The Jayhawks live in Hamburg

The Jayhawks brauchen keine Vorband, die das Publikum einheizt. Als Sänger und Gitarrist Gary Louris und seine vier Mitstreiter um 20:20 Uhr die Bühne im gut gefüllten Grünspan in Hamburg entern, ist der ganze Saal direkt auf Betriebstemperatur. Als Opener spielen sie ein majestätisches "Waiting for the Sun". Es dauert keine zehn Sekunden, bis Louris das erste Gitarrensolo spielt und die Menge in dankbares Entzücken versetzt.

Bei The Jayhawks ist die Musik ist der Star

The Jayhawks sind lange nicht mehr in Deutschland gewesen. Jetzt, in ihrem "vierten Frühling", wie es eine Hamburger Tageszeitung im Ankündigungstext zum Konzert beschrieb, kommen sie endlich auch wieder in unsere Breitengrade. Entsprechend groß ist die Wiedersehensfreude. Bei der ersten Ansage verrät Louris, dass seine Freundin aus Hamburg kommt und schickt ein "Hummel Hummel" in die Halle, das freudig beantwortet wird. Ansonsten wird wenig gesprochen. Die Songs sind die Stars des Abends. Und von denen haben die Jayhawks ja bekanntlich viele gute.

Das hat zuletzt auch das neue Album "Paging Mr. Proust" gezeigt, dass von Peter Buck (R.E.M.) mitproduziert wurde. Gleich sechs Songs der heutigen Setlist stammen von der neuen The Jayhawks-Platte, darunter die famosen "Pretty Roses in Your Hair", "Lovers of the Sun", The Devil In Her Eyes" und "Comeback Kids".

Das neue Material zeigt, dass The Jayhawkys sich nicht nur auf ihre gewohnte Mischung aus Country und Folk verlassen, sondern längst die Türen zum Indierock und Pop weit geöffnet haben. So schlagen The Jayhawks mühelos eine Brücke zwischen Steve Earle, Gram Parsons und The Byrds zu den Fleet Foxes, Ryan Adams und The Shins. Live kommen die Songs noch einmal deutlich energetischer daher, unmittelbarer, entschlossener.

Mal soft, mal hart

Aber auch das klassische Material kommt nicht zu kurz. The Jayhawks spielen auch Songs älterer Alben wie "Rainy Day Music", "Tomorrow the Green Grass", "Sound of Lies" und "Hollywood Town Hall".

Drummer Tim O'Reagan hat seinen großen Auftritt im gefühlvollen "Tampa to Tulsa", bei dem er die Lead Vocals übernimmt. Es ist einer der intimsten Momente der Show. Ganz anders der Rocker "Big Star": Louris hat sich die Flying V umgeschnallt und die Band rockt sich in einen Rausch. Den Song "Ace" kündigt Louris als Hommage an den deutschen Krautrock an - eine Musik, die die Band stark beeinflusst hat.

Und so spielen The Jayhawks sich durch eine bemerkenswert vielseitige Setlist voller Hochkaräter. Das offizielle Set wird beendet mit "I'm Gonna Make You Love Me". Der Zugabenblock wird dann noch einem gefühlsvoll. Nach rund 100 Minuten Spielzeit ernten The Jayhawks den frenetischen Schlussapplaus.

Wunder und Segen

Eine gewisse Tragik haftet jedem Konzert von The Jayhawks an. Ein Gefühl von "Was hätte nicht alles aus ihnen werden können". Das Talent der 1985 in Minneapolis gegründeten Band überstrahlte damals das von Uncle Tupelo. Kritiker sahen in ihnen die legitimen Nachfolger von R.E.M. Als dann auch noch Starproduzent Rick Rubin die Band Mitte der 1990er Jahre unter seine Fittiche nahm, schien die große Karriere unter Dach und Fach. Doch es kam bekanntlich anders. Dass sie trotz alledem auch 2016 in bestechender Form auf der Bühne stehen und Konzerte dieser Qualität liefern, ist ein kleines Wunder. Und ein Segen für alle Fans.

Wer The Jayhawks auch noch live erleben möchte, kann dieses noch in Berlin, und Frankfurt am Main tun. Mehr dazu in unserem Terminkalender.


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