Truck Stop beim European Country Festival

Vom 4. bis 6. September 2015 fand im österreichischen Kössen das von Kabel eins und CountryMusicNews.de präsentierte 1. European Country Festival statt. Mit dabei: Truck Stop, Tom Astor, Gudrun Lange & Kactus sowie internationale Acts wie Johnny Falstaff und Kim Carson. Alles gut - bis aufs Wetter.

Kössen, Tirol. Die voralpine Region nennt sich - ganz bescheiden - "Kaiserwinkl" und ist tatsächlich königlich von Bergen, Wiesen, Wäldern und Seen umrahmt. Genau die richtige Kulisse für sorglose Heimatfilme, Postkarten - oder für ein stattliches Country-Festival. Das dachten sich wohl auch Hansi Kiesler und Simon Auer, die beiden aus der Region stammenden Veranstalter des 1. European Country Festival. Vom Freitag, den 4., bis Sonntag, den 6. September 2015, war Kössen jedenfalls der Nabel der europäischen Country-Szene. Geladen waren die üblichen Verdächtigen der deutschen Gilde: Tom Astor, Truck Stop, Gudrun Lange & Kactus; aber auch hoffnungsvolle Newcomer, wie The Buffalo Bells und internationale Acts wie Kim Carson und Johnny Falstaff. Ob das Konzept von prächtiger Kulisse und zugkräftigen Namen aufging?

Tja, leider musste man schon vor dem ersten Akkord der österreichischen Lokalmatadoren von New West feststellen: Petrus steht nicht auf Country. Nach wochenlanger Hitze und wolkenlosem Himmel schickte der Wettergott pünktlich zum Festivalstart am 4. September dunkle Regenwogen und frostige Temperaturen nach Tirol. Schade. Denn New West, das Quartett um Helmut und Katharina Mitteregger, bot soliden, erstklassig interpretierten Country und Country-Rock. Vor allem die mehrstimmigen Vocals, ein Markenzeichen der Ende der 90er Jahre gegründeten Formation, überzeugten das Publikum.

Daran konnten - leider, leider - die aus Chemnitz stammende, nach eigenen Angaben "Europas meistgebuchte Johnny-Cash-Tribute-Band" Bandana nicht anknüpfen. Musikalisch hatte die Kombo von Gitarrist und Sänger Andreas Matthes durchaus einiges zu bieten. Doch die Harmony-Vocals waren mehr als fragwürdig. Am deutlichsten trat dieses Manko beim Klassiker "Will The Circle Be Unbroken" zutage, mit der Folge, dass etliche Zuschauer flotten Schrittes das Festzelt verließen. Die witzig gemeinten Anmoderationen und Zwischenrufe von Bassist Bodo Martin machten das Ganze nicht besser.

Tom Astor

Besser machte es kurz nach 22:00 Uhr der nachfolgende Star des Abends - der deutsche Vorzeige-Cowboy Tom Astor. Doch auch Astor benötigte eine Anlaufzeit, um auf Touren zu kommen. Doch je mehr Songs die sauerländische Country-Ikone präsentierte, desto besser kamen er und seine erfahrenen Begleiter auf Touren. Im Mittelpunkt der Show standen auch die Titel seines aktuellen, mittlerweile 41. Albums "Lieder zum Anfassen". Die Songs sorgten bei den etwa 1.000 Zuschauern für wohliges Erinnern. Kurz: Nach verhaltenem Start bot Tom Astor genau das, was man sich von ihm erwarten durfte - eine erstklassige Show.

Das Wetter war auch am Festival-Samstag nicht besser: kalt, grau, nass. Doch den größtenteils in Cowboy-Montur zum Festzelt strömenden Gästen schienen Temperaturen und Luftfeuchtigkeit nichts anhaben zu können. Als um kurz nach halb fünf Gudrun Lange & Kactus die große, mit modernster Video-Technik ausgestattete Bühne betraten, war das Zelt schon gut gefüllt. Eine motivierende Kulisse wie es schien. Denn die bereits Mitte der 70er Jahre gegründete Formation bot beim 1. European Country Festival eine mehr als solide Performance. Neben Klassikern aus eigener Feder - wie "Mitten im Herz" und "Keine Angst" - präsentierte die Band auch Titel ihres neuen Albums "Wenn du willst". Die Fans wollten! Vor allem den neuen Track "Du haust mich um".

Andere Band, anderer Sound: die junge österreichische Formation The Buffalo Bells bot einen mitreißenden Querschnitt durch den Country und Rock 'n' Roll der 50er- und 60er Jahre. Exzellent interpretiert, mit Begeisterung und Können auf die Bretter gebracht. Die im Retro-Style gekleideten Damen und Herren um Sängerin Sophie und Gitarrist und Sänger Roman bewiesen auch bei der Songauswahl guten Geschmack und fundierte Repertoire-Kenntnisse. So ließen sie neben Klassikern wie "Folsom Prison Blues", "Oh Boy", "Jackson", "Blue Suede Shoes" und "Ring of Fire" auch weniger bekannte Songkost wie "Wildwood Flowers", "Tore Down" und "Cocaine Blues" einfließen. Erstaunlicherweise - und das belegt das große Potential der Newcomer - konnten sie mit Eigenkompositionen wie "River to Nowhere" und "The Man You Are" nahtlos an das hohe Qualitätslevel der Cover-Versionen anschließen. Keine Frage, eine Band, die man sich merken sollte - und die sich für weitere Aufgaben/Festivals wärmstens empfiehlt.

