Truck Stop

Mit leider mäßigem Publikumszuspruch gab Truck Stop die Premiere der "Made in Germany"-Club-Tournee in Würzburg.

Eins gleich vorweg: So etwas hatten Truck Stop nicht verdient! Als die Band im Herbst 2016 ihre damals angekündigte Club-Tournee verschob, gingen wilde Spekulationen umher. Die sechs Musiker aus Hamburg sagten, dass sie sich einfach so gut wie möglich auf ihr neues Album "Made in Germany" vorbereiten, das jetzt kurz vor Tour-Start erschien, wollten. Dass dieses bei vielen Kritikern und Fans nicht auf wirkliche Begeisterung stieß, war möglicherweise einer der Gründe, weshalb die Tour insgesamt bei Start nicht ausverkauft war. So auch die Posthalle in Würzburg, wo die "Made in Germany"-Tour von Truck Stop am gestrigen Donnerstag, den 20. April 2017, startete.

Laut einem Mitarbeiter vor Ort war man bei den Vorbereitungen von 500 Menschen ausgegangen, doch der Vorverkauf lief nur mit circa 200 Tickets. Auch an der Abendkasse fanden sich nicht wesentlich weitere spontane Gäste ein, so dass letztlich traurigerweise vor halb leerem Saal spielen musste. Dass die sechs Musiker Profis genug sind, dennoch eine gute Show abzuliefern, sollten sie an diesem Abend unter Beweis stellen.

Truck Stop mit neuem Image

Nach der Neuformierung im Jahr 2015 und dem danach ersten Album "Männer sind so" hatte sich Truck Stop bewusst vom altem Image entfernt, sich rockiger und moderner gegeben, was auch bei Live-Shows gut ankam. Jetzt mit "Made in Germany" wollte man in eine noch andere Richtung, mit "weniger Klischees und weniger Amerika, dafür mehr Persönliches und Privates" wie Andreas Cisek, der neue Frontmann, angekündigt hatte.

Nun ja, weiter weg von Amerika war man mit diesem Album tatsächlich, welches klar mehr im Schlager-Sektor anzusiedeln ist. Im Live-Konzert in Würzburg allerdings zeigte sich Truck Stop wieder weit tiefer in der Country Music verwurzelt und wesentlich dynamischer. Sicher kein leichter Job, standen zum Showstart vielleicht gerade mal an die 30 Mann direkt vor der Bühne. Der Rest verteilte sich im Raum, teils im hinteren bestuhlten Bereich, teils seitlich an der Bar.

Viel "Made in Germany"

Der Einstieg von Truck Stop war schon etwas unglücklich: Mit "Mama macht Karriere" vom neuen Album, welches, wie sich während des Konzerts heraus stellte, offensichtlich die wenigsten Anwesenden bis dato kannten, dann nur mit einer Strophe angespieltem "Der wilde, wilde Westen" (Stimmung rauf und direkt wieder runter) und direkt hinter her geschobenem "Männer sind so" vom gleichnamigen Vor-Album. Alles etwas schnell, etwas wirr, etwas unpersönlich, ohne ein Wort mit dem Publikum zu kommunizieren.

Die Erklärung folgte im Anschluss: Frontmann Andreas Cisek forderte zunächst das Publikum mit einem "Ihr dürft ruhig etwas näher kommen, dann fühlen wir uns nicht so alleine" auf, die Leere vor der Bühne zu füllen. Einige folgten dem Appell, schoben sogar die Stehtische von der Seite etwas mehr mittig, doch es war nur Illusion, der Raum wurde damit nicht voller. Man wolle an diesem Abend das Beste aus 40 Jahren Truck Stop spielen, führte Andreas Cisek dann weiter aus, gleichzeitig natürlich das aktuelle "Made in Germany"-Album vorstellen. Letzteres dominierte eindeutig, denn die "guten, alten" Hits waren rar gesät.

