Schupfart feiert mit Asleep At The Wheel

Festzelt

Jenseits des Rheins, östlich von Basel, liegt Schupfart, ein 800 Seelen-Dorf mit einem kleinen Flughafen, der hauptsächlich von Sport- und Segelfliegern benutzt wird. Seit 30 Jahren wird aber jeweils im September der Flugbetrieb eingestellt, das Fluggelände wird vorübergehend von den Besuchern des Schupfart-Festivals eingenommen.

Das Festival feierte dieses Wochenende Geburtstag. Was vor 30 Jahren als Schlager-Veranstaltung begann, hat sich zu einem erfolgreichen 3-Tageanlass mit unterschiedlichen Musikrichtungen entwickelt. So gehört der Freitag den Pop-Rock-Freunden, am Samstag triumphiert County und am Sonntag geben sich die Schlagerfreunde ein Stelldichein. Dieses Jahr wurde am Donnerstag sogar noch eine vierte Nacht vorgehängt: eine Special Rock Night mit Gotthard und weiteren bekannten Schweizer Gruppen.

Der Country-Teil des Festivals wurde dieses Jahr zum 28. Mal ausgetragen. Und zum 25. Mal waren Truck Stop dabei. Im Programm von Schupfart ist die Band seit Jahren als gesetzt, denn ohne die Cowboys von der Waterkant wäre das Schupfart-Festival schon fast gar nicht mehr vorstellbar. Wer Truck Stop ist, braucht wohl keinem deutschen Country-Freund erklärt zu werden. Die Befürchtungen, dass sich die Band als Folge des Todes von Lucius B. Reichling auflösen würde, haben sich als grundlos erwiesen. Truck Stop bleibt dem Publikum erhalten.

Auf der Affiche waren auch Marco Gottardi & The Silver Dollar Band, die derzeit wohl populärste Country-Band der Schweiz. Marco Gottardi ist jetzt vollends in die Fussstapfen seines Ziehvaters, des leider allzufrüh verstorbenen John Brack, getreten und erfreut sich heute grösster Beliebtheit beim Publikum und bei den Medien. Im Repertoire der siebenköpfigen Band sind nebst den Country-Klassikern auch die aktuellen Songs der Hitparade anzutreffen sowie natürlich Stücke aus seinem neusten Album "Carnival of Dreams", das er in Nashville eingespielt hat. Mit diesem Mix hatte er auch das Publikum in Schupfart im Sack. Es ist keinesweg ungewöhnlich, dass er die Bühne verlässt und mitten im Publikum hoch oben auf einem Tisch weitersingt. So geschehen vergangenen Samstag.

Nach der kurzen Umbaupause gehörte die Bühne dem Amerikaner Ricky Lynn Gregg, der an einem Comeback in Europa arbeitet. Gregg ist ein ausgezeichneter Gitarrist, Sänger und Entertainer, der auch schon in New York als Musical-Darsteller glänzte. Sein Können zeigte er an diesem Abend mit einem bestens eingespielten Quartett.

Asleep At The Wheel

Nachdem in den vergangenen Jahren so grosse Acts aus der U.S.-Szene wie Highway 101, Raul Malo, Mark Chesnutt und die Bellamy Brothers für Aufsehen sorgten, waren dieses Jahr die sieben Mann und eine Frau starken Asleep At The Wheel aus Texas, die Western Swing-Band schlechthin, an der Reihe.

Kaum einer pflegt den Western Swing und das Erbe von Bob Wills so ausgeprägt wie der neunfache Grammy-Gewinner und Frontmann Ray Benson. Sein Bass-Bariton ist ein Markenzeichen der Band. der das Publikum immer wieder den Atem anhalten lässt, wenn er mit einem Bass bei gewissen Songs in den "Keller" steigt. Mit "Miles and Miles of Texas" als zweiten Song in seinem Programm diesen Abend, stellte sich auch bei den nicht so grossen Western Swing-Kennern der Wiedererkennungseffekt ein. Und bei "Route 66" fiel der Groschen vollends. Mit "Choo Choo Ch Boogie", einer beinahe 70jährigen Nummer, und "Boogie Back To Texas" kamen auch die Boogie-Freunde auf ihre Rechnung.

Das Programm der Band führte durch all die grossen Nummern, die man am Liebsten nur von Asleep At The Wheel gespielt hören möchte. Weil sie leben, keinen Staub angesetzt haben und einfach einfahren. "Take Me Back To Tulsa" und "Hang Up My Spurs" signalisierten nach beinahe 90 Minuten das Ende des Auftritts der in Austin/Texas tonangebenden Western Swing-Gruppe. Lang anhaltender Beifall war der Lohn für eine grossartige Show.


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