Wünsche werden wahr - Konzert mit Phil Vassar

Phil VassarZugegeben - ein wenig verrückt muss man als Country-Fan manchmal schon sein. Denn eine Anreise aus dem Ruhrgebiet ins weit entfernte Untermeitingen bei Minusgraden und Schneeverwehungen ist durchaus schon als Abenteuer zu bezeichnen. Doch - um es gleich einmal vorweg zu nehmen - selbst die weiteste Anreise zum einzigen Deutschland-Konzert von Phil Vassar am 1. Februar 2010 sollte sich lohnen.

Der Sänger, Songschreiber und Pianist legt vor etwa 250 Country-Fans im ausverkauften "Four Corners" ganz allein und recht bedächtig mit "Black and Whites", einer bluesigen Ballade aus seinem Album "Shaken Not Stirred" los. Während des ersten Applauses gesellen sich Fiddle- und Mandolinen-Spieler Jason Fitz sowie Jeffrey Smith mit seiner akustischen Gitarre dazu und nehmen auf ihren Hockern Platz, während Vassar ab diesem Zeitpunkt die Tasten seines Keyboards primär im Stehen "bearbeitet". Erster gemeinsamer Song des Trios ist "I'm Alright", mit dem Jo Dee Messina 1998 einen ihrer größten Hits landete, und den Songwriter Phil Vassar sieben Jahre später ebenfalls für seine "Greatest Hits, Volume 1" einspielte. Mit dem geselligen "Six Pack Summer" geht es weiter - Vassar und seine beiden Kollegen haben das Publikum längst fest im Griff. Doch die Fans sind nicht nur zum Zuhören gekommen, denn sie haben die rare Chance, durch Hereinrufen ihrer Lieblings-Kompositionen aus dem "Hause Vassar" das Programm maßgeblich zu gestalten.

"Wir haben gar keine Setlist" verrät Vassar mit einem Schmunzeln. Und so geht das Wunschkonzert mit vielen Hits weiter. "My Next Thirty Years", was der Genre-Fans von Tim McGraw kennt, oder seine erste, eigene Single "Carlene" lassen die Stimmung immer besser werden, bis die Band diese mit der bewegenden Ballade "Last Day Of My Life" wieder ein wenig runterfährt.

Im Rahmen des Konzertes folgen die auch in der Trio-Version packenden "Little Red Rodeo", mit dem Collin Raye einen Erfolg verbuchen konnte und "For A Little While" (ja, kennt man auch von Tim McGraw). Danach kommt der Mann kurzzeitig ins Stocken, als mit "John Wayne" ein ganz neuer Song gewünscht wird. "Ich weiß zwar, dass ich die Stücke geschrieben habe, aber alle Texte kenne ich nun auch nicht auswendig. Und dazu kann ich eh nicht lesen", beweist Vassar seinen trockenen Humor. Nach kurzer und ergebnisloser Suche nach dem Text von "John Wayne" entledigt er sich kurzerhand eines Teils der zahlreichen Textblätter, die bis zu diesem Zeitpunkt hinter seinem Keyboard kleine Stapel bildeten.

Phil Vassar im Four Corners; Foto: Christoph VolkmerVom neuen Album "Traveling Circus" präsentiert Vassar in der Folge noch das stimmungsvolle "Bobbi With An I" und das gelungene "Where Have All The Pianos Gone", in dem er die Frage aufwirft, warum die Szene in Nashville seit langer Zeit nicht mehr Künstler am Klavier hervorbringt.

Während sich Vassar darauf eine wohlverdiente, kleine Verschnaufpause mit einem Hefegebräu gönnt, zeigen Fitz und Smith, bei einer gelungenen Adaption von "Black Water" (The Doobie Brothers), dass sie auch ohne ihren "Chef" musikalisch und stimmlich überzeugen können.

"Bye Bye", welches damals wiederum Jo Dee Messina aufgenommen hat, leitet das Ende des Konzerts ein, den dann der "Country Songwriter Of the Year" (1999) wieder ganz allein übernimmt. Vassar bestückt sich mit einer Mundharmonika und covert jetzt auch einmal - und so wird der "Piano Man" von Billy Joel zum umjubelten Finale.

Doch so schnell lassen die Fans die kleine, aber wunderbar eingespielte Band nicht in den Feierabend. Lautstark werden Zugaben gefordert, während die Dreiergruppe bei den Klängen von "All You Need Is Love" kurz hinter der Bühne abtaucht. "Liebe" ist dann auch das Motto der beiden Zugaben. Bei "That's When I Love You" klatscht schließlich jede Hand im vollen Club mit, bevor der Auftritt mit dem direkt anschließenden "Love Is A Beautiful Thing" zu Ende geht. Vassar und seine Kollegen lassen es sich nicht nehmen, die begeisterte Menge noch mit ihren Handy für zu Hause zu filmen. "Ist kaum zu glauben, was hier los ist. Und es ist eine tolle Sache, dass die Leute meine Songs wirklich kennen", sagt der positiv überraschte Sänger nach der Show, während er jedem Autogrammwunsch seiner Anhänger nachkommt.

Nachdem auch die übrigen Auftritte in Europa für die Amerikaner sehr positiv verlaufen sind, bleibt jetzt nur zu hoffen, dass die Herren die Nachricht von den begeisterungsfähigen Fans auf der anderen Seite des "Großen Teichs" flächendeckend verbreiten, damit wir uns in Zukunft öfter an solchen Konzert-Highlights erfreuen dürfen.

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