Eventbericht vom 1. Northeim Goes Country-Festival

Countryfestival sucht Besucher

Ein Startschuss sollte es werden. Ein Startschuss in eine neue Zeitrechnung der Countrymusik in Deutschland. Viel Werbung wurde gemacht. Bereits zwei Jahre vorher mit der Planung begonnen. Der Veranstalter, die Stadt Northeim, setzte zu Recht große Hoffnung in diesen Event unter dem Motto "Toleranz - Respekt - Freundschaft" und dem Namen Northeim Goes Country. Bands aus Europa und Übersee wurden verpflichtet. Namen wie Michael Peterson, KC Williams, The Twang, Silverwood, Slow Horses, Night Run, Markus Zosel & Band, The BossHoss, Larry Schuba und und und.. zierten das Line Up. Das Wetter konnte besser nicht sein. Die Akustik vom aller Feinsten. Die Waldbühne ein Traum für 8.000 Besucher. Einzig der Fan, der immer wieder schreit, dass niemand etwas in Deutschland tut, ist ferngeblieben. Die hart gesottenen Besucher, die den Weg nach Northeim in die Waldbühne gefunden haben (hier muss sich die Stadt Northeim leider eine schlechte Ausschilderung vorwerfen lassen), wurden mit einem abwechslungsreichen Programm belohnt. Einsam fühlte man sich nicht. Die Hardcore Fans unterstützen die Szene wo es geht. Auch von den Medien (Presse, Rundfunk und Fernsehen) waren hochgeschätzte Fachleute vor Ort, die viel im Vorfeld für diesen Event geleistet haben. Walter Fuchs war da, Manfred Vogel (GACMF), Doc Schulze (Radio Euroherz), Frank Rickal (Radio Ostallgäu), und viele mehr. Nur der Fan, der solche Events in Forendiskussion immer einfordert, der hat bis auf wenige Ausnahmen gefehlt.

Am Freitag, den 2. September fiel der Startschuss und - wohlwollend geschätzte - 300 Besucher (700 laut Veranstalter) beseelten die große Waldbühne am Rande Northeims. Kathleen Leinemann & East County machten den Anfang mit Westcoast, gefolgt von Markus Zosel & Band, der leider nur 45 Minuten spielen durfte, da das Niedersächsische Fernsehen mit der nächsten Band (Silverwood) ein paar Liveaufnahmen benötigte. Warum nicht mit Markus Zosel und Co? Die angereisten Zosel-Fans waren zu Recht enttäuscht. Mussten sie doch auf acht Songs verzichten. Highlight des Abends war ohne Zweifel, die polnische Country-Königin Alicja Boncol. Die musikalisch Einheit, die Ausstrahlung, als auch der Gesamteindruck überzeugten.

Leider zeigte sich, dass Silverwood am Freitag nicht die Zuschauer gezogen hat, wie man es sich erhoffte und eine Alicia Boncol ist in Deutschland noch zu unbekannt und konnte somit der ihr Angedachten Headliner-Rolle - und als Zugpferd für Besucher - nicht gerecht werden, obwohl sie es in den Augen der anwesenden Besucher war.

Der Samstag versprach leichte Besserung was die Zuchauerzahlen anging. Auch hier wurden 700 Besucher genannt, die nur mit Hinzuzählen der Helfer und Laynard-Träger (VIP, Backstage-Pässe etc.) erreicht wurden. KC Williams musste von 11:00 Uhr auf 11:30 Uhr verschoben werden, weil zu wenige Gäste den Weg fanden. Er legte dann eine Superleistung ab und empfahl sich für das nächste Jahr. Night Run, eine Bluegrass-Band überraschten offensichtlich viele Besucher im positiven Sinne und bekamen spontanen Applaus nach jeder Nummer. Virginie Schaeffer hatte es schwer gegen das starke Countryaufgebot, an diesem zweiten Festivaltag, anzukommen. Die Stimmung änderte sich erst als The Twang, die Countrifizierer, mit Songs aus Rock und Pop im Countrygewand, die Bühne betreten haben. Heiß wurde es anschließend so richtig mit Slow Horses, die ein Feuerwerk nachdem anderen abbrannten und die Line Dancer ins schwitzen brachten. Doch auch sie konnten nichts gegen den Star des Abends ausrichten: Michael Peterson war übermächtig und zog Augen und besonders die Ohren für über 80 Minuten auf sich. Selbst Fans aus England und den Niederlanden waren angereist um Michael Petersons einzigem Europakonzert in diesem Jahr beizuwohnen.

