Darryl Worley

Ganz klar konnte sich die Four Corners Music Hall im bayerischen Untermeitingen bei Augsburg gestern, am 1. Juli 2014, erneut in die Oberliga der deutschen Veranstalter bringen und an die Liste der namhaften Nashville-Stars anknüpfen, die dort schon in Clubatmosphäre bedeutungsvolle Auftritte ablieferten.

Häufig missverstehen Vorbands ihre Mission und meinen, besonders penetrant daher kommen und das Publikum zu irgendwelchen Mitklatschexzessen animieren zu müssen. Glücklicherweise bleibt das Four Corners immer dann davon verschont, wenn einzig und allein Daniel T. Coates verpflichtet ist, der begriffen hat, dass ruhige und bestimmte Energie die Menschen viel eher dazu führt, sich komplett auf die Wirksamkeiten der Musik einzulassen. Er bringt genau jene Erfahrung ein, die es braucht, um seine Umgebung einzustimmen. Der natürliche Instinkt, sich den Bedingungen anzupassen, ist vielleicht seine Grundlegendste Eigenschaft und einer der Gründe, weshalb er regelmäßig vor großen US-Künstlern im Four Corners spielt. Hinzu kommt eine Band, die alle Varianten des Spielverhaltens beherrscht, diesmal war die Besetzung Gabor Bárdfalvi am Kontrabass und Dietmar Wächtler an der Pedal Steel.

Mitgebracht hatte Daniel T. Coates sein druckfrisches Album "When I Wanna Fall", das neben dem Titelsong weitere eigene, tiefgreifende Lieder enthält sowie herrliche Cover, wie "Cheyenne" (George Strait) oder "Choices" (George Jones).

Darryl Worley Backstage

Während der fast eineinhalbstündigen Spielzeit des Openers (wobei hier durchaus beim ein oder anderen die berechtigte Frage laut wurde, ob dies bei einem Konzert unter der Woche unbedingt nötig sei) war Gelegenheit, zum Interview hinter der Bühne zu treffen.

Freundlich zugewandt erzählte er, dass er im Rahmen seiner Benefiz-Shows für die Army schon öfter in Europa gewesen sei, jedoch sei dies nun das erste öffentliche Konzert in Deutschland. Seine familiären Wurzeln seien in Norwegen, Schottland und Irland, über Deutschland wisse er ein wenig von Studenten und Familienmitgliedern, die hier im Krieg waren.

Darryl Worley

Fünf Jahre ist es her, dass er hier sein letztes Album veröffentlichte, doch nun habe er gute Nachrichten für seine deutschen Fans. Ein neues mit 14 Titeln sei bereits gepresst und liege in Rohform vor. Nun fehlen noch einige Formalitäten, dann wird es auch für den deutschen Markt offen stehen. Stilistisch habe sich nichts verändert, meinte er, "just Darryl Worley Music". (Natürlich werden wir bei CountryMusicNews.de die neue CD rezensieren, sobald diese veröffentlicht wird).

Ein konzentrierter Auftritt und erfüllte Erwartungen

Relativ spät, kurz vor halb elf, packte Darryl Worley mit all seiner Anziehungskraft die wartende Menge in der Music Hall. Seine fünf Musiker, die ihn aus Nashville begleiteten, unterstützten die unausweichliche Absicht seines Tuns - wie auch auf seinen Alben war dies gechillte Partylaune. Bei seiner Musik hat man immer unwillkürlich das Bild eines Barbecues am sanft rauschenden Fluss im sanften Sonnenlicht vor Augen. Mit "A Good Day to Run", "Honky Tonk Life" oder "Tennessee River Run" programmierte er gezielt diese Gefühle, setzte jedoch immer wieder Zusammenhänge zum Ruhigwerden, wie mit "When You Need My Love" oder natürlich "I Miss My Friend".

Darryl Worley

Bewusst verzichtete er auf überflüssige Erklärungen, füllte den Zeitrahmen statt dessen mit Songs, was jedoch keineswegs lieblos wirkte, eher der Zielbestimmung zu dienen schien, für die er sich selbst sehen mag: "Honky Tonk Life" - hier ging das Publikum auch am meisten mit, war überwältigt vom hämmernden Sound, jedoch auch schnell wieder entspannt mit "I Need A Breather". Überhaupt schien die Grundlage seines eineinhalbstündigen Sets (einschließlich zweier Zugaben) das zu sein, Barrieren zu überwinden, Abwechslung zuzulassen, dennoch aber immer wieder in den schützenden Raum der Sicherheit zurückzukehren. Ausflippen ist nicht sein Ding, war nicht erwünscht und war auch gut so. Auf "Mama Tried" hätte man nun auch gut verzichten können, aber woher sollte Darryl Worley auch wissen, dass das hierzulande inzwischen jede zweitklassige Band abnudelt. Ansonsten durchbrach er kaum sein Selbstbild, spielte alle Hits, die man von ihm seit seinen Anfängen her kennt.

Sicher gibt es größere Selbstdarsteller, als Darryl Worley einer ist. Doch braucht es nicht unbedingt extremer Bühnenaktivität, manchmal reicht auch "nur" die Musik. Dieser Künstler ist nicht exzentrisch, bedient sich keiner außergewöhnlichen Methoden, es reicht auch völlig, er selbst zu sein. Im Gespräch mit einem der Gäste am Ende war zu hören, diesem hätten irgendwie "die Ecken und Kanten gefehlt", es sei ein wenig zu sehr "Country-Pop" gewesen. Nun, die Sichtweise war so falsch nicht, denn der Stil ist definitiv Country-Pop. Die Packung enthielt, was drauf stand, die Qualität war jedoch erste Güte und wer sich überzeugen möchte, hat beim Anschlusskonzert am heutigen Mittwoch-Abend noch die Möglichkeit auf Restkarten. Ansonsten hoffen wir sehr, dass Darryl Worley seinem Versprechen folgt und wiederkommt, nachdem er sich mit "Bavaria, I love you" aus dem Four Corners verabschiedete.


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