In Memoriam: John Prine

John Prine

Kult-Songwriter John Prine verstarb infolge einer Covid-19-Infektion. Wir erinnern uns an einen der Größten seiner Zunft.

Um was für ein Songwriter-Schwergewicht es sich bei John Prine handelte, wird weniger in seinem CD-Nachlass und auch nicht unbedingt in seiner Hit-Bilanz deutlich. Umso mehr aber, wenn man einen Blick auf die lange Liste seiner Bewunderer wirft. Darunter finden sich nicht nur Songschmiede und Barden aus allen möglichen Generationen und Winkeln der Welt, sondern auch: Superstars und Ikonen. Beispielsweise Bob Dylan, Kris Kristofferson und Johnny Cash. Alle drei Legenden haben sich in ihren Karrieren als Fan von John Prine geoutet - und immer wieder Songs aus seiner Feder aufgenommen. Mehr Ritterschlag geht nicht.

Ende der 1960er Jahre begann der aus Maywood, Illinois, stammende Sänger und Sonsgchreiber seine Laufbahn als Folksänger in Chicago. Sein Freund und Kollege Steve Goodman stellte ihm Kris Kristofferson und Paul Anka vor. Die beiden Stars waren so sehr von dem Talent des schmächtigen Newcomers überzeugt, dass sie ihm schon Anfang der 1970er Jahre einen Plattenvertrag bei Atlantic verschafften. Auch wenn der Erfolg zunächst ausblieb, bescherten ihm seine so griffigen wie geistreichen Songs schon bald große Anerkennung in der Musikszene. Mehr noch: Country-Stars wie George Strait ("I Just Want to Dance With You") und Don Williams ("Love Is On A Roll") nahmen immer wieder Prine-Originale auf und sorgten somit für eine sprudelnde Tantiemen-Quelle.

Trotzdem dauerte es einige Jahre, bis Prine, den der Rolling Stone unter den "100 besten Songwriter aller Zeiten" listet, auch bei der breiten Masse zu einer festen Größe wurde. Genau genommen bis 1991 und dem Album "The Missing Years". Bis heute zählt die von Howie Epstein (Tom Petty's Heartbreakers) in Los Angeles und Nashville aufgenommene CD zu seinen wichtigsten Werken. Auch, weil ein Großaufgebot an Country- und Rock-Stars bei den Aufnahmen beteiligt waren, darunter Bruce Springsteen, Bonnie Raitt, Phil Everly, Tom Petty, Lefty Frizzell und Albert Lee. Über 500.000 Mal ging der exzellente Longplayer über die Ladentheken, ein Grammy in der Kategorie "Best Contemporary Folk Album" inklusive.

John Prine | House Of Strombo

Kaum weniger erfolgreich schnitt das 1995 erschienene, erneut für einen Grammy nominierte Nachfolge-Album "Lost Dogs And Mixed Blessings" ab. Für den Rolling Stone war es "seine bisher beste Arbeit" und Bob Dylan verneigte sich in einem Interview vor der Songwriter-Kunst seines Kollegen (vor allem der Track "Lake Marie" hatte es ihm angetan). Die Weichen waren Mitte der 90er Jahre also auf Star-Kurs gestellt gewesen - hätte ihm seine Gesundheit nicht einen Strich durch die Rechnung gemacht: Ende 1997 wurde bei ihm ein Adenokarzinom im Halsbereich festgestellt, das eine Operation und eine Strahlentherapie erforderte. Nach seiner Genesung veröffentlichte John Prine weiter in regelmäßigen Abständen neue CDs.

Darunter das ebenfalls mit einem Grammy ausgezeichnete Album "Fair & Square" (2006) und sein großartiges, 2018 erschienenes und überaus erfolgreiche Spätwerk "The Tree of Forgiveness". Das von Dave Cobb produzierte Meisterwerk zeigt John Prine als großartigen Storyteller, als genauen Beobachter und Chronisten unserer Zeit. Darüber hinaus belegte die im legendären RCA Studio A in Nashville aufgenommene CD, welchen erstaunlichen Einfluss der schmächtige Mann auch auf die junge Country-Generation hatte, wie Gastbeiträge von Jason Isbell, Amanda Shires und Brandi Carlile bewiesen.

Kacey Musgraves sagte noch vor nicht allzu langer Zeit in einem Interview: "Ich bin ein großer Prine-Fan. Dieser Witz und die Beiläufigkeit in seinen Texten ist unvergleichlich. Er hat mich sehr stark beeinflusst."

Am 7. April 2020 ist John Prine infolge einer SARS-CoV-2 Infizierung mit 73 Jahren verstorben.

vgw
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