Ringo Starr, der Country-Beatle - Umjubeltes Konzert seiner All Star Band in Berlin

Ringo Starr

Er brachte die Country Music zu den Beatles! Ringo Starr war immer der Stille, der Schlagzeuger, der ganz hinten saß. Und doch hat er in der Musik der Pilzköpfe seine kleinen, aber bleibenden Spuren hinterlassen und John, Paul sowie George mit seiner heimlichen Leidenschaft und der Liebe zur Country Music konfrontiert. Große Chancen hatte er damals kaum, sich gegen die anderen durchzusetzen, doch nicht nur das von ihm selbst komponierte "Don't Pass Me By" und auch "Act Naturally" fanden seinerzeit den Weg auf eine reguläre Beatles-Scheibe. Letzteren Song, den einzigen lupenreinen Country-Song des Abends, hätte er beinah seinen Berliner Fans beim Konzert am Dienstagabend im mit rund 3.000 Fans nicht ganz ausverkauften Tempodrom unterschlagen. "I'm confused" entschuldigte er sich zwischen "Photograph" und "With A Little Help From My Friends" nach rund neunzig Konzertminuten und intonierte schnell das in der Interpretation von Buck Owens bekanntgewordene Lied.

Anderthalb Stunden zuvor enterte der Ex-Beatle mit "It Don't Come Easy" die Bühne, relativ unspektakulär stand er plötzlich da, hob die Arme hoch, spreizte die Finger zum Victory-Zeichen und hob an, seine Botschaft von Love & Peace zu zelebrieren. Kaum zu glauben, dass der Typ da oben erst vor wenigen Tagen seinen 71. Geburtstag feierte. Das gelebte Leben ist Richard Starkey nicht anzusehen. Mit Sonnenbrille, lässig in Turnschuhen und T-Shirt sang sich der lustigste Beatle durch sein Programm, das er allerdings nicht allein bestreiten musste. Wie immer, hat Starr sich eine illustre Schar von Rockmusikern dazu geholt, um das Feeling einer Band um sich zu haben. Wie gewohnt, las sich das Line-Up der Band wie ein Who-Is-Who der Rockgeschichte: Neben Starr selbst an Gesang und Schlagwerk kamen Rick Derringer (Gitarre, Gesang), Wally Palmar (Gitarre, Harmonika, Gesang), Gary Wright (Keyboard, Gesang), Edgar Winter (Keyboard, Saxophon, Gesang), Richard Page (Bass, Gesang) und Gregg Bissonette (Schlagzeug, Gesang) dazu und komplettierten die All Starr Band 2011. Alles keine Jungspunde, aber gestandene Musiker, die sich ihre Sporen bereits vor vielen Jahren verdienten und lang schon bleibende Abdrücke in der Rockhistorie hinterließen. Jeder auf seine Weise.

Ringo Starr, Foto: Andreas WeihsDie ersten Konzertminuten gehörten natürlich Starr, der nach seinem ersten Single-Hit "It Don't Come Easy" das fröhliche Carl-Perkins-Cover "Honey Don't" (schon 1964 auf einer Beatles-Scheibe verewigt) nachlegte und dabei lässig am Bühnenrand hin und her stolzierte, bevor er am Ende vom folgenden "Choose Love" hinter seinem Schlagwerk saß und wieder zum singenden Trommler wurde. Neben ihm thronte bereits Gregg Bissonette und zusammen erarbeiteten sie einen soliden Beat. Für Starr schien es eine wahre Freude zu sein, die "Last" des Frontmannes aufgeben zu können und einmal nur der Drummer zu sein. Das Lächeln in einem Gesicht sprach Bände. Ringo Starr strotzte nur so vor Energie, er hüpfte und schwenkte seine Arme in der Luft- alles mit einem vergnüglichen Augenaufschlag. Schon bald überließ er den anderen Musikern die Bühne, saß auf dem kleinen Hocker hinter seinen Fellen und lieferte lieber den Begleit-Beat zu Edgar Winter ("Free Ride"), Rick Derringer ("Hang On Sloopy"), Wally Palmer ("Talking In Your Sleep"), Richard Page ("Kyrie") und Gary Wright ("Dream Waver"). Dazwischen schmetterte er noch die frühe Beatles-Nummer "I Wanna Be Your Man" und in der Mitte des Programms folgte mit "Yellow Submarine" (im gemäßigten Boogie-Rhythmus) einer der Höhepunkte der Show, das er mit den Worten ankündigte: "Wenn ihr den folgenden Text nicht kennt, seid ihr in der falschen Veranstaltung!" Auch wenn er viel Zurückhaltung übte und sich nicht in den Vordergrund drängte, ließ er sich dennoch ab und an von seinem Publikum mit "Ringo" Rufen feiern. Das gehört einfach dazu zum Rockstar-Leben. Dass er sich dabei selbst nicht ganz ernst nahm, sah man am verschmitzten Lächeln in seinem Gesicht.

