Kevin Costner: Hollywood-Flair mit Gesang im Ruhrpott

Kevin Costner

Es sieht zunächst alles nach einem sehr relaxten Abend aus. Die Fans von Kevin Costner sitzen am gestrigen Donnerstag, den 11. März 2010, in der auf ein Drittel ihrer tatsächlichen Größe verkleinerten Grugahalle geduldig auf ihren Sitzen. Dabei ist selbst die erste Reihe stolze fünf Meter von der Bühne entfernt. Ob das ein stimmungsvolles Konzert werden kann? Es kann. Das Licht geht erstmals aus. Doch keine Panik, denn bevor der US-Schauspieler loslegt, gibt es ihn erst einmal auf der kleinen Bühnenleinwand zu sehen. Da sind sie, die Szenen, die Costner zu einem der beliebtesten Schauspieler der Traumfabrik gemacht haben. "Wyatt Earp", "Perfect World", "Feld der Träume", "Der mit dem Wolf tanzt" oder "Tin Cup" - sie alle kommen in der zehnminütigen Zusammenstellung zum Zug. Selbst der kommerzielle Flop "Waterworld" wird in einigen Sequenzen den knapp 1.200 - überwiegend weiblichen - Besuchern noch einmal vorgeführt.

Dann geht das Licht wieder aus - und diesmal ist er da - der Costner. Aber anders als erwartet. Denn der Sänger entert die Bühne nicht auf klassische Art und Weise, sondern geht ruhigen Schrittes vom hinteren Teil der Halle zwischen den Sitzreihen nach vorne. Klar, dass er da nicht weit kommt, denn die Fans bleiben natürlich nicht sitzen, sondern suchen - genau wie der Star - die Nähe zueinander. Da gibt es vom Sänger einen Kuss im Vorbeilaufen, eine Umarmung oder ein schnelles Foto. Die Besucher, die sich einen Platz in der ersten Sitzreihe gesichert haben, haben sich umsonst so früh in die Halle bewegt, denn knapp ein Viertel aller Anwesenden hat den Sitz nun Sitz sein lassen und strömt - quasi als Entourage Costners - in Richtung Bühne. Als er die dann besteigt, wartet die Band, Modern West, schon auf ihn und es kann losgehen. Schnell wird dabei deutlich, dass es einen Unterschied zwischen Kevin Costner auf Platte und Costner auf der Bühne gibt. Das Ganze klingt, nicht zuletzt durch den Einsatz des emsigen Fiddle-Spielers Bobby Yang, noch mehr nach Country. Und das ist gut so.

Kevin Costner; Foto: Christoph VolkmerDen schon vor dem Auftritt begonnenen Flirt mit dem Publikum stört die Performance des Mannes aus Kalifornien in der Folge nicht. Um besser in Rocker-Pose den rechten Arm in die Luft recken zu können, oder einigen Damen im Publikum winken zu können, lässt Costner seine Akustik-Gitarre, ganz im Stil eines George Strait, während des kompletten Abends zwar umgeschnallt - benutzt sie aber fast nicht. Dafür hat er ja schließlich mit John Coinman einen sehr guten Gitarristen und Freund in der Band, der zudem beide Alben produziert hat. Und überhaupt, die gerade einmal mit dem notwendigsten ausgestattete Bühne braucht ja nur einen Hauptdarsteller, und in die Rolle passt Costner eben auch als Musiker.

"Habt ihr was dagegen, wenn ich Euch ein bisschen was über die Entstehung der Songs erzähle?" fragt Costner, wohl wissend, dass er an diesem Abend kein "Nein" zu hören bekommen wird. Ganz klar, Costner kommt sympathisch rüber. Da nimmt es ihm auch keiner übel, dass er bei "Palisades" vom aktuellen Album "Turn It On" nicht jeden Ton trifft. Nach dem stimmungsvollen Titel-Song selbigen Werkes zeigt Costner auch Humor. "Das nächste Lied ist ein Liebeslied für die Frauen, die es geschafft haben, ihre Männer mit zu diesem Konzert zu schleppen, auch wenn die Herren mich gar nicht kennen oder sehen wollten", scherzt Costner und beschert allen Anwesenden mit "The Way You Love Me" eine schöne Ballade. Der inhaltliche Liebesreigen geht weiter und das bereits bei "Wetten dass…?!" vorgestellte "Let Me Be The One" folgt. Zu dem Duett kommt Songwiterin Sara Beck auf die Bühne, die schon das Vorprogramm des Abends musikalisch bereicherte.

Im Endspurt wird es mit "Ashes Turn To Stone" wieder etwas lauter, bevor "Hey Man What About You?" vom Album "Untold Truths" den offiziellen Abschluss des Abends bietet. Costner tänzelt dabei gut gelaunt von einer Bühnenseite zur anderen und benutzt plötzlich sogar seine Gitarre wieder. Nachdem er alle seiner Plektren an die Fans in der ersten Reihe verteilt hat, verschwindet die spielfreudige Band samt Star kurzzeitig von der Bühne.

Als erste Zugabe gibt es dann "Saturday Night", ein "Drinking Song", wie Costner ihn beschreibt. Damit selbst die Leute daran Spaß haben können, die noch nicht im Besitz der neuen CD sind, übt der Schauspieler den Refrain mit dem Publikum ein - was daran sichtlich und akustisch vernehmbar seinen Spaß hat. Zur Sicherheit flimmern die entsprechenden Zeilen während des Songs zusätzlich über die Leinwand. Mit "Superman 14" einer Erinnerung an Kindheitstage, endet das Konzert nach 90 Minuten. Musikalisch nicht mit Konzerten der echten Stars aus der Country-Szene vergleichbar, aber eben doch nett anzusehen und zu hören. Hätten die Tickets statt rund EUR 60,-- nur die Hälfte gekostet, wären davon sicher auch noch mehr Menschen Zeuge geworden.

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