Lady Antebellum; Foto: Laura Finzi

Hoher Besuch beim Münchner Alternativ-Festival "Tollwood": die mehrfachen Grammy-Gewinner Lady Antebellum stellen sich im Rahmen ihrer ersten Europa-Tournee auch in Deutschland vor. Es muss für das aus Charles Kelley, Dave Haywood und Hillary Scott bestehende Trio schon ein kleiner Kulturschock sein: Schließlich füllt das derzeit erfolgreichste Aushängeschild Nashvilles in Amerika mühelos die größten Hallen und Arenen - in Deutschland bäckt der Dreier dagegen kleinere Brötchen. In Frankfurt waren es mal 1.400 Zuschauer, Essen wurde, angeblich aus Produktionsgründen abgesagt; im Münchner Tollwood-Zelt sind es laut Veranstalter - immerhin! - rund 2.500 Fans. Die Location ist damit zu gut zwei Drittel gefüllt. Nicht schlecht. Aber natürlich auch nicht überwältigend. Doch darum dürfte es weder Lady Antebellum und ihrem Management, noch Tourveranstalter Marek Lieberberg gehen. Die Mini-Konzertreise durch Good Ole Germany dürfte eher den Charakter einer Mission haben. Message: Leute, so klingt Country Music im Jahr 2012! Keine andere Band, kein anderer Nashville-Act wäre für diese Botschaft natürlich besser geeignet, als Lady Antebellum.

Wie sich schon nach wenigen Takten des Openers "We Owned The Night" zeigt, findet ihr missionarisches Anliegen beim Publikum Gehör. Oder anders herum: diese Leute hier, diese 2.500, müssen weder bekehrt noch aufgeklärt werden. Die wissen sehr genau, wie packend der harmonisch ausgeklügelte Country-Rock (mal auch Country-Pop) des erfolgreichen Dreigespanns sein kann. Es sind offenbar alle hier: echte Lady Antebellum-Fans. So erweisen sich überraschend viele Besucher als textsicher beim Mitsingen der Refrains.

Lady Antebellum; Foto: Laura Finzi

Das Line-Up der Begleitband deutet den musikalischen Kurs der Live-Darbietungen an: Kelley und Scott übernehmen die Vocals, Haywood Gitarre und auch mal Klavier, dazu kommen Drums, Bass und weitere zwei Gitarristen (wobei einer ab und an auch eine Mandoline bedient). Ein Rock-Setup also - ohne Pedal-Steel, ohne Fiddle und Banjo. Damit präsentieren sie die Songs ihrer Erfolgs-Alben also im europäischen Sound-Outfit. Ein Klangbild, das ohne vordergründig typische Country-Akzente auskommt. Dennoch fühlen sich Kelley und Scott bei ihren mitunter etwas längeren- und typisch salbungsvollen- Ansagen ermutigt, vom globalen Triumphzug der Country Music zu sprechen. Na ja, warum auch nicht ...

Nach Tracks wie "Perfect Day" und "Love This Pain" kommen die Balladen "Dancin' Away With My Heart" und "Wanted You More". Hier können der schlacksige Kelley und die nicht mehr ganz so schlanke - und leider auch etwas unvorteilhaft gekleidete - Scott ihre traumwandlerisch sicheren und harmonisch perfekt aufeinander abgestimmten Harmony-Vocals anstimmen. Keine Frage: eine Trumpfkarte der Band. Aber auch die rockigen Titel liegen ihnen: "Our Kind of Love" bietet einen flotten, fordernden Beat, das anschließende "Love Don't Live Here Anymore" fällt dagegen etwas zur CD-Version ab. Hier merkt man dann doch, dass die Tourmusiker nicht ganz die Qualität der CD-Studiocracks haben und nicht immer den nötigen Druck entwickeln können.
Bei "Just A Kiss" kommt schließlich ein rotes Klavier auf die Bühne gerollt, hinter dem Dave Haywood Platz nimmt und sorgt eine weitere Klangfarbe in der Setlist. "Hello World" nimmt den recht leisen und pianolastigen Faden auf um gegen Ende des Titels mit einem Dezibel- und Lightshow-Gewitter aufzurütteln.

Lady Antebellum; Foto: Laura Finzi

Natürlich darf auch ein "Unplugged"-Teil nicht im Programm fehlen- und "When You Got A Good Thing Going" und das soulige "Singing Me Home" bieten sich dafür prima an. Hier legt die Band eine beeindruckende Souveränität an den Tag. Es groovt, es kommt Laune auf. Gegen Ende der Show drückt das Erfolgsmodell aus Nashville noch einmal kräftig auf die Tube: "American Honey", "I Run To You" und "Lookin' For A Good Time" überzeugen, die Zugabe - und gleichzeitig ihr akustisches Aushängeschild - "Need You Now" sowieso. Das euphorische Klatschen nach einer weiteren Zugabe wird aber schon nach wenigen Sekunden mit Musik aus der Konserve und angehenden Lichtern unterbunden. Kurzum: eine straighte, solide, handwerklich tadellose Show, der mehr Country-Akzente sicher nicht schaden würden. In Punkto Bühnenoutfit und Choreografie hat die Formation aber noch eindeutig Luft nach oben. Das gilt vor allem für Hillary Scott.


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