Andreas Ciseks Schwerpunkt auf die neue Alben

Andreas Cisek, Tim Reese und Andreas Kaufmann, die "Neuen", haben sich trotz anfangs zum Teil harter Kritik in die Band integriert. Dass es nach dem Tod von Burkhard "Lucius" Reichling 2012 und Günter "Cisco" Berndt 2014 nie wieder ganz wie früher werden würde, hat jedem klar sein müssen. So wie Knut Bewersdorff, Uwe Lost und Teddy Ibing ihren neuen Kollegen eine Chance gaben, tat es ein Großteil der Fans und nahm auch hin, damit eben auch einen Teil der Persönlichkeit von Truck Stop gehen lassen zu müssen.

Dass vor allem Andreas Cisek den Schwerpunkt eher auf die letzten beiden Alben setzt, auf denen er bereits als Sänger von Truck Stop dabei war, ist bemerkbar. Eine klare Botschaft spricht er mit dem Titelsong der aktuellen CD "Made in Germany" aus: Wir dürfen stolz auf unser Land sein und sollten Toleranz üben. Sehr schade, dass das Lied, welches live noch wesentlich besser kommt und eigentlich den Status einer Hymne hätte, von offensichtlich doch wenigen im Publikum gekannt und mitgesungen wurde.

Auch "Wenn Männerherzen brechen", "Ich guck' das Spiel, Schatz", "Raus aus meinem Kopf" und "Ein Hund ohne richtigen Namen" wurden vorgestellt. Das wunderschöne "Ohne Frauen wie Dich" verlor live wesentlich an Schlager-Kitsch, gewann an Macht und zeigte Truck Stop in Bestform.

Auch das "Männer sind so"-Album aus 2015 gibt noch reichlich Stoff für die Tour. Hier durfte dann auch mal Schlagzeuger Teddy ans Mikro und sorgte mit seinem, wie er es nannte "Country-Chanson", "Wenn mein Bier bloß so kalt wär'…" für eine kleine Humor-Einlage.

Auch Pedal Steeler Knut Bewersdorff gab mit "Danke für nix" ein Stück zum Besten.

Andreas Cisek moderierte zwischen den noch zahlreichen weiteren Songs des Albums souverän und charmant, überzeugte mit glaubhafter Darstellung seines gefundenen Platzes in der Band, während man bei den leider ohnehin wenigen früheren Hits von Truck Stop nicht umhin kam, einen Hauch Emotionsarmut bei ihm zu erkennen.

Wenig "gute, alte" Truck Stop-Songs

Es ist nun mal bei jedem Künstler und jeder Band das gleiche - es mag das aktuelle Album noch so gut sein, die Fans kommen in die Live-Konzerte, um "ihre" Lieder zu hören, die großen Hits, die man seit Jahren, oft sogar Jahrzehnten, im Ohr und im Herzen hat.

Truck Stop ohne wenigstens "Ich möcht' so gern' Dave Dudley hör'n", "Take it easy, altes Haus" oder "Hillybilly Country Lilly" ginge nicht und wenigstens gewährten die Hamburger dieses kurze Medley dem auch durchweg eher aus ihrer Generation stammenden Publikum, das auch dankbar war, obwohl Andreas Cisek diese Lieder spürbar unkonturiert darbot.

Erst zum Ende der insgesamt fast zwei Stunden dauernden Show gab man nochmal richtig Gas und legte "Tanz mit mir" und "Der wilde, wilde Westen", jetzt auch ausgespielt, nach. Dieser fing dann nicht "hinter Hamburg", sondern "hinter Würzburg" an und die mittlerweile in entsprechender Stimmung befindlichen Mittelfranken forderten direkt eine Zugabe.

Die Party geht buchstäblich weiter

Das Highlight ihres Abends setzten Truck Stop zu diesem denkbar ungünstigsten Zeitpunkt: "Die Party geht weiter", der herrlich lockere Sommer-Country-Song, den sie wunderschön akustisch und mit Nähe zu ihren Fans am Bühnenrand darbrachten und mit welchem sie bei diesen den berührendsten Punkt trafen, hätte vielleicht das Ende sein müssen. So wäre man mit bestem Gefühl gegangen. Doch dann durfte Uwe Lost noch einen Song nachlegen und Truck Stop gaben mit "Letzter Halt" - aus dem aktuellen Album - den Schluss, welcher mit kurzer Verbeugung und anschließender direkter "Rausschmissmusik" klar gekennzeichnet wurde. Verwirrend!

