Dixie Chicks: Shut Up & Sing

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Redaktionswertung Bewertung: 5 Sterne = sehr gut
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Zwölf Worte
Eine unbedachte Äußerung - zwölf Worte nur - ruinierte fast die Karriere der erfolgreichsten Frauenband der Welt, der Dixie Chicks. 2003, kurz vor Beginn des Irak-Kriegs, sagte Sängerin Natalie Maines zum Auftakt der "Top of the World"-Tour im "Londoner Sheperd's Bush Empire": "Wir schämen uns, dass der Präsident der Vereinigten Staaten aus Texas stammt". Damit löste sie in den USA eine hysterische Hexenjagd aus, angefeuert von rechten Gruppen wie "Free Republic". Country-Sender boykottierten die Chicks, ihre Umsätze stürzten im freien Fall, aufgebrachte Fans zerstörten öffentlich ihre CDs, ließen Hass-Tiraden ab, sogar Morddrohungen. In den USA ist kürzlich "Shut Up & Sing" auf DVD erschienen, eine fabelhafte Dokumentation, die den Kampf der Band um ihre Integrität schildert und verfolgt, wie sie daran menschlich wie künstlerisch wächst.

Die Nerven liegen blank
"Dixie-Schlampen", "Saddams Engel", "Verräter", die Beschimpfungen kamen prompt und heftig. In den Medien, von Politikern, im Country-Radio, vor ausverkauften Hallen von (Ex-)Fans. "Wir hatten noch nie soviel Negativ-Feedback, da hätten wir auch gleich Marilyn Manson spielen können", bestätigte der Manager einer Country-Station vor laufender Kamera. Das "United We Stand"-Amerika war nicht nur kriegswillig, es schoss sich auch auf die Dixie Chicks ein, frei nach Bushs Motto: "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns". Die Chicks reagieren zuerst ungläubig, sind um Schadensbegrenzung bemüht, vermuten ein kurzes Medien-Gewitter, das rasch vorüberziehen wird. Doch dann folgt Ernüchterung, Fassungslosigkeit. Nichts wird mehr so sein wie früher. Die Lage ist ernst, die Nerven liegen blank. "Natalie wird am 6. Juni in Dallas, Texas erschossen!", droht ein manischer Wirrkopf. Aber die Chicks weigern sich, klein beizugeben. Im Gegenteil, sie wollen sich nicht mundtot machen lassen und treten die Flucht nach vorn an.

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Flicka - Freiheit, Freundschaft, Abenteuer

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Redaktionswertung Bewertung: 3,4 Sterne = ok
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Wildes Pferd
Alles in diesem Film ist wild, die Landschaft (Wyoming), die Pferde (Mustangs) und die 16-jährige Katy (Alison Lohman), nur eines nicht - die Inszenierung. Von Anfang bis Ende zuckelt die Neuverfilmung des Kinderbuchklassikers "Mein Freund Flicka" (1941) von Mary O'Hara brav die üblichen Pfade solcher Mädchen-trifft-Pferd-Storys ab, ohne auch nur einmal auszubrechen und Haken zu schlagen wie die titelgebende Stute. Einzige Modernisierung, wenn man es denn so nennen will: In der Romanvorlage und auch den bisherigen Adaptionen ist die Hauptfigur ein Junge, hier geht's um eine Rancher-Tochter, die in den Bergen Wyomings von einem Wildpferd vor einem Berglöwen gerettet wird.

