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Die Zusammenlegung der landesweit größten Sammlung indianischer Kunstgegenstände mit der Sammlung des Singenden Cowboys Gene Autry vor drei Jahren wurde offiziell als eine Verbindung unter Gleichen bezeichnet.

Aber typisch für Hollywood wurde das Ganze etwas vereinfacht: Die Cowboys kämpfen wieder gegen die Indianer.

Und raten Sie mal, wer gewonnen hat.

Anstatt im nächsten Jahr sein 100-jähriges Bestehen zu feiern, wird das Southwest Museum of the American Indian hier am 30.Juni seine Pforten schließen.

In den nächsten drei Jahren werden die 240.000 Objekte dieser Sammlung, von denen viele das Archiv seit Jahrzehnten nicht verlassen haben, gereinigt, katalogisiert und reisefertig gemacht für ihren Umzug in das geplante neue Gebäude neben Autrys Museum of the American West in Griffith Park.

Hier wird das Autry National Center, wie das neu gebildete Museum nun heißen wird, im nächsten Jahr einen anderen Jahrestag feiern: Das 100. Gene-Autry-Jubiläum. Nach Angaben des Museums wird diese Geburtstagsausstellung “den Einfluss des Singenden Cowboys auf die Mythen und Geschichte des Amerikanischen Westens" näher betrachten.

Vielen Nachbarn des Southwest Museums erscheinen die Umzugspläne des Museums eher wie ein Lockangebot. Seit den ersten Diskussionen über eine Zusammenlegung im Jahre 2001 haben beide Seiten betont, dass das Southwest Museum - das eng verknüpft ist mit dem hohen weißen Lehmziegelgebäude nordöstlich des Stadtzentrums von Arroyo Seco - vom Autry getrennt bleiben würde.

“Schon in meiner Kindheit habe ich immer wieder das Museum besucht," sagt Ed P. Reyes, ein Stadtratsmitglied aus Los Angeles, Kalifornien, in dessen Bezirk ein Teil des Geländes des Southwest Museums liegt.

“Ich möchte ungern ein kulturelles Wahrzeichen verlieren, das die Erziehung und Kultur in unserer Gemeinde so stark beeinflusst hat. Ich hab nie geglaubt, dass sie es schließen würden."

Laut Autry-Sprechern gibt es jedoch keine Alternative. “Wir haben nach Möglichkeiten gesucht, dieses Gelände wieder zu einem Museum zu machen," sagte John L. Gray, Präsident und Leiter des Autry National Centers über Southwest. “Doch wir haben keine gefunden."

Dieser Streit ist kennzeichnend für ein andauerndes Thema unter Museen. Wenn finanzschwache doch objektreiche Einrichtungen gezwungen sind, mit ihren Wettbewerben zusammenzugehen, ist am Ende meist niemand glücklich.

Hinter dem Autry-Museum, das 1988 von der Autry-Familie eröffnet wurde, stand ein großes Vermögen. Die Sammlung jedoch bestand eher aus Filmdekorationen und Westerngemälden von geringer Qualität.

Das Southwest dagegen litt unter einer geringen Finanzdecke und sinkenden Mitglieder- und Besucherzahlen. Aber seit seiner Gründung durch Charles Lummis, einem Forscher und Sammler, hatte es eine beträchtliche Sammlung Indianischer Kunstgegenstände zusammengetragen. Darunter 13.500 indianische Körbe, wahrscheinlich die größte bestehende Sammlung dieser Art, sowie einige tausend Objekte vom heiligen - einschließlich menschlicher überreste - bis zum banalen.

Der größte Teil der Sammlung wird nun eingelagert, da das Southwest sich lang anstehendes Problemen widmen will. Schwere Schäden durch das Northridge-Erdbeben im Jahre 1994, durch das der Turm vom Hauptgebäude teilweise abgetrennt wurde, wurden nie behoben. Schwere Regenfälle im letzten Jahr haben zu undichten Stellen geführt, durch die Wasser in einige überfüllten Lager des Museums gelaufen war und einen Teil der Ausstellungstücke beschädigt hatte. Nach Angaben der Kuratoren des Southwest gerieten einige Kunstgegenstände durch Insektenbefall in Gefahr.

Gemäß den Autry-Sprechern muss die Ausstellungsfläche des Gebäudes für Lager und Restaurierungsarbeiten freigehalten werden. Ihrer Schätzung nach wird die Arbeit etwa drei Jahre dauern.

John Gray betonte, dass das historische Gelände des Southwest, das 1914 von Herrn Lummis errichtet wurde, nicht aufgegeben wird. Nach Beendigung der Restaurierungsarbeiten wird möglicherweise eine kleine Wechselausstellung mit Artefakten aus der Sammlung des Museums hier stattfinden. Er sagte jedoch auch, dass das Gelände für andere Zwecke, schulischer und wirtschaftlicher Art, genutzt werden müsse, um rentabel zu bleiben.

Während der Restaurierung wird an Wochenenden der Geschenkeladen und eine Ausstellung über das Projekt in der Eingangshalle den Besuchern offen stehen. Es werden keine Objekte aus der Sammlung gezeigt, doch Museumsmitgliedern werden Führungen durch die Restaurierungsarbeiten angeboten und die wissenschaftliche Bibliothek des Museums wird auf Anfrage geöffnet.

Nach Meinung einiger Führer der Nachbarschaft sind die Umzugspläne inakzeptabel. “Es muss noch was getan werden, aber es ist alles vorhanden, damit das Museum erfolgreich sein kann, da wo es jetzt ist," sagte Nicole Possert, Vorsitzende der Freunde des Southwest Museum, die sich selbst als eine IEH-Gruppe verstehen - eine Gruppe, die neue Entwicklungen “im eigenen Hinterhof" anstrebt.

“Sehen Sie sich die Disney Konzerthalle an," sagt Nicole Possert. “Durch sie sehen die Leute die Innenstadt und die benachbarten Gemeinden anders. Wir sind für eine Erweiterung des Southwest Museums, wenn sie kreativ und gut gemacht ist. Wir würden das in Kauf nehmen für eine echte Attraktion hier in der Gegend."

Nicht jeder ist gegen Autrys Umzugspläne. Dr. Kathleen Withaker, ehemalige Hauptkuratorin des