Trotz der guten musikalischen Leistung von Virginie Schaeffer war der Kontrast an diesem Tag zu den restlichen Acts zu groß und fand nicht überall Beachtung. "Toleranz (gegenüber anderen Musikrichtungen) - Respekt - Freundschaft", das Motto von Northeim fand hier seine erste Bewährungsprobe. Michael Hermann (Antenne Brandenburg), der den Samstag moderieren und die Line Dancer mit seiner Country Top Five Diskothek zum tanzen bringen sollte, sagte kurzfristig ab und musste durch Aushilfsmoderatoren ersetzt werden.

Zum Abschluss am Sonntag sollte die Zuschauerzahl knapp 250 Personen erreichen. Das Programm war besetzt mit Heinrich (Doc Wolf) & Dirk-Schlag-Band, Sister T. & S.P.A. Gospel Unit (Gospel), Wiglaf Droste & das Spardosenterzett (Kabarett), ELF feat. Martin Jones ((Country)Rock), The BossHoss sowie Larry Schuba & Western Union. Beim Auftritt von Larry Schuba (19:00 Uhr) waren nur noch knapp 50 Besucher auf der Waldbühne anzutreffen.

Die Konzeption des Festivals: Internationales Niveau von Musik, Kabarett, Literatur und Tanz erlebbar zu machen, sowohl für Country als auch für nicht Country Fans scheint nicht in dem Maße angenommen worden zu sein wie geplant. Ein guter Gedanke der Macher, der leider nicht von allen gewürdigt wurde. Vielleicht sollte man bei einer Neukonzeption über ein anderes Line-Up der Festivaltage nachdenken. Besonders am Freitag und am Sonntag hätte ein international bekannter Countrykünstler sicherlich mehr Menschen nach Northeim geführt. Michael Petersons hat gezeigt, dass es funktioniert. Doch auch hier muss man sich Fragen: Wo sind die vielen Country Fans, wenn schon mal ein US-Künstler mitten in Deutschland auftritt? Diejenigen, die nicht gekommen sind, sind mitverantwortlich, wenn es keine weiteren Veranstaltungen dieser Art mehr geben wird. Die Stadt Northeim hat in Zeiten knapper Gelder Mut bewiesen in die Countryszene zu investieren - sicherlich auch mit dem Hintergedanken die Region wiederzubeleben. Investoren und Sponsoren wurden überzeugt und werden sicherlich nach Beendigung der Veranstaltung darüber Nachdenken, ob sie nächstes Jahr wieder mit dabei sind. Was, wenn es kein nächstes Mal gibt?

An diesem Wochenende hätte man die Weichen in eine neue Richtung legen können. Der Zielbahnhof ist seit dem 4. September 2005 allerdings um etliche Schienenkilometer weiter verlegt worden.

Man wird sich sicher auch über die Eintrittspreise unterhalten müssen. Ein Hardcore Country Fan bezahlt wohl ungern für Musik, die er nicht Hören möchte mit. Ebenso scheint es auch anders herum zu sein (der Sonntag hatte die wenigsten Countryfans als Besucher dafür aber mehr Einheimische, die man an den anderen Tagen nicht sah). "Toleranz - Respekt - Freundschaft". Sind wir wirklich soweit davon entfernt oder versprach der Titel der Veranstaltung "Northeim goes Country" mehr "Country" als geboten wurde? Diese Fragen können leider nur die beantworten, die nicht gekommen sind.

Hut ab vor Northeim und Danke an alle anwesenden Besucher für ihr Interesse am Erhalt der Countrymusik in Deutschland.
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