Die 16. Country Night Gstaad - Wohin geht der Weg?

Vorab das Lineup und die Auftrittsreihenfolge der 16. Country Night Gstaad vom 10. und 11. September 2004: Lonesome River Band, Jamie O'Neal, Michael Peterson und LeAnn Rimes.

Um es vorweg zu nehmen, viele der eingefleischten Countryliebhaber, die jedes Jahr die Country Night in dem Schweizer Nobelkurort Gstaad besuchen, waren enttäuscht über das diesjährige Programm. Obwohl man versuchte, bereits im Vorfeld ein neutrale Meinung Über das seit März bekannte Lineup zu bewahren, wurden nicht offen ausgesprochene Befürchtungen leider wahr.

Die Befürchtungen beziehen sich auf das Auftreten von LeAnn Rimes. Zu stark ist der von ihr bevorzugte Gang in Richtung Pop und das ihr dadurch entzogene Vertrauen. Alle hatten gehofft von LeAnn Rimes während der "Country" Night in Gstaad Countrysongs zu hören. Doch bis auf wenige Ausnahmen ("Blue", "Me and Bobby McGee") gab es Poplastiges für die Ohren. "Pop" als Headliner auf der "Country" Night in Gstaad, dies stieß vielen übel auf und es mehrten sich die Stimmen, die ihr Kommen für die 17. Country Night vom Aufgebot der Country Stars abhängig machen wollen. Zur Ehrenrettung von LeAnn Rimes muss man allerdings sagen, dass ihre Stimme hervorragend ist und sie sehr professionell performed hat, obwohl ihr Outfit eher als Fehlgriff eingestuft werden kann.

Für die Freunde der Pop-Country-Fraktion war dies ein gelungenes Konzert und für Rimes sicher auch. Das Zelt war voll und sie bekam die Anerkennung des Publikums. Auch wenn die Hardliner sich das Konzert mit gemischten Gefühlen ansahen und viele Diskussionen entstanden.

Leider enttäuschte auch Jamie O'Neal. Die Band schien nicht richtig abgestimmt zu sein und der Sound wollte auch nicht die richtigen Verhältnisse zwischen Gesang und Instrumentierung finden. Teilweise waren die Harmony-Vocals lauter als die Lead-Stimme von O'Neal. Wer Miss O'Neall von CD kennt, wurde bei diesem Konzert leider enttäuscht. Ein wenig Wiedergutmachung gab es bei den ruhigeren Titeln mit Akustik-Begleitung, die leider zu selten waren.

Highlight vieler Besucher war der Auftritt der Bluegrass-Formation Lonesome River Band. Sie waren Opener an beiden Tagen und rissen das Publikum zu spontanen Beifallsbekundungen hin, was den anderen Künstler mit Ausnahme von Michael Peterson nur recht selten gelang. Die Formation um den Banjospieler Sammy Shelore mit seinen hochkarätigen Musikern hat durch ihre akustische Darbietung den Gästen die Herzen erwärmt und gezeigt, dass man kein Kabel am Instrument benötigt. Vielleicht war dies auch der Grund, warum Jamie O'Neal erst zum Ende ihres Auftrittes besser klang. Der Kontrast zwischen rein akustischer Bluegrass-Music und elektrisch verstärkten Instrumenten war eventuell zu groß. Auch die gesangliche Vielfalt der Lonesome River Band überzeugte während des gesamten Auftritts.

Als stiller Headliner in den Köfen der Besucher war Michael Peterson, ein Vertreter des New traditionell Country. Dies wurde durch seinen Auftritt mehr als bestätigt. Michael Peterson war am Publikum so nah dran, wie kein anderer und verstand es, mit ihm in den Dialog zu gehen, wie es nur ein Mensch machen kann, der Spaß und Freude an dem hat, was er tut. Unnötig, die Countrysongs aufzuzählen, die er sang. Die Menschlichkeit, die er verbreitete, war wohltuend und so gab es Standing Ovation und Beifallsbekundungen, wie bei keinem anderen Künstler während dieser Country Night in den Schweizer Bergen. Er war sich auch nicht zu schade, nach dem Konzert über 70 Minuten Autogramme zu schreiben, Fotos zu machen oder einfach nur mit den Fans zu reden.

Welchen Weg die Country Night in Gstaad nächstes Jahr gehen wird, ist noch unklar. Sicher ist nur, dass ein Bruch in einer langen Reihe von "Country" Nights mit reiner Country Music, durch die Wahl, LeAnn Rimes als Headliner zu verpflichten, eingeleitet wurde. Dies leider nicht zur Freude einiger Besucher, die sich fragen, was sie wohl nächstes Jahr erwarten wird. Man muss aber auch sagen, dass die letztjährige Country Night mit Terri Clark, Mark Chesnutt, Joe Diffie und Tracy Lawrence schwer zu überbieten gewesen ist. Einem Buck Owens wäre dies wahrscheinlich gelungen, aber der konnte aus Krankheitsgründen nicht.
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