Das Country Music Meeting feiert buntes fünfjähriges Jubiläum in Berlin - Samstag: Volle Hütte und Abwechslung pur

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Samstag: Volle Hütte und Abwechslung pur

Tiny McNeela bei Country Music Meeting 2015

Nach den erfreulichen Besucherzahlen am Freitag erlebte der Samstag noch einmal eine krasse Steigerung. Horden von Cowboyhut-Trägern schoben sich durch die Gänge, vorbei an den zahlreichen Ständen, hin zu den drei Bühnen, die erneut ein umfangreiches und abwechslungsreiches Programm boten. Das erste Highlight des Tages lieferte Padraic "Tiny" McNeela. Mit typisch irischem Charme bot der gut gelaunte Sympathieträger eine Setlist, die der grünen Insel Tribut zollte. Auch der Klassiker "Whiskey in the Jar" durfte da natürlich nicht fehlen, sehr zur Freude der kleinen Fanbase, die McNeela mitgebracht hatte. Wer gefallen an diesem Auftritt gefunden hatte, durfte sich später auf Nachschlag freuen. Gemeinsam mit dem Engländer Stevie Simpson füllte "Tiny" einen offen gewordenen Slot auf der Jack Daniels Bühne. Unter dem Namen "Almost Irish" boten die Beiden eine herrlich ungeschliffene und stimmungsvolle Show. Besonders bemerkenswert war das Zusammenspiel dieser beiden unglaublich markanten, vom Leben (und sicher auch dem einen oder anderen Whiskey) gefärbten Stimmen. Das Publikum hatte zumindest seine helle Freude.

Eine der Entdeckungen des Tages fernab der großen Saalbühne war Jenny Bright aus dem Schwarzwald, die mit angenehmer Stimme, modernen Country-Songs (u.a. "Country Girl" von Luke Bryan) und einer künstlerischen Einlage (der "Cup Song" von A.P. Carter, googlen lohnt sich!) für Begeisterung sorgte. Ebenso beliebt war Old Johnny's Crew, eine vierköpfige junge Band aus Baden-Württemberg. Die musikalisch begabten Jungs (Banjo, Akkordeon und Mandoline kamen zum Einsatz) versetzten mit einem Mix aus Irish Folk und Acoustic Rock die dicht gedrängten Zuschauer vor der Jack Daniels Bühne in regelrechte Ekstase. Freunde traditioneller Bluegrass-Klänge kamen voll auf ihre Kosten, als Bluegrass Breakdown auf der Rodger Boss Bühne loslegten. Der seit einer gefühlten Ewigkeit bestehenden Truppe macht in ihrem Metier so schnell keiner etwas vor. Die klassischen Elemente von Fiddle, Mandoline und Banjo kamen voll zum Tragen, und so erstrahlte beispielsweise auch ein Evergreen wie "Proud Mary" von Creedence Clearwater Revival in einem ansprechenden Gewand. Klar, dass so manche bei diesem Auftritt hängen blieben, obwohl sie eigentlich nur mal kurz gucken wollten.

Trotz der stark frequentierten kleinen Bühnen war es natürlich wieder einmal das Lineup auf der Center Stage, das sich über den größten Zuspruch freuen durfte. Für den ersten Knaller des Tages sorgten die Niederländer Taneytown, die am Tag zuvor bereits unter dem Namen Slow Movin' Outlaws und als musikalische Unterstützung für Mark Stuart groß aufgetrumpft hatten. Mit hochwertiger musikalischer Handwerkskunst und packenden Midtempo-Nummern sorgte das Quartett um Sänger Edwin Jongedijk und den herausragenden Gitarristen Joost Prinsen für eine Bombenstimmung. Die Country Music Meeting-Veteranen, bereits zum fünften Mal hintereinander dabei, lockten eine Heerschar von Tänzern auf die Dielen. Scheinbar hatten die müden Beine über Nacht neue Kraft getankt.

Country Cousins bei Country Music Meeting 2015

Auch die Country Cousins ließen mit ihrer Mischung aus Country, Rock'n'Roll, Swing und Blues das Profil der Schuhsohlen zum Schmelzen. Das Berliner Quartett steuerte auch den Titelsong des Country Music Meeting namens "We'll Meet Again" bei, der selbstverständlich auch zur Setlist zählte und sich schnell zum Hit des Wochenendes entwickelte.

Ein weiteres Mitglied der stark vertretenen holländischen Fraktion waren die Music Road Pilots, die inmitten all der altbekannten Bands ohne Zweifel eine der positiven Überraschungen des Wochenendes waren. Mit vielen Songs aus dem New-Country-Bereich konnte das Sextett das Publikum von Beginn an auf seine Seite ziehen, und spätestens beim gefeierten Uptempo-Kracher "Footloose" gab es kein Halten mehr.

Als der Abend dann auf die Zielgerade einbog, wurde es noch einmal laut. Die Hardcore Troubadors servierten ein schönes, melodisches Rockbrett ohne großartige Schnörkel. Wer sich davon nicht angesprochen fühlte, konnte auf der Rodger Boss Bühne Unterhaltung der etwas anderen Art finden. Die Road Brothers, ein lustiger Dreier aus Sachsen, unterhielt das Publikum mit teils deftigem Humor und astreiner Musik irgendwo zwischen Bluegrass, Hillbilly und Folk. Ein eher ungewöhnlicher Auftritt, der aber bestens ankam.

Für alle, die vom Konzertmarathon immer noch nicht geschafft waren, boten die Texas-Enthusiasten Tuff Enuff aus der Schweiz noch einmal die Gelegenheit, zu flotten Country-Melodien das Tanzbein zu schwingen. Für den Schlusspunkt des regulären Programms sorgte dann die Haywireband aus Schweden. Erneut zeigte sich, dass das Country Music Meeting auch dem modernen Country mehr als aufgeschlossen ist. Denn die sechs Jungs aus dem Land der Elche, die unter anderem auch Hits von Keith Urban und Blake Shelton im Repertoire hatten, hatten mit ihrem frischen Sound das Publikum im Nu auf ihrer Seite.

Eigentlich ein würdiger Schlusspunkt unter einen abwechslungsreichen und aufregenden zweiten Tag. Doch eine Attraktion stand noch auf dem Programm, die es so auf einem Country Festival wohl noch nie gegeben hat. Die AC/DC Coverband Bon ließ anlässlich des Jubiläums des Country Music Meeting um kurz nach Mitternacht die donnernden Werke der australischen Rockgiganten erklingen. Für den durchschnittlichen Country-Fan sicherlich ein etwas ungewohntes Terrain. Doch Grund zum Mosern gab es nicht, denn zu gleicher Zeit gaben The Lennerockers im benachbarten American Western Saloon ein Extrakonzert. So kamen auch wirklich alle Nachteulen voll auf ihre Kosten.


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