Doch bleibt ein klares Fazit: Truck Stop sind noch immer eine starke Band, die auf großen Festivals und überall da, wo zahlreiches (Country-)Publikum zu finden ist, dieses auch zu begeistern im Stande ist. Doch scheinen die Zeiten offensichtlich vorbei, in denen ihr guter Name allein ausreicht, Leute zu ziehen und Hallen zu füllen. Bis jetzt ist auch der Vorverkauf der weiteren Tour, die heute in Magdeburg weiter geht und danach noch durch acht weitere deutsche Städte führt (siehe unseren Terminkalender), zumindest teilweise nicht sehr stark. Im Grunde schade, denn bei Country Music "made in Germany" sind Truck Stop noch immer die klare Nummer Eins.


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Joschis Avatar
Joschi antwortete auf das Thema: #58208 6 Tage 4 Stunden her
Ich musste dann doch etwas schmunzeln als ich in dem Bericht gelesen habe, das Truck Stop eine halbvolle Halle nicht verdient haben. Genau das dachte ich mir auch als ich gestern in die Halle kam. Ich hatte nämlich erst gedacht, das Konzert wäre schon seit einer halben Stunde vorbei und die Meisten wären schon heimgegangen.

Unglücklich war vom dem Veranstalter, das man mehrere Reihen von Stühlen in die hinterste Ecke des Raumes stellte, so das wie im Bericht erwähnt, Andreas erst einmal die Leute auffordern musste, das alle erst einmal nach vorne kommen sollen. Das füllte zwar den Raum etwas, aber wie schon erwähnt, voll war er trotzdem nicht.

Leider hat CMN aber auch dazu beigetragen, das der Verkauf nicht so erfolgreich war. Wer in der CD- Besprechung der aktuellen CD sagt, das sie nicht an die letzte CD rankommt, schreckt natürlich jeden ab der sagt, das nach Lucius und Ciscos Tod auch Truck Stop gestorben ist und dem schon die letzte CD "Männer sind so" nicht so gefallen hat, die aktuelle CD zu kaufen, geschweigen denn Geld für ein Konzert auszugeben.

Dazu finde ich es auch nicht so gelungen, die neue CD 2 Wochen vor Tourstart zu veröffentlichen, so das man die Songs kaum kennt.

Etwas komisch fand ich auch, wie im Bericht beschrieben, das Andreas am Anfang sagte, man wolle das Beste aus über 40 Jahren Truck Stop spielen, dann aber doch nur zu 80% Songs von "Männer sind so" und "Made in Germany" zu spielen, was natürlich aus verkaufstechnischen Gründen zu verstehen ist.

Aber sei es drum, ich persönlich fand das Konzert sehr gut, ich kann jedem der auf traditionelle Country Musik (also mit viel Fiddle und Steel Guitar) steht nur empfehlen.

Auch die neue CD finde ich ganz gut, die Texte sind aus dem Leben gegriffen und die Musik ist schön zu hören.........da wo Truck Stop drauf steht ist halt eben auch Truck Stop drin, nicht mehr und nicht weniger :-)
Rauschbrunnens Avatar
Rauschbrunnen antwortete auf das Thema: #58209 4 Tage 18 Stunden her
Truck Stop goes mit "Made in Germany" to Schlagermusik . Da braucht man sich nicht wundern, oder sich darüber mokieren, dass die Besucher fernbleiben.
Wenn es so weitergeht werden diese ergrauten Herren noch mit einem Rollator Made in Germany auf der Bühne stehen.
Der Truck Stop Stern ist am Verblassen, denn diese neue CD lockt keinen Countryfan mehr zu Veranstaltungen von Truck Stop. Das ist eigentlich schade wenn man an frühere Zeiten denkt. Auch der Alkohol hat das seine dazu beigetragen, auch schade.
Keep it Country Erwin +