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Diesen Schwung nahm auch der nächste Act mit: Ronny Nash & His Whiteline Casanovas, die tüchtig vom Leder zogen: Stilecht interpretierte das fünfköpfige Herrenensemble legendäre Genre-Meilensteine von Cash, Jennings, Nelson und Kristofferson. Zu den Glanzlichtern der Show gehörten seine exzellente Version des Roger Miller-Hits "River In The Rain" und des Don Williams-Urgesteins "Tulsa Time".

Nach einer weiteren Einlage der Wild West Girls wurde die Bühne dunkel. Blitzlichter zuckten. Aus den Boxen dröhnte die Mundharmonika mit dem bedrohlichen "Spiel mir das Lied von Tod"-Motiv. Ein düsteres Ambiente - das aber schnell der Star des Abends, des Festivals auflöste: Truck Stop. Die seit 1973 als "Cowboys der Nation" gehandelte Band erlebt ja derzeit den gefühlten achten oder neunten Frühling. Dafür sind wohl auch ein paar Umbesetzungen verantwortlich. Drei neue, junge, hungrige, aber auch beeindruckend virtuose Musiker, wie zum Beispiel der neue Lead-Gitarrist Chris Kaufmann, der den zu Santiano abgewanderten Dirk Schlag ersetzt. Kein schlechter Tausch, wovon man sich bald überzeugen durfte: Sein Solo bei dem von Bassist Uwe Lost in Englisch gesungenen "Texas When I Die" hatte, keine Frage, internationales Country-Fingerpicking-Format. Doch: Das gilt schließlich für die gesamte Band, für die gesamte Performance. Vor allem, da ihre gut abgehangenen Evergreens - wie "Ich möcht so gern Dave Dudley hör'n" - live deutlich stärker, rockiger und weniger schlagerhaft als auf CD ausfallen. Das mit rund 2.000 Zuschauern ausverkaufte Zelt erlebte dabei auch noch vier Weltpremieren - ein erstmals präsentiertes Songquartett ihres im Oktober erscheinenden neuen Albums. Als da wären: "Die Party geht weiter", "Danke für nix", "Deine Mutter ist immer dabei" und - vor allem - das hemdsärmelige, ganz auf Hit getrimmte "Männer sind so" rissen die Zuschauer von den Bierbänken. Volltreffer!

Kim Carson

Um etwa 23:00 Uhr war es dann Zeit für die extra aus Amerika eingeflogene Kim Carson. Die Texanerin mit Wohnsitz in New Orleans ist eine musikalische Weltenbummlerin. In Kössen präsentierte sie, gemeinsam mit einer souverän spielenden Band, Songs aus eigener Feder und Cover-Versionen. Neben urigen Honky-Tonk-Klängen bot Carson auch anspruchsvollen Western Swing. Unverkennbar sind dabei ihre Vorbilder - zu der neben Tammy Wynette auch Gram Parsons, Hank Williams und Emmylou Harris gehören. Die Roots-Musikerin ist aber auch eine erstklassige Entertainerin, deshalb gelang es ihr mühelos, den einen oder anderen bereits etwas müden Fan wach zu rütteln. Ein Vollprofi - der Country lebt wie kaum ein anderer.

Was hilft gegen einen Kater? Das haben sich wohl auch die Veranstalter gefragt und kredenzten am Sonntag ab 9:00 Uhr morgens ein deftiges Cowboy-Frühstück. Nach reichlich Kaffee, Speck und Rührei waren dann erneut gut 500 Fans fit genug, um eine weitere Show von Ronny Nash zu erleben. Ob auch Nash fit für die Show war? Das durfte man bei den ersten Songs noch bezweifeln. Vermutlich ist es abends dann doch etwas spät geworden, doch wer will es ihm verdenken? Als sich Kim Carson für zwei Songs zu ihm auf die Bühne gesellte, kam aber dann doch noch Leben in die Bude. Keinesfalls einen Hangover hatte Johnny Falstaff, der mit seiner Show ab 12.:00 Uhr das 1. "European Country Festival" beendete. Der aus Houston, Texas, stammende Roots-Country-Rocker setzte mit einer tempo- und energiegeladenen Show einen finalen Höhepunkt des Events. Augenzwinkernd wie Dwight Yoakam, lässig wie Buck Owens und singend wie der gute, alte George Jones bot er ein cooles, ganz im Rockabilly, Honky-Tonk und Hillbilly angesiedeltes Retro-Programm, aus dem seine fingerflinken Soli auf der Telecaster virtuos herausragten. Der Mann und seine Band hätten sich mit dieser Show ein volles Haus absolut verdient gehabt. Wer weiß, vielleicht beim nächsten Mal.

Das soll es ja im nächsten Jahr übrigens wieder geben. Wie die Veranstalter gegenüber CountryMusicNews sagten, findet das 2. "European Country Festival" im September 2016 statt. Hoffentlich zeigt dann auch Petrus ein Einsehen.


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