Wildes Mädchen
Sofort identifiziert sich Katy mit dem Freiheitsdrang des Mustangs, den sie Flicka nennt, was soviel wie "hübsches Mädchen" heißt. Aber ihr Vater Rob (Tim McGraw), ein Ranchbesitzer, verbietet ihr, das störrische Tier zu behalten, weil es seine Pferdezucht ganz kirre macht. Die rebellische Katy fühlt sich missverstanden und hat nun klassische 90 Filmminuten Zeit, das Schicksal zu wenden. Ihr Bruder Howard und ihre Mutter Nell (Maria Bello) sind zwar auf ihrer Seite. Aber wie es im amerikanischen Westen nun einmal ist: da hat das Familienoberhaupt das letzte Wort. Flicka wird verkauft. In ihrer Verzweiflung kommt Katy eine verrückte Idee. Jedes Jahr findet ein großes Rodeo statt, auf dem die lokalen Cowboys Wildpferde zu zähmen versuchen. Auch Flicka befindet sich in der Herde. Katy will sie (als Cowboy verkleidet!) einreiten. Ein bisschen Pferdeflüstern im Vorfeld sollte reichen, denn zu der Stute hat sie längst eine Seelenverwandtschaft entwickelt. Mit dem Preisgeld will sie den wilden Mustang dann zurückkaufen...

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Robert Altman's Last Radio Show

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Redaktionswertung Bewertung: 4,5 Sterne = sehr gut
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Endlich im Kino
Nachdem bereits auf der Berlinale 2006 die Deutschlandpremiere stattfand, kommt Robert Altmans letzter Film (der Regisseur starb im November 2006 an Krebs) endlich in die deutschen Kinos. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Für Country-Fans war seit "Walk The Line" kein Kinobesuch lohnender als dieser! Rund dreißig Jahre nach "Nashville" widmet sich Altman wieder dem Thema Country-Musik, was aber nicht heißt, dass beide Filme viel miteinander gemein hätten, außer, dass sie Ensemble-Stücke sind. War "Nashville" ein weit verzweigter, sarkastischer Seitenhieb auf die Unterhaltungsindustrie, so zeigt "Robert Altman's Last Radio Show" mit viel Herz und Humor den überschaubaren Kosmos der Radio-Livesendung "A Prairie Home Companion". Frei von Bitterkeit und ätzender Satire, dafür voller Nostalgie und dem beschwingten Rhythmus amerikanischer Folklore.

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Hände weg von Mississippi

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Der wilde, wilde Osten...

...fängt gleich hinter Hamburg an. Am Schaalsee in Mecklenburg-Vorpommern, um genau zu sein. Eine knappe Autostunde von der Hansestadt entfernt. Dort hat Detlev Buck seinen neuesten Film gedreht. "Hände weg von Mississippi", einen Kinderwestern, wie er ihn selbst nennt, der auf dem gleichnamigen Roman von Cornelia Funke basiert. Nach "Knallhart" (2006), dem packenden Ausflug in die Hölle der Großstadt, benötigte Buck offensichtlich dringend wieder Landluft. Dabei hat er ein nostalgisches Paradies geschaffen, ein norddeutsches Bullerbü, in dem das Getreide besonders gelb leuchtet, das Gras besonders grün, und die Erdbeeren besonders rot.

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Johnny Cash - The Unauthorized Biography

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Redaktionswertung Bewertung: 1 Stern = schlecht
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Plakativ, fad und oberflächlich
Ist eine Biografie ohne Zutun der biografierten Person entstanden bzw. von ihr oder ihrem Umfeld nicht abgesegnet worden, führt man im Titel gern "unauthorized". Denn unterschwellig suggeriert dieser kassenträchtige Zusatz: Hier wird Schmutzwäsche gewaschen! Hier erfährt man skandalöse Dinge, die die Beteiligten am liebsten unter den Teppich kehren möchten. Im Falle von John Ross' fader Doku, die gerade auf DVD erschienen ist, bedeutet es aber offensichtlich: Der Cash-Familie (außer Tommy, Johnnys jüngerem Bruder) war diese Doku schnurz, und der Filmemacher musste sehen, wie er klar kommt. Mit anderen Worten: Sein Film besteht aus einer spärlichen Ansammlung von tausendfach gesehenen Fotos, Dokumentarschnipseln und schauderhaften, plakativ nachgestellten Szenen. Wirklich interessantes Originalmaterial lässt sich an einer Hand abzählen, die Fotoauswahl ist so dünn, dass Ross permanent dieselben Bilder verwendet, bis man sich verarscht vorkommt.

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