Taylor SwiftEine siebenfache Grammy® Gewinnerin in Berlin - das wollten gestern Abend (7. Februar 2014) über 10.000 Menschen in der O2 World miterleben. Eine - überspitzt formuliert - fast schon überschaubare Zahl an Fans, wenn man bedenkt, dass die Sängerin bei fünf ausverkauften Shows in London vor und nach der Stippvisite in der Hauptstadt dieser Tage vor knapp 100.000 Augenzeugen auftritt.

Dafür ist im Berliner Stadtteil Friedrichshain ein bunt gemischtes Publikum zusammengekommen. Farbenfroh dekorierte Teenies mit und ohne Elternanhang sind in der Überzahl, aber auch Reisegruppen aus ganz Europa (u.a. Finnland, Frankreich oder Polen) bis hin zu ganz wenigen Fans mit Cowboyhut sind auszumachen. Etliche der jüngeren Besucher haben für ihren Star Schilder bemalt oder halten, lange bevor die Show beginnt, Buchstaben- und Zahlenformationen wie "13" oder "22" hoch.

Dass die Show nicht bis auf den letzten Platz ausverkauft ist, könnte an den Ticketpreisen gelegen haben. Ein Sitzplatz unter dem Hallendach für über EUR 50,00 bis hin zu VIP-Tickets für EUR 299,00 sind nicht eben nicht für jeden Fan machbar. Andererseits - in London waren die Karten auch nicht billiger.

Das einzige Swift-Konzert auf dem Europäischen Festland beginnt mit Andreas Bourani ("Nur in meinem Kopf"), der sich bemüht, die Stimmung anheizen. Aber für den Großteil der jungen Gäste ist das Schwenken ihrer unzähligen Lichtquellen eher eine Generalprobe für . Mehr Aufregung herrscht da schon in der Umbaupause, als plötzlich Taylors Mutter, Andrea Swift, durch den überwiegend bestuhlten Innenraum tigert. Sie wird wie ihre Tochter gefeiert, schüttelt zahlreiche Hände und zieht - einer Polonäse ähnlich - einen ganzen Schwarm von jungen Mädchen hinter sich her.

Taylor Swift

Nach dem Intro von Lenny Kravitz' "American Woman" ist es dann endlich soweit und die 24-Jährige entert mit "State of Grace" die Bühne. Vom aktuellen Album folgen "Holy Ground", "Red" und "The Lucky One". Schon nach dem umjubelten Titeltrack zur Tour gibt es den ersten von zahlreichen Outfitwechseln. Die vollzieht nicht nur die Sängerin, sondern auch ihre zehnköpfige Tanzgruppe. So erklingt "The Lucky One" optisch im Stil der 20er Jahre.

Zwischendurch gibt es immer wieder Einspielfilme, beispielsweise vom Aufwachsen des Superstars mit dem ersten Geburtstag, der ersten Gitarre und den ersten Hits. Wie gut das Publikum die Texte beherrscht, zeigt sich bei "Mean", bei dem Swift auch vergnügt auf dem Banjo herumzupft. Direkt danach gibt es die volle Bass-Dröhnung und "22" wird frenetisch abgefeiert. Swift, mittlerweile mit hautengen Berlin-Shirt und roten Shorts bekleidet, wechselt dabei von der großen Bühne auf eine kleinere im hinteren Hallenbereich - und ihr Weg führt mitten durch die begeisterten Fans. Die Power-Hymne an die ewige Jugend ist so laut, dass einem die Gitarristen Paul Sidoti und Grant Mickelson fast schon leid tun können, denn bei diesem Stück hört man sie kaum. Ansonsten ist am Sound in der großen Arena nichts auszusetzen.

Taylor Swift; Foto: Christoph Volkmer

Ein wenig "Back to the roots" geht es dann auf der kleinen Bühne weiter, von wo aus Swift nur mit der akustischen Gitarre in der Hand und "Sparks Fly" die Menge begeistert. Dabei wirkt die Blondine irgendwie natürlicher als bei den bis zum letzten Schritt choreografieren Nummern. Genau dies bietet in der Folge "I New You Were Trouble". Hier tanzt Swift - zurück auf der Hauptbühne - zusammen mit ihrer Tanz-Group, die nun ausschaut, als wäre sie gerade aus Transsylvanien eingeflogen.

Dann gerät der blonde Blickfang ins Schwärmen und berichtet von den Begegnungen mit den Fans - und der dabei meistgestellten Frage. So würden die Anhänger primär wissen wollen, bei welchen Situationen und wo sie die Ideen für ihre Songs bekäme. Schnell kommt Swift bei ihrer Antwort zu den Themen, die sie um den Schlaf bringen. "Besonders dann, wenn man bemüht ist, gewisse Menschen einfach zu vergessen". Einfach sei das nicht, bekennt sie, bevor sie am Piano "All to Well" singt. Dabei zeigt sie Emotionen - was die jungen Fans mit viel Geschrei honorieren. Zum Finale der Ballade veredeln die vier Background-Sängerinnen die Nummer, die so einen Gospel-Touch erhält.

Taylor Swift; Foto: Christoph Volkmer

Eins der schmucksten Bühnenbilder gibt es kurz vor dem Ende. Passend zur märchenhaften Geschichte von "Love Story" steigen Taylor und Co. dabei aus einer Spieluhr. Erneut ist jede Bewegung einstudiert - ist ja hier auch ein Pop-Konzert, wie es die Berliner Morgenpost in ihrer Ankündigung geschrieben hat. Als Überraschung taucht dann Ed Sheeran auf. Auch das ist typisch Swift und spricht für ihre Größe - statt den gemeinsamen Song "Everything Has Changed" darzubieten sie hält sich zurück, und lässt den Briten seine Single "I See Fire" vorstellen. Dann wird die Bühne zum Circus und die Tänzer agieren in phantasievollen Kostümen sogar als Stelzenläufer. Zirkusdompteuse in passendem Outfit ist natürlich Swift, die bei "We Are Never Ever Going Back Together" die gesamte Halle zum Mitfeiern bringt.

Ein Finale à la Hollywood mit Konfetti und Pyrotechnik - da stört es kaum jemanden, dass es nach 105 Minuten keine Zugabe gibt. Die folgt dann in ein paar Jahren, denn Swift verspricht, bei ihrer nächsten Tour wieder in Deutschland vorbei zu schauen.


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