Chris Schummert

Dem Staffel-Finale im Fernsehen folgt auch diesmal die Live-Tour durch 10 deutsche Städte. Ebenso beim 7. Konzert, am 5. Januar 2014, in der Arena Nürnberger Versicherung liegt der Altersdurchschnitt so ziemlich bei dem der auftretenden Künstler. Überwiegend sieht man Kinder in Begleitung der Eltern sowie Jugendliche, durchaus aber auch durchmischt von Älteren, die sich scheinbar von der Begeisterung der Casting-Show haben anstecken lassen. Wer von den neun Sängerinnen und Sängern nun auch live überzeugen kann, zeigt sich in den gut zweieinhalb Stunden des Live-Konzertes.

Natürlich muss sich das Gesamtkonzept von "The Voice of Germany" massen- und teenietauglich präsentieren und ist maßgeblich auf das entsprechende Publikum abgestimmt. Dahingehend ist die gesamte Show ausgerichtet und der Großteil der Künstler in diese Richtung auf die Spur gebracht worden. Fast alle Acts von Debbie Schippers, Tiana Kruskic, Emily Intsiful, Thorunn Egilsdottir, Nico Gomez und Judith van Hel sind aufopfernd zwanghaft auf Stimmung gebogen, ein zeitweise einheitlicher Sound-Brei, der sicher seine Existenzberechtigung hat, jedoch nicht unbedingt gefallen muss. Etwas wohltuender immerhin die deutschsprachigen Schmusesongs von Peer Richter.

Modernen Country-Touch verbreitet Teilnehmerin Caro Trischler mit ihrer durchaus überzeugenden Darbietung von Taylor Swifts "I Knew You Were Trouble", aus dem Album "Red". Wenngleich man schon beim Original das Prädikat "Country" an sich anzweifeln kann, wird Taylor Swift doch immerhin im Kontext mit dieser Musik genannt und bringt sie somit der jungen Generation nahe. Kann ja also mal nicht schaden, wenn die Lieder nun im Rahmen von Touren wie bei "The Voice of Germany" auch einem breiten Publikum in Deutschland zu Ohren kommen. Wunderschön geht es dann auch im Duett von Caro Trischler mit Chris Schummert weiter. Don Henley's "The Boys of Summer" ist die geeignete Rahmengröße für beide, ein Song, der gut tut und die sonst dauernde Beschallung unterbricht.

Chris Schummert; Foto: Uwe Kussmaul

Chris Schummert, der Solo-Künstler

Die vielleicht besten Auftritte zeigt Chris Schummert meist jedoch allein, wenn er alles geben kann und nichts von seinem wirklichen Ich ablenkt. Er ist, wenn auch erst 20, doch der Mann unter den "Jungs" auf der Bühne, der keine inneren Befürchtungen mehr zu haben scheint, der nicht überzeichnet und kein zielloses Erklären mehr nötig hat. Wenn er singt, reicht das Lied. Ob "Pumped Up Kicks" oder sein Hit "The Singer", mit dem er vor der Zugabe die Arena wieder in einen herrlich ruhigen Zustand versetzt (nachdem Tiana Kruskic vorher mit "Proud Mary" in unsagbar schlechtem Englisch alles niedergekreischt hat), bei Chris Schummert haben die Melodien keine Begrenzungen.

Auch das Selbstbewusstsein betreffend sind Veränderungen erkennbar. Selbstverständlich durchlaufen alle Teilnehmer ein intensives Coaching, um nicht nur ihren Gesang, sondern den gesamten Ausdruck zu schulen. Doch gerade bei Chris Schummert spürt man die Freude an der Moderation und am Austausch mit dem Publikum. Sein Kanalprinzip stimmt, die Verbindung zum Menschen im Saal steht, da braucht's kein aufgesetztes Tun, sein Wirken ist echt. Ein Ineinandergreifen von Sympathie und Sicherheit

Mit Andreas Kümmert zum Finale

Natürlich hatte das Publikum auch auf den Gewinner der aktuellen Staffel, Andreas Kümmert, gehofft, der die ersten Konzerte der Tour wegen Krankheit noch absagen hatte müssen, nun aber genesen und mit eingestiegen war. In Nürnberg betritt er die Bühne mit einem "Gott sei Dank, I bin a Frank" ("ich bin ein Franke") und hat das Herz seiner Landsleute somit natürlich sofort gewonnen. Ein Heimspiel für den aus der Region stammenden, der die Überzeugung auch live liefert, den Siegertitel verdient zu tragen. "Rocket Man" und seiner Single "Simple Man" werden wohl immer seine prägendsten Songs bleiben, Symbole ebenso wie der Kapuzenpulli und Hippie-Bart.

Danach lässt Publikum seine Stars natürlich nicht einfach so ziehen. Nach diversen Solo-, Duo- und Trio-Auftritten, sollen nun doch nochmal alle zusammen auf die Bühne. Mit "Blurred Lines" und dem Beatles-Klassiker "With A Little Help From My Friends" verabschieden sich alle Künstler/-innen gemeinsam und stellen dabei noch die Band sowie die Background-Sängerinnen vor.

Die Zeit nach The Voice

Wenn die Tour in wenigen Tagen endet, wird das Leben der Teilnehmer und vor allem der Finalisten für immer geprägt sein. Die meisten werden schon in Kürze in der Versenkung verschwinden. Andreas Kümmert wird mit Sicherheit demnächst ein Album aufnehmen und auch für Chris Schummert steht der musikalische Weg nun offen. Das Verfahren kann beginnen und einen ressourcevollen Ort hat er bereits für sich formuliert: Seinen 21. Geburtstag am 29. Mai diesen Jahres wird er auf jeden Fall in Nashville/Tennessee feiern. Diesen Traum, die Hauptstadt der Country Music, die ihm so viel bedeutet, zu besuchen, wird ihm seine Familie erfüllen. Auch bei ihm laufen bereits Pläne für ein Album, welches unter anderem eigenes Material von ihm enthalten soll, das sicher von seinen Vorbildern aus dem New Country-Bereich maßgeblich inspiriert ist. Sicher jedenfalls ist, dass wir von Chris Schummert in naher Zukunft noch hören werden.


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