Mark Bender verteilt in Neumarkt Seelenbonbons

Mark Bender, Foto: Hubert Bösl

Mark Bender gehört zu den bekanntesten und auch erfolgreichsten Songschreibern in Deutschland. Doch der Oberpfälzer hat trotz diverser Country-Auszeichnungen auch andere Stilrichtungen perfekt im Repertoire. Das möchte er bei seinem Heimspiel im Neumarkter "Reitstadl" unter Beweis stellen. "Seelenbonbons" nennt er die Show, die neben Country auch deutschen Pop, Liedermacher-Stoff und etliche Rock 'n' Roll-Klassiker verspricht. Man darf gespannt sein...

Irgendwie bringt er einen dann schon durcheinander, dieser Mark Bender, mit seinem wilden Mix an Stilen. Nach drei Stunden hat er genau 28 Songs gespielt, man hat schon alles Mögliche gehört. Und mit was schickt er das ihm und seinen Musikern Standing Ovation spendende Publikum nach Hause? Mit einem waschechten Blues, mit "Sweet Home Chicago". Doch der Reihe nach ...

Der Reitstadel in Neumarkt in der Oberpfalz ist fast ausverkauft, als Mark Bender ein Talent aus seinem Rosewood-Music-Stall präsentiert: Dennis Schmid aus dem nicht weit entfernten Dorf namens Berngau - ein eher unscheinbares Bürschchen. Das aber mit einer Riesen-Stimme daherkommt. Einer fulminanten Version von Sam Smiths "Stay With Me" folgt ein eigener Song des 17jährigen: eine kraftvolle Ballade, ein allemal vielversprechender Nachwuchsmusiker - und dazu ein neugierig machender Auftakt.

Mark Bender, Foto: Hubert Bösl

Dann aber endlich Mark Bender mit seinen Begleitern: Frank Schimann (Lead-Gitarre), Michaela Danner (Geige) und Stefan Auer (Perc. und Piano). Ein Line-Up, das nicht nur kompetent und bestens aufeinander eingespielt ist, wie sich schnell zeigt. Das Ensemble ist auch musikalisch extrem flexibel, wie sich im Verlauf der Show zeigt. Im Repertoire haben Bender & Co. Klassiker aus verschiedenen Stilrichtungen und Kulturkreisen. Songs von Randy Travis und Eric Clapton, Wiener-Schmäh-Lieder von Wolfgang Ambros und deutschen Pop von Peter Maffay. Mark Bender zeigt, dass er in den verschiedenen Gewässern bestens zu Hause ist. Mehr noch: Er macht diese Klassiker der Musikgeschichte mit seiner starken Stimme zu seinen eigenen Songs. Auch, weil er sie mit dieser Besetzung in völlig neue und damit überraschende Arrangements verpackt.

So nach vier, fünf Titeln macht sich bei seinem Heimspiel eine vertraute, gemütliche Atmosphäre breit. Man kennt sich, man mag sich. Deshalb erinnert der gut gefüllte, überregional für seine gute Akustik bekannte Reitstadl schon bald eher an ein Wohnzimmer, als eine Konzert-Location. In diesem Wohlfühl-Ambiente ist Mark Bender der Gastgeber, der Vortänzer, der Entertainer - oder noch besser: der Reiseleiter. Denn seine Songs und Stories sind akustische Reisen. In andere Länder, in andere Gefühlslagen. Sein Publikum lässt sich gerne von ihm mitnehmen, wie sich bei dem stets aufbrandenden Applaus nach jedem Song erkennen lässt. Dass der 55-Jährige nicht nur ein erstklassiger Interpret ist, sondern - vielleicht sogar vor allem - auch ein kreativer und versierter Songschreiber, wird in der Show immer wieder deutlich. Gleich zu Beginn mahnt er mit seinem selbstgeschriebenen "Die Zeit läuft voran"; anschließend präsentiert er seinen wundervollen Tagtraum und Titelsong seines 2007 erschienenen Albums "Ein Haus am Meer". "Seelenbonbons" stammt zur Hälfte aus eigener Feder: es ist die deutsche Version des irischen Traditionals "Molly Malone". Es folgt ein Chuck-Berry-Kracher, eine Randy Travis-Ballade, dann wieder in Bender-Original ("Denn auch du bist ein König"). Dazwischen immer wieder Songs von seinem vermutlich größten Heroen - Johnny Cash.

Mark Bender, Foto: Hubert Bösl

Nach der Pause kommt er schwarzer Lederjacke auf die Bühne. Nicht zufällig. Mit Temperament und professionell dosierter Dynamik poliert das Ensemble etliche Meilensteine der Musikgeschichte auf: "Can't Help Falling in Love" von King-Elvis, "Route 66" von den Stones, das unvermeidliche "Johnny B Goode" und - als eines der Konzert-Highlights - das vom späten Johnny Cash interpretierte, unter die Haut gehende "Hurt". Ab einem gewissen Punkt hätte Mark Bender wohl auch Songs von der Augsburger Puppenkiste spielen können. Hat er natürlich nicht gemacht, doch sein Mix aus "Luftmatratzen Blues", Claptons "Wonderful Tonight" und Neil Diamonds "Song Song Blue" sprengte mühelos alle Format- und Genre-Grenzen. Andererseits wohnt allen Songs irgendwie ein bestimmter Zauber inne: die besondere Harmonieverbindung, die außergewöhnliche Hookline, der Mitsing-Refrain. So wird dieser Abend durch Mark Benders Musik-Stammbaum gleichzeitig auch ein Trip durch 50 Jahre Musikgeschichte. Der satte Blues von "Sweet Home Chicago" bildete den standesgemäßen Schlusspunkt - auch wenn seine furios jubelnden Neumarkter Freunde das nicht wahr haben wollten und noch lange nach dem das Hallenlicht anging eifrig in die Hände klatschten.


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