Dale Watson, Foto; Michael Sobkowiak

Die Vorzeichen waren nicht die allerbesten. Nach der unglücklichen Geschichte um die Äußerungen Blake Sheltons über die traditionellen Country-Musiker (wir berichteten) und den daraus resultierenden Reaktionen dieser, an deren Spitze sich unter anderem Dale Watson mit einem Boykott-Song stellte, waren die Vorannahmen dieses Konzertes bei den Leuten recht wirr. Auch hörte man von Auftritten Dale Watsons kurz zuvor in London, wo er die Thematik wohl eingehend auf der Bühne zelebrierte. So wurde mit einiger Spannung erwartet, wie er sich diesmal in der Four Corners Music Hall darstellen würde, die ja doch für ihre Vielfältigkeit und die Unterstützung einer Fülle von Musiksparten steht und das entsprechende Publikum aufzuweisen hat.

Welche Beweggründe auch zugrunde gelegen haben mögen, Dale Watson hatte wohl für sich entschieden, diesmal alles rein auf die Darbietung seiner Musik und die optimale Kommunikation mit den Zuhörern zu beschränken. Wenngleich er das erste seiner beiden Sets mit dem "Song for BS" begann, beließ er es doch dabei, diesen nicht weiter zu kommentieren. Die wenigsten realisierten überhaupt den Hintergrund und waren einfach vom ersten Moment an von den Klängen gepackt.

Einige Anwesende waren schon bei den vorherigen Konzerten Dale Watsons im Four Corners und erinnerten sich beispielsweise an seine Doppel-Show mit James Hand oder an die legendäre Nacht mit der Dog Gone Honkabilly-Band aus England, die er, ursprünglich nur als Opener geplant, damals mit auf die Bühne holte und sich in einen schier extatischen Zustand spielte. Seinerzeit war bei ihm leider auch immer verstärkt Alkohol im Spiel. Wenngleich Dale Watson zu jenen gehört, die auch nach einer Vielzahl von Tequilas noch auf zwei Beinen stehen, er dabei auch stets im Vollbesitz seine Orientierung war, war dennoch einige Gäste mit diesem Grenzgang überfordert gewesen.

An diesem Valentinstag 2013 jedoch wand er die Technik der hundertprozentig richtigen Wirkung an. Sämtliche möglicherweise komplizierend wirkenden Faktoren blieben außen vor. Der Texaner bewies, dass man Gewohnheiten auch verändern und negativ beeinflussende Wirkungsweisen ausblenden kann. Mit dieser Strategie lenkte er alle Aufmerksamkeit komplett auf seine Person, dabei seine Musiker immer mit einbeziehend. Ohne seinen verstorbenen langjährigen Weggefährten Gene Kurtz, jedoch mit der Stammbesetzung der Lonestars (Don Pawlak, Pedal Steel, Cris Crepps, Kontrabass, Mike Bernal, Drums) war die Einigkeit spürbar, die diese Männer bildeten. Mit jedem Song verstärkte sich die Intensität, dabei natürlich motivierend wirkend war sicher die allen voran gestellte Führungskraft des Frontmanns.

Dale Watson, Foto; Michael Sobkowiak

Das brandaktuelle Album "El Rancho Azul" im Gepäck, setzte die Band durch das komplette Programm hindurch stetige Markierungen mit neuen Liedern, eingebettet in eigene bewährte Werke mit Bestnote sowie wenige Cover Songs. Im Einklang mit der inneren Überzeugung machte Dale Watson dabei klar, wie wichtig ihm der Hintergrund ist, den er damit beleuchten möchte, und er verwirklichte dies im Rahmen der Abwechslung seiner Honky Tonk-Klassiker mit bewusst platzierten Balladen. Das Publikum war berührt, reagierte auf seine Äußerungen und beachtete seine Signale. Keinen Moment lang war er einfach nur Sänger, sondern stetiger Unterhalter, der die Geschwindigkeit steuerte und den Fluss des Geschehens nie unterbrechen ließ.

Zwei Sets, in denen alle im Publikum jeden Augenblick an seinen Lippen zu hängen schienen, auf jede Pointe achteten und sich dem Inhalt seiner Musik hin gaben. Nie zuvor wirkte Dale Watson dabei klarer und entspannter. Vielleicht war es auch ein Stück weit Gelassenheit, die er aus der ihm vertrauten Umgebung des Four Corners gewann. Er sah in viele bekannte Gesichter, durfte Songwünsche registrieren und verwirklichen, die ihm klar das Gefühl des Aufgehobenseins gaben. Das überaus gut besuchte Konzert erlaubte diesmal kein Freilassen einer Tanzfläche, was einige jedoch nicht hinderte, den noch wenigen vorhandenen Platz zu nutzen. Mit seinem Texas Tow Step "Quick Quick Slow Slow" aus der aktuellen CD traf er hier genau den Nerv und erkannte die Anwendung als wirkungsvolles Instrument. Mit "Daughter's Wedding Song" setzte er ein weiteres fast sentimentales Stück dazu.

 Dale Watson präsentierte sich und seine Musiker als Einheit, die eine gemeinsame Energie ausstrahlte, wie man sie von ihm gekannt sich gewünscht hatte. Keineswegs wollte er je nur schnell gefallen, er war immer ein Künstler, der seine Vorgehensweise immer anpassen konnten, ohne Konflikten dabei aus dem Weg zu gehen. Dabei wurde er in seinem Leben durchaus auch von Problemen gebeutelt, die seine ganze Kraft forderten. Seine Musik betreffend hatte er doch stets durchdacht gehandelt und war eigentlich in der Lage gewesen, für ihn irrelevante Dinge bei Seite zu schieben. Nun war er eindeutig wieder an diesem Punkt angekommen, selektierte Unwichtiges aus und gab seinen Fans einen extremst wertvolles Geschenk mit auf den Weg. Sein Ziel und Plan gingen auf, die Menschen nicht durch Provokation zu unterhalten, vielmehr "nur" durch die Gabe der Country Music in hoch entwickelter Form.


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