Gitarren, Gewehre und Lagerfeuergschichten - The Twang in München

The Twang, Foto: PressefotoAm 28. Juli gaben The Twang im Münchner Backstage Club das vorletzte Konzert ihrer zweiwöchigen "Twang 'Em High" - Tour. Vorzustellen gab es ihr brandneues, gleichnamiges Album, das erst vor kurzem veröffentlicht wurde. Dabei hatten sie nicht nur selbst viel Spaß, sondern bereiteten auch dem Publikum eine Menge Freude.

Selbstbewusst verzichteten die sechs Hamburger auf eine Vorband und starteten mit texanischer Pünktlichkeit um Schlag neun mit ihrem Entertainment-Programm.

Das Wort Entertainment ist wohl die treffendste Umschreibung für den Abend, denn das Publikum fühlte sich von Anfang an bestens unterhalten. In gewohnt lässiger Wild-West-Manier interpretierten The Twang Coverversionen aus Rock, Pop und Soul im Country-Style. Von einheitlich schwarzen Anzügen, passenden Cowboyhüten, "Yeeha"-Rufen und kurzweiligen Lagerfeuer-Geschichten zwischen den Songs stand nicht nur die Musik, sondern auch das gesamte Auftreten der Band unter dem Country-Motto. Selbst die Gitarren wurden teilweise eingesetzt wie Gewehre, mit denen scharf geschossen wurde.

Foto: Ilka Schiller
The Twang Live
Schwere Geschütze wurden auch im bunt gemischten Songprogramm aufgefahren. Die Coverversionen waren so wild und abenteuerlich wie die imaginäre Heimat der "Twangy Boys". Von alten und neuen Hits wie "You're Beautiful", "YMCA" und "Stayin' Alive" über Metall-Songs wie "Nothing Else Matters" und Klassikern wie "Yesterday" war alles dabei. Abwechslungsreich ging es weiter mit einem Cover der schwedischen Death-Punk-Band Turbonegro, Bob Marleys "I Shot the Sheriff" und "Highway to Hell" von AC/DC. Klar, dass das Publikum auch nach zwei Stunden noch nicht genug hatte und lauthals eine Zugabe einforderte. Das ließen sich die Westernhelden nicht zweimal sagen und schossen noch vier Songs hinterher, von denen Dieter Bohlens "You're My Heart, You're My Soul" sicher der gewagteste war. Doch immer schafften die "Pioneers of Countryfication" es, auch die unmöglichsten Radio-Klassiker mit einem verschmitzten Augenzwinkern auf ihre ganz eigene Art und Weise zu interpretieren.

Bei vielen Versionen musste man schon genau hinhören, um das Original zu erkennen. Der Aha-Effekt beim Publikum war groß, genauso wie der Spaß, den es hatte. Keiner stand still, alle tanzten vor der Bühne, sangen ausgelassen mit und ließen sich von der guten Laune, die die Band verbreitete, anstecken. Die dezente Cowboy-Attitüde und die Elvis-Steps des Sängers zauberten ein Lächeln auf jedes Gesicht. Da die Venue klein und zudem nicht prall gefüllt war, war die Atmosphäre beinahe familiär und es entwickelte sich immer wieder eine Unterhaltung zwischen Band und Publikum. Wie Sänger Hank Twang erklärte, müsse man sich wegen der Übersichtlichkeit des Saals abmelden, um das stille Örtchen aufzusuchen. Doch das wollte an diesem Abend sowieso keiner, denn keiner wollte auch nur einen Song der sechs sympathischen Stimmungs-Kanonen verpassen.

Natürlich wäre es interessant, auch einmal Eigenkompositionen zu hören zu bekommen. Doch vielleicht sollte man den künstlerischen Anspruch einfach genau so locker wie die Band selbst interpretieren - auf die Bühne gehen und Spaß haben. Yee-Ha! Und noch ein Bier dazu...


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