Chris Young

Am gestrigen Samstag, 19. September 2015, stand die bayerische Landeshauptstadt Kopf. Das legendäre Oktoberfest wurde am Vormittag eröffnet und tausende Menschen strömten auf die Theresienwiese, um sich auf dem größten Volksfest der Welt zu vergnügen. Auch die Kultfabrik, das ehemaligen Gelände der Pfanni-Kartoffel-Fabrik, welches jetzt Clubs, Diskotheken und Bars beheimatet, war am Abend voller Leben. Das Ziel von 750 Gästen drunter war das ausverkaufte Technikum, eine der Konzerthallen, das, wie sich herausstellte, Größe und Sound betreffend, absolut ideal für die von CountryMusicNews.de präsentierte Show von Chris Young war.

Dieser schien, folgte man ihm die Tage zuvor auf Instagram, sich auf seiner bisherigen Europa-Tour umfassend wohl zu fühlen. Dort dokumentierte er die vorangegangenen Konzerte in der Schweiz, England und Schottland. Überall dort hatte bei seinem Publikum Begeisterung ausgelöst und auch in München sollte sich diese Reihe fortsetzen. Zunächst jedoch erfolgte ein halbstündiger Opening Act der Britin Frankie Davies. Solo, nur mit Akustikgitarre, konnte die Sängerin und Songschreiberin bei ihrem ersten Auftritt in Deutschland zwar durch Können, jedoch nicht durch Abwechslung überzeugen. Dennoch war die Auswahl keine Falsche, denn die Brücke zur erwartenden Country Music wurde geschlagen.

Chris Young; Foto: Jesse SeussDas Spannungsmuster wurde gehoben, als die Band sich auf der Bühne formierte und mit der Sekunde seines Erscheinens hatte Chris Young komplette Präsenz. Kraftvoll und ohne große Worte begann er zunächst mit "A. M.", "Gettin' You Home" und "Voices", bevor er sein Publikum begrüßte und gleichzeitig glaubhaft seinen Dank aussprach. Er sei in diesem Jahr auf Welt-Tour unter anderem in Südkorea und Australien gewesen und nun zum ersten Mal in Deutschland. Gleich, wo, überall seien es einzig die Fans, die es ihm möglich machen würden, Country Music zu spielen.

Dann erzählte er scherzend, wie er sich am Morgen im Hotel "underdressed" gefühlt hatte, als er in Boxershorts und Baseball-Shirt zum Frühstück kam und dort einige Leute in Lederhosen saßen. Bayerische Kultur eben.

Begleitet wurde Chris Young von seinen sechs Musikern aus Nashville, dabei auch der hervorragende Terry Crisp an der Pedal Steel Guitar. Sein Spiel kam vor allem in Songs, wie "I'm Comin Over", Titelsong des neuen Albums, das im November erscheinen wird, und "Neon" zum Tragen.

Die Perspektive wurde immer wieder gewechselt, indem Chris Young allein, nur mit Gitarre, sang und dabei Geschichten erzählte, wie die seines Großvaters, der ebenfalls Musiker und Marty Robbins-Fan war. Er selbst sei bei RCA unter Vertrag, nicht nur, weil auch Elvis bei diesem Label war, sondern vor allem wegen einem seiner großen Idole: Keith Whitley. Mit dessen Song "When You Say Nothing At All" konnte er das Publikum dann vollends mitnehmen. Es gab vermutlich niemanden, der hier nicht mitsang.

Diszipliniert und dennoch immer wieder spontan erfüllte Chris Young die gesetzte Beziehung, scherzte, signierte mitgebrachte CDs der Fans vor der Bühne und steigerte den Höhepunkt noch mit einer wundervoll feinen Version von "Tomorrow", knallte dann mit "Save Water, Drink Beer" ins phänomenale Ende seiner Show.

Chris Young; Foto: Jesse SeussAnschließend wurde das Publikum nach einer Zugabe mit grellem Saallicht und Michael Jackson aus dem Lautsprecher etwas eigenartig aus dem Country-Traum wieder in die Realität zurückgeholt.

Generell jedoch ist festzustellen, dass wir in Deutschland nun endlich da angekommen zu sein scheinen, worauf Veranstalter und Medien lange hingearbeitet haben. Es ist nämlich gelungen, die Struktur des Zielpublikums zu verfeinern, eine Vervielfältigung vorzunehmen und unsere Kulturlandschaft damit reicher zu machen. Im Technikum wurde deutlich, dass das Konzert eines hochwertigen Country-Künstlers zu einem doch absolut fairen Preis Menschen verschiedenster Alters- und Gesellschaftsklassen anspricht. Der Wandel der Country Music hierzulande hat endlich begonnen und soll bitte nicht aufgehalten werden.


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