Doug Seegers

Doug Seegers überzeugt mit Authentizität und Spielfreude beim Tour-Auftakt in München.

Ein Mittwochabend im November. Es ist nass draußen, die Temperaturen nähern sich mit drei Grad allmählich dem Gefrierpunkt. An solch einem Abend wagen sich nur die vor die Tür, die wirklich nach draußen müssen - oder die, die eine kleine Kostbarkeit erwarten. Eine Kostbarkeit wie der Auftakt der Deutschland-Tournee von Doug Seegers am 2. November 2016 im Münchner Strom.

Ellen Sundberg eröffnet für Doug Seegers

Ellen Sundberg

Rund 200 Musikfans haben an diesem Abend den Weg aus den gemütlichen vier Wänden ins Strom gefunden; für sie und seine Tour hat Doug Seegers auf eine Teilnahme bei den CMA Awards verzichtet. Doch zunächst betritt die 21-jährige Ellen Sundberg die Bühne. Gemeinsam mit der dreiköpfigen Band von Doug Seegers präsentiert die Schwedin, die bereits mit Israel Nash auf Tour war, eingängige Melodien an der Grenze zwischen Pop, Rock, Folk und Americana.

Doug Seegers - nachdenklich doch niemals belehrend

Dezent, ohne großes Getöse betritt im Anschluss Doug Seegers die Bühne. Und legt mit der klassischen Country-Nummer "Gotta Catch That Train" direkt fulminant los. Man sieht Seegers die Freude am Performen an. Eine Freude, die wohl auch darauf beruht, dass ihn so lange niemand richtig wahrnahm. Nur all zu gut erinnert er sich wohl an jene Tage, als er obdachlos für ein paar Münzen spielte und mit Alkohol und Drogen kämpfte.

Diese sehr persönlichen Erinnerungen hält Doug Seegers sich und seinem Publikum auch an diesem Novemberabend vor Augen. Der lässig in Jeans, Hemd und Lederjacke gekleidete Seegers erzählt die Entstehungsgeschichten hinter seinen Songs - seien es missglückte Liebschaften wie bei dem Texas Swing "Baby Lost Her Way Home Again" oder dem selbstdefinierten "electric bluegrass"-Song "Precious Wedding Vow". Auch seine Alkoholabhängigkeit und Obdachlosigkeit macht Doug Seegers mit seiner einzigartigen Stimme bei Songs wie dem bluesigen "Zombie", "Give It Away" oder "Going Down to the River" zum Thema. Man merkt, der 64-Jährige steht zu seiner Vergangenheit und wirkt immer wieder nachdenklich, doch niemals belehrend - als könnte er sein Glück immer noch nicht wirklich fassen.

Gemeinsam mit seiner schwedischen Band springt Doug Seegers gekonnt zwischen den Genres

Dieses Glück, das mit der Schwedin Jill Johnson und ihrer Fernsehsendung begann. Kein Wunder also, dass Doug Seegers sie auch an diesem Abend erwähnt. Überhaupt hat Seegers ein besonderes Verhältnis zu dem skandinavischen Land. Wie Seegers Durchbruch so hat auch seine virtuos spielende Band ihren Ursprung in Schweden. Drei junge Burschen am Bass, Gitarre und Fiddle sowie an den Drums hat der "älteste Newcomer" auf der Bühne um sich gesammelt. Gemeinsam präsentieren sie Songs aus Seegers Alben. Nummern wie "Walking on the Edge of the World", "Hard Working Man" oder "How Long Must I Roll". Dabei wechseln sie gekonnt zwischen Genres, reihen mühelos den Gospel "Will You Take the Hand of Jesus" and die astreine Blues-Interpretation "Good Morning Miss Brown" von Taj Mahal, das rockige "Before The Crash" an das Elvis-Cover "Little Sister". Selbst der Roadie zeigt sich fast Cheerleaderhaft neben der Bühne begeistert, trommelt und tanzt mit - und auch das vom Alter bunt gemischte Publikum weiß spätestens jetzt, warum sich der Gang vor die Tür an diesem 3. November ausdrücklich gelohnt hat.

Count Your Blessings!

Während Seegers für sein Hauptset gänzlich auf sie verzichtet hat, greift er für seine Zugabe, einer Interpretation von Mark Wills "Don't Laugh At Me" doch noch einmal zu seiner Akustikgitarre. "Count your blessings", ruft er seinem Publikum zu, "euch geht es allen besser, als ihr meist denkt." Nach rund 80 Minuten beendet der musikalische Senior sein Konzert. Doch Schluss ist für Seegers noch nicht. Erst als auch der letzte Fan sein Foto und Autogramm bekommen hat, macht auch Seegers Feierabend.

Für Doug Seegers stehen noch weitere Deutschland Konzerte auf dem Tourplan. Mehr dazu in unserem Terminkalender.


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willi wutzs Avatar
willi wutz antwortete auf das Thema: #57971 2 Monate 1 Woche her
War auch im Doug Seegers Konzert und bin wieder mal mit gemischten Gefühlen nach Haus gegangen. Der Künstler ist erste Sahne, keine Frage; aber die Lokalität? Ne, bitte nicht nochmal. Google nennt das Ding einen "quirligen Independence Club", es ist aber eher ne heruntergekommene schwarz gestrichene Bruchbude mit versifften Toiletten und ner verdreckten Spiegelwand... Am schlimmsten aber war der Sound: Extrem starker Bass, den man noch in den innersten Eingeweiden spüren konnte :) Nichts dagegen zu sagen, wenn's zur Musik bzw Party passt; aber hier waren eigentlich eher die Stimme und der Text wichtig, und die gingen im voll übersteuerten Rest ziemlich unter. Dazu noch ne Brummschleife, die niemanden interessierte, da macht man's einfach lauter, dann hört man die nicht mehr... Es ist schade, wenn durchgeknallte Mischpult-Freaks einem das Erlebnis so vermiesen können... Klar is der Jung stolz auf seinen Bass-Wumms, aber hier wär Weniger etwas Mehr gewesen. So verlässt man das Konzert leicht gefrustet mit klingelnden Ohren, erst nach einigen Minuten kann man seinen Partner wieder in normaler Lautstärke verstehen. Aber immerhin sind die zwei gekauften CDs im Auto wunderbar zum Nachhören, und endlich versteht mein Weibi auch die Liedtexte :)

Aber 200 Besucher? So viele passen da garnicht rein, ich hätt's auf maximal 80 bis 100 geschätzt, bzw anders gesagt: Der Raum war sehr locker besetzt.