Intim und harmonisch - Madison Violet im Steinbruch

Madison Violet

Es ist so ein Tag, an dem man seinen Hund kaum freiwillig vor die Tür bitten würde. Wohl deshalb ist am gestrigen Montag (15. März 2010) auch halb Duisburg mit dem Auto unterwegs, um bei dem Mistwetter keine nassen Füße zu kriegen. "Wir sind schon ein paar Tage in Deutschland unterwegs, und sind bisher noch in keinem Stau gelandet, aber heute haben wir es dann doch geschafft", erklärt Lisa MacIsaac und möchte vom Publikum im Steinbruch wissen, wie es den ständigen Belastungen durch zu viel Verkehr auf den Autobahnen aus dem Wege geht. Die Antwort eines der rund 100 Zuhörer lässt nicht lange auf sich warten. "Mit dem Zug!" lautet der weise Ratschlag, der die Damen aus Kanada gleich zum Schwärmen bringt. "Eine Tour nur mit dem Zug, das wäre eine feine Sache" bedankt sich Brenley MacEachern, die zweite Hälfte von Madison Violet für die Anregung.

Zum fünften Mal bereits tourt das Folk-Duo derzeit (im Bus) durch Deutschland. Die letzte Konzertreise fand dabei erst im November 2009 statt. "Es ist schön hier, die Menschen sind offen für unsere Musik und jedes Mal kommen mehr Leute, die uns sehen wollen", freut sich Lisa MacIsaac. Auch im Steinbruch, der früher eine Kneipe für hungrige Malocher war, die hier nach der Arbeit im benachbarten Steinbruch für eine Stärkung einkehrten, sind Madison Violet bereits Wiederholungstäterinnen.

Madison Violet, Foto: Christoph Volkmer

Gleich zwei, jeweils etwa 40-minütige Sets voller Folk, Alternative-Country und einem Hauch Pop haben die Musikerinnen, die sich vor zehn Jahren in Toronto erstmals über den Weg liefen, mitgebracht. Dabei spielen beide meist auf der akustischen Gitarre, die MacIsaac aber auch gern gegen ihre Geige auswechselt. Dafür bedient ihre Kollegin dann schon mal Mundharmonika und Gitarre gleichzeitig.

Los geht es mit "The Ransom", dem Opener der aktuellen Langrille "No Fool For Trying". Und die Nummer deutet gleich an, worauf sich das Publikum an diesem Abend freuen kann: viel harmonischer Gesang gepaart mit feiner und ebenso harmonischer Instrumentalisierung. Ganz allein sind Madison Violet an diesem Abend aber nicht für das gute Klangerlebnis zuständig - sie werden Adrian Lawrysyn am Kontrabass tatkräftig unterstützt. Bei ihrer Songauswahl bedient sich das Trio nicht nur an Eigenkompositionen wie dem federleichten "Lauralee" oder "Skylight", das vom zweiten Album "Caravan" stammt , sondern covert ebenso ein paar Songs.
So gehört unter anderem eine Adaption von "Hammer and Nail" von Suzy Boguss zum Programm. "Einer unser absoluten Lieblingssongs", verraten die Girls, die in ihrer Heimat gerade in der Kategorie "Roots and Traditional Group Recording of the Year" für einen "Juno", das dortige Gegenstück zum "Grammy", nominiert worden sind.

Mit dem hübsch-einprägsamen "Small of My Heart" leiten die Songschreiberinnen die zweite Halbzeit im Steinbruch ein, während in der Kneipe der gemütlichen Einrichtung gerade der MSV Duisburg unter dem Gestöhne einiger Fans seine wohl letzte Chance auf den Aufstieg gegen die "Löwen" aus München verspielt hat. Da wären die Fußball-Fans doch besser noch in den kleinen Konzertraum gekommen, wo Madison Violet die Ohren der Gäste statt dessen mit dem betörenden "The Woodshop" und "Crying" - beide ebenfalls von der aktuellen CD - verwöhnen. Nachdem es mit "Fox On The Run" bereits einen bekannten Klassiker im zweiten Teil des intimen und dennoch stimmungsvollen Auftritts gegeben hat, beschließt das Trio mit dem Cover von "Mrs Robinson" das Set. Nach diesem Auftritt ist sich das Publikum einig: "Aller guten Dinge sind drei", - und Madison Violet dürfen gern noch einmal in den Steinbruch zurück kommen. Dann vielleicht auch bei Sonnenschein und ohne Stau auf der Autobahn.

Vorher allerdings sind die Damen noch bis zum 23. März 2010 in deutschen Landen unterwegs. Auch der WDR ist auf die Kanadierinnen aufmerksam geworden und zeichnet am 20. März den Auftritt in der Harmonie in Bonn für seine Live-Konzert-Reihe "Rockpalast-Crossroads" auf.

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