The White Buffalo

The White Buffalo - erstmalig als Band auf Tour in Deutschland mit Start in Berlin

Jake Smith ist ein Naturereignis. Ein großer, bärtiger Typ mit langem, vollen Haar, der mit seinem Bühnennamen The White Buffalo bestens beschrieben ist. Ein eindrucksvoller Mann mit großer Ausstrahlung, und es geht die Legende, dass das Publikum, das er magisch anzieht, vor allem aus Bikern und Frauen besteht. Möglicherweise weil die einen sich in ihm wiedererkennen, die anderen seine Power, seine Intensität und den Klang seiner tiefen Baritonstimme lieben.

Beim ersten Deutschlandkonzert bestätigt sich dieses Gerücht nur zum Teil, es ist dann doch, auch der Hauptstadt geschuldet, ein gemischtes Publikum, Mützen, Bärte, Kutten - alles vertreten, allein Hutträger sieht man an diesem Abend in Berlin allenfalls auf der Bühne, zum Beispiel beim energetischen Drummer Matt Lynott, denn es ist kein Abend für Hardcore Country-Fans, dafür ist die Musik von The White Buffalo zu rockig, zu bluesig und zu staubig.

Geschichten aus der amerikanischen Wirklichkeit

Jake Smith A.K.A. The White Buffalo erzählt in seinen Songs ungeschönte Geschichten. Es sind die eines hart arbeitenden, hart trinkenden Beobachters der amerikanischen Wirklichkeit, dem kein Verlierer entgeht und der ihnen Zeilen wie diese widmet: "Country, I was a soldier for you/ I did what you asked me to/ It was wrong und you knew". Wish It Was True ist nicht der einzige Song über einen Kriegsveteranen, der sich betrogen und verraten fühlt und der vom White Buffalo seine Würde zurückbekommt.

Zwischen Folkballaden und Cowpunk

The White Buffalo

Zwei Alben hat Jake Smith alias The White Buffalo bisher veröffentlicht. Sie zeigen ihn zum einen als lyrisch starken, von der Kritik anerkennend gelobten Songwriter, der sich besonders in den ruhigen Erzählungen mit den großen texanischen Vorbildern wie Townes Van Zandt und Waylon Jennings vergleichen darf. Zum anderen ist er ein im Bluesrock verwurzelter Musiker und kann darin eine schwer stampfende Körperlichkeit entwickeln. Es sind besonders die Balladen, die von seiner intensiven, tief sonoren Stimme getragen sind und zwingend dazu einladen, den Geschichten zu folgen. Auf der Livebühne wechselt er mit seinen beiden Mitstreitern geschickt zwischen ruhigen Folkballaden und Uptempo Nummern, die auch mal bis in den ruppigen Cowpunk reichen, mit schnellem, Rockabilly inspiriertem Drive vorwärts preschen und die von der als Trio agierenden Band mit größter Spielfreude umgesetzt werden. Der Sohn eines College Professors und einer Krankenschwester wuchs im kalifornischen Huntington Beach auf und wechselte vom zunächst klassischen Country-Programm mit George Jones und Tammy Wynette zum Punk Rock von The Circle Jerks und Bad Religion, eine musikalische Biographie, die sich heute in seiner eigenen Musik wiederfindet.

Neben Drummer Lynnott komplettiert Tommy Andrews am Bass und Mini-E-Piano das Set, steuert Harmonievocals bei und springt auch mal dynamisch wie ein Jungspunt vor Freude in die Luft. Wie sehr die drei eine Einheit bilden, dokumentiert sich auch im Bühnenaufbau: schön nebeneinander aufgereiht stehen sie vor ihrem begeisterten Publikum, links das Schlagzeug, dann Jake Smith alias The White Buffalo als Mittelpunkt mit der hart geschlagenen Akustikgitarre und im rechten Bühnenfeld der Bass.

Eine Minimalbesetzung mit maximalen Effekt

Dass The White Buffalo so starken und zahlreichen Zuspruch erfährt, ist vor allem dem Einsatz der Songs bei der berühmten und mit sieben Staffeln überaus erfolgreichen amerikanischen Bikerserie Sons Of Anarchy zu verdanken. Insgesamt neun Songs von The White Buffalo behaupten sich dort u.a. neben von Größen wie den Rolling Stones, Bob Dylan, Metallica und Creedence Clearwater Revival und wurden zu kleinen Hymnen, auf jeden Fall für das im Berliner Huxleys versammelte Publikum, das sich zum Beispiel beim Song Dark Days teils auch erstaunlich textsicher zeigt.

Es ist der authentische, Soul Searching Americana Blues, der hier mit viel Herzblut und Gefühl überzeugt, dargeboten von einer schnörkellosen, uneitlen Band, die zwar nichts leichtnimmt und der man hier und da doch etwas Auflockerung wünscht, wie etwa den Gastauftritt von Sängerin Audra May bei I Got You beim Album "Love And The Death Of Damnation", die aber ansteckend großen Spaß hat. Politische Anspielungen, wie sie in den angebrochenen Trump-Zeiten durchaus nahelägen, liefern sie nicht direkt, aber sie machen mit jedem Song klar, dass hier charakterstarke Männer agieren, denen man wahrlich nichts vormachen kann und die keinen wohlfeilen Versprechungen anheimfallen.

Songwriter Jarrod Dickenson im Vorprogramm

Erwähnt sei auch der starke Auftritt von Jarrod Dickenson im Vorprogramm, ein Songwriter aus Waco, Texas, mit Wohnsitz in Brooklyn, der unerschrocken als Soloact seine rauhe und doch starke Stimme in die Weite des großen Huxley’s schickt und schnell für Aufmerksamkeit sorgt, auch Dank seiner souveränen, unterhaltsamen Moderationen. Seine Songs bewegen sich zwischen waltzender Cowboytradition und bestem Storytelling und sind melodisch überzeugend, ein eleganter Gentleman Cowboy mit Einstecktuch und ausladendem Hut, der einen tiefen Eindruck hinterlässt.

Weitere Konzerte von The White Buffalo stehen in unserem Terminkalender.


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