Ringo Starr, Foto: Andreas WeihsDie zweite Runde eröffnete Blueser Edgar Winter mit seinem Hit "Frankenstein". Dabei sprang er zwischen Gesangsmikro, Umhängekeyboard, Saxofon und einem extra vorgebauten Standschlagzeug mit vier Toms hin und her, begeisterte die Zuhörer im Rund des Tempodroms mit seinem exzessiven Spiel. Da war "Rock 'n' Roll Hootchiekoo" nur folgerichtig. Zu Sänger Rick Derringer, der seinerzeit seinen Ruhm bei den McCoys begründete, heulten zwei Gitarren mit dem Bass um die Wette, dazu zwei Keyboards und zwei Schlagwerke. Das rockte und rollte! Genau wie "Boys", das Starr selbst sang (klar!) und "My Love Is Alive" von Ex-Spookie Tooth Gary Wright, der sogar zwischenzeitlich mit seinen Deutschkenntnissen brillierte. Mit dem balladesken "Broken Wings" folgte der wohl größte Hit der Band Mister Mister, gesungen von Richard Page.

Die große Materialschlacht fand an diesem Abend nicht statt. Ringo Starr hatte es wahrlich nicht nötig, mit Lichtbatterien und Videowänden von seiner und der Musik seiner Kollegen abzulenken. Die Bühne war einfach, aber sehr effektvoll in rote, gelbe und grüne Farbe getaucht und über allem prangte in der Mitte ein riesengroßer Stern hinter dem Schlagzeug des namensgebenden Musikers. Ein paar Scheinwerfer von vorn und einige Lampen (auch in Sternform) im Bühnenhintergrund schufen die stimmungsvolle Atmosphäre, die das Musikalische umrahmte. Ein Mehr davon wäre zuviel gewesen und hätte die Dinge unnötig fokussiert.

Ringo Starr, Foto: Andreas WeihsRingo Starr & His All Starr Band lieferten packende 100 Konzertminuten mit bombastischen Sound, sehr transparent und druckvoll. Obwohl der Musiker aus volleren Registern schöpfen könnte, fehlten einige wichtige Lieder im Programm, die die Fans erwarteten, wie zum Beispiel "You're Sixteen" oder Songs seines eigenen, in Nashville produzierten Country-Albums "Beaucoups of Blues", das er 1971 kurz nach der Trennung der Fab Four veröffentlichte. Dennoch umfasste die kurzweilige musikalische Reise viel Sixties-Rock, frühe Beatles Klassiker, Achtziger Jahre Pop und eine Prise Country Music. Letzteres hätte angesichts von Ringos immer wieder betonter Leidenschaft dafür durchaus etwas mehr sein können. Doch die Umsetzung- sofern er darüber nachdachte- wäre wohl allein schon an der Instrumentierung gescheitert, die Besetzung, so klangvoll sie war, gab das einfach nicht her. Dennoch war es eine grandiose Mischung von Spielarten und Stilen, die kaum ein anderer Künstler so auf die Bühne bringen kann. Ringo Starr darf das! Und er ist ein Teamplayer, der sehr gern und gänzlich ohne Neid auch mal seinen Mit-Musikern das Rampenlicht überlässt und dann einfach nur der Trommler ist. So wie damals, bei den Beatles...und was passte da besser zu seiner Botschaft von Peace & Love als ein fröhlich geschmettertes "Give Peace A Chance" zum krönenden Abschluss des Abends?

Mehr zu Ring Starr bei es auch bei den Kollegen von Songwriters.de.

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