Kenny Rogers - Lucille

Am 22. Juni 1977 wurde "Lucille" von Kenny Rogers in den USA mit Gold ausgezeichnet.

Das Album "Kenny Rogers" war nach der Trennung von der Country-Rock-Gruppe The First Edition das erste Solo-Projekt des Künstlers. Mit der daraus ausgekoppelten Single "Lucille" steuerte er auf Nummer 1 der Billboard Country Charts und die Nummer 5 der Billboard Hot 100. Heute vor 40 Jahren erreichte Kenny Rogers mit den Verkaufszahlen von "Lucille" Goldstatus.

Lucille und ihre traurige Geschichte

Vielleicht ist das Geheimnis von "Lucille" jenes, dass hinter ihrer Geschichte eine Wahrheit steckt. Eine nicht überwundene Enttäuschung, aus der von den Songschreibern Roger Bowling und Hal Bynum dieser wunderbare Song geschaffen wurde, deren legendäre Worte "You picked a fine time to leave me, Lucille, with four hungry children and a crop in the field. We had some good times and we had some bad times…" erstmals von einem verletzten Mann in einem kleinen Lokalradio nahe Tulsa, Oklahoma, im Jahr 1958 gesprochen wurden.

Kenny Rogers erzählt, er sei zu dieser Zeit dort bei seinem Onkel gewesen, um bei der Ernte zu helfen, als er hörte, was ihm fast zwei Jahrzehnte nicht aus dem Kopf gehen sollte. Jene unglaubliche Traurigkeit, die in der Stimme lag, begleitete ihn, bis er die Idee schließlich den Songschreibern vortrug, die "Lucille" zum Leben erweckten.

Der Sänger behält dabei die Position des Erzählers inne, die dritte Person, die in einer Bar in Toledo jene wunderschöne Frau kennenlernt. Lucille nimmt dort einen Drink und setzt durch das Abnehmen ihres Eherings klare Signale. Worauf der Abend hinauslaufen würde, scheint klar, doch er nimmt eine Wendung. Als Lucilles Mann die Bar betritt, macht er keine Szene, er würdigt den anderen keines Blickes, seine Worte sind klar und gehen so derart tief. Er sei schon durch so manch schlechte Zeiten gegangen, doch diesmal würde der Schmerz nie aufhören.

Wenn Kenny Rogers diese Zeilen singt, hört man das Herz förmlich brechen. Die Idee, hier keinen starken Kerl, sondern einen verletzlichen Mann mit Schwächen als eigentlichen Hauptdarsteller des Songs zu schaffen, war vielleicht Erfolgsgeheimnis von "Lucille". Kenny Rogers erzählte die Geschichte mit so viel Gefühl, dass er damit sowohl weibliche, als auch männliche Fans ansprach.

Kenny Rogers - mit "Lucille" zum Erfolg

Nach "Lucille" gab es für die Karriere von Kenny Rogers fortan kein Halten mehr. Der Song verkaufte sich über eine Million Mal, erhielt Grammys und Awards so gut wie aller namhaften Country-Organisationen.

Kenny Rogers, der aus einfachen Verhältnissen in Houston, Texas, kam, und dessen Mutter tatsächlich auch Lucille hieß, kam vom Hippie-Image endlich los und legte 1978 mit "The Gambler", geschrieben von Don Schlitz, den nächsten Welthit nach. Bis heute hat Kenny Rogers wohl so alles erreicht, was einen Country-Star ausmacht. Zuletzt wurde er im Januar diesen Jahres von seinem Heimatstaat Texas mit dem Texas Medal Of Arts Award ausgezeichnet.

Unzählige Cover von "Lucille"

"Lucille" wurde ab dem Erscheinen 1977 fast auf der ganzen Welt in zahllosen Versionen gecovert. Ob in Kanada oder Europa, die Geschichte dieser drei Menschen in der Bar wurde immer und immer wieder erzählt. Waylon Jennings nahm sich "Lucille" direkt im Erscheinungsjahr an. Dass es zeitlos schön und die Aussage noch immer präsent ist, zeigte Billy Currington fast 20 Jahre später auf seinem 2005 erschienenen Album "Doin' Somethin' Right".

Fast zeitgleich zum Original landete in Deutschland Schlagersänger Michael Holm mit "(Musst du jetzt grade gehen) Lucille" einen seiner größten Erfolge.

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