Daniel Romano live in Hamburg

Den Beginn seiner Tour markiert Daniel Romano hoch oben im Norden.

Das Leben hat so einige Überraschungen parat. Egal ob in der Liebe, im Beruf oder in der Musik: Manchmal verlaufen Dinge ganz anders als erwartet. So geschieht es auch am 9. November 2017 in der Nochtwache in Hamburg. Das von CountryMusicNews.de präsentierte Konzert von Daniel Romano And The Jazz Police stand eigentlich unter dem Stern der Country Music. Doch es kam gleich auf mehreren Ebenen zu Überraschungen.

Wenn selbst die Veranstalter zu Beginn des Konzerts eine Warnung aussprechen, dann sollte man vielleicht die Ohren spitzen. "Wer heute hier hingekommen ist, um Country Music zu hören, ist leider falsch." Die fragenden Gesichter der, zugegebenermaßen recht wenigen Besucher, sprechen Bände. Das hat wohl niemand erwartet. Zumal die ersten Alben von Daniel Romano doch klassische Country Music und Folk beinhalten. Doch der Künstler lässt sich nicht auf eine Richtung festlegen. Er ist ein "musikalisches Chamäleon", wie es die Veranstalter sagen. Und damit haben sie verdammt Recht!

Steven Lambke als Vorband ist ein Totalausfall

Doch bevor Daniel Romano mit seiner Band The Jazz Police die Bühne betritt, hat Support Steven Lambke seinen Auftritt. Wie Romano stammt auch er aus Kanada und ist kein unbeschriebenes Blatt. Fünf Alben hat der Mann schon auf dem Buckel. Man sollte also Professionalität erwarten können. Was an diesem Abend allerdings auf der Bühne passiert ist unter aller Kanone.

Lambke schwankt zum Mikrofon und lallt seine Lieder hinein. Weder trifft er einen Ton, noch kann er ihn auch nur länger als zwei Sekunden halten. Nach den ersten Liedern verlassen Zuschauer den kleinen Club. Der Applaus nach jedem einzelnen Song ist verhalten. Lambke versucht mit ein paar Witzen die Atmosphäre zu lockern, was ihm aber nicht gelingt. Sein Auftritt ist bestenfalls lächerlich, schlimmstenfalls eine Katastrophe. Das Konzert beginnt nicht gut.

Daniel Romano rettet den Abend

Nach diesem Totalausfall dauert es noch einmal 20 Minuten bis Daniel Romano mit seiner Band The Jazz Police die Bühne betritt. Ganz so, als wolle er warten bis sich die Gemüter beruhigt haben. Was dann folgt haut sämtliche Zuschauer aus den Socken. Schnell wird klar: Country Music sucht man hier vergebens. Daniel Romano bietet eine Mischung aus Rock, Indie und Britpop.

Dabei sind die einzelnen Lieder nur entfernt als die Stücke erkennbar, wie sie auf seinem neusten Album zu hören sind. Wesentlich härter rückt die Orgel in den Hintergrund und Gitarre und Schlagzeug in den Vordergrund. Nach spätestens drei Liedern ist allen bewusst, dass man den Sound Romanos erster Alben hier heute nicht hören wird. Mal fühlt man sich an die Beatles erinnert, öfter noch an die Rolling Stones. Doch immer sind die Songs derber und rauer.

Wohl das Konzert des Jahres

Daniel Romano verströmt bei seinem Auftritt so viel Energie und heizt der Menge so dermaßen ein, dass sich bald alle mit der neuen Situation abgefunden haben. Zuerst nicken Köpfe, dann wippen Beine. Zum Schluss tanzt die ganze Tanzfläche und die Menschen geben sich den rockigen Klängen Romanos völlig hin. Vergessen ist der mehr als holprige Support. Was hier abgeliefert wird ist beste Unterhaltung!

All diese Klänge beherrscht der 32-Jährige ebenso virtuos wie die Country Music der früheren Alben. Romano macht keine halben Sachen. So wie er am Anfang seiner Karriere den ganzen Country-Style mit seinen übertriebenen Outfits fast schon ad absurdum trieb, so steht er nun auf der Bühne und treibt den Zuschauern mit seiner klischeehaften 70er Jahre Brille und der Schlaghose Tränen in die Augen. Auch die Band The Jazz Police sieht wie aus einem 70er Jahre Albumcover gestanzt. Dies passt aber alles hervorragend zum gesamten Auftritt.

Denn Romano ist so verdammt gut in dem was er tut, dass man ihm die Leidenschaft zur Musik sofort abkauft, egal ob Indie, Britpop, Rock oder Country Music. Der Mann ist eben ein musikalisches Chamäleon. Und liefert mal eben das Konzert des Jahres.


Anmelden