichnet das Leben der Titelfigur durch Liebe, Arbeit und den unvermeidlichen Lauf der Zeit nach. "Nichts währt ewig", erinnern sie uns, während Slide-Gitarren und twangige Klänge dem Ganzen einen südstaatlichen Touch verleihen. Auch in der Erzählung ist ein Gefühl der Distanz spürbar, da der Protagonist Jenny aus der Ferne beobachtet und nie ganz Teil ihrer Geschichte ist. Der Song ist weitläufig, gelebt und einer der fesselndsten Momente des Albums.
"Faith" beruhigt die Stimmung wieder und findet zu einem entspannten Groove, der Tom Pettys Heartland-Coolness mit einem Hauch des melodischen Charmes von Crowded House verbindet. Der Rhythmus ist einfach, die Gitarren zurückhaltend, doch so kommt das Songwriting voll zur Geltung. "Ich nenne sie Baby, alle anderen nennen sie Faith", singen sie und erheben sie damit zu etwas fast Symbolischem, einer Quelle des Lichts und der Bedeutung. Es ist zurückhaltend, aber wirkungsvoll – eine Verschnaufpause, die dennoch emotionale Resonanz trägt.
"Pouring Rain" ist einer der herausragenden Titel des Albums, der einen dunkleren, filmischeren Sound aufgreift. Hier sind deutliche Anklänge an Roy Orbison, Johnny Cash und Chris Isaak zu hören, insbesondere in den eindringlichen Melodien und den vom Western geprägten Slide-Gitarren. "I loved you on the corner in the pouring rain", singen sie und lassen eine Liebe wiederaufleben, die hell und schnell entflammte. Die vielschichtigen Harmonien und der Rockabilly-Unterton machen den Song sowohl nostalgisch als auch mitreißend und wohl zum bewegendsten Moment des Albums.
"Joanie" kehrt zu dieser treibenden Heartland-Rock-Energie zurück und erzählt eine weitere Geschichte von unerreichbarer Liebe. "Joanie war der Hammer, Mann, ich wünschte, du hättest sie sehen können", singen sie und zeichnen das Bild einer fast mythischen Figur: teils Traum, teils Erinnerung. Hier herrscht ein starkes Gefühl von Americana-Storytelling, eingehüllt in warme Harmonien und einen Sound, der erneut an Gin Blossoms und Crowded House erinnert. Es ist eingängig, eindringlich und voller Charakter, genau wie "Joanie" selbst!
Der Abschluss-Track "Last First Kiss" schließt den Kreis des Albums und verbindet Heartland-Rock mit ausgefeiltem Americana-Pop. Es beginnt schlicht, bevor es sich zu einem größeren, harmonischen Refrain steigert, getragen von weiblichen Backing-Vocals, die dem Sound zusätzliche Fülle verleihen. "Ich möchte diesen Zug niemals anhalten", singen sie und fangen so den Rausch neuer Liebe und neuer Möglichkeiten ein. Ein bluesiges Gitarrensolo setzt den letzten Akzent und lässt das Album mit einer hoffnungsvollen, zukunftsorientierten Note ausklingen.
Fazit: Auf "Midnight Mavericks" entwickeln sich Kingswood weiter und orientieren sich noch stärker an Einflüssen aus dem amerikanischen Heartland, Folk und Country, ohne dabei ihre Indie-Rock-DNA aus den Augen zu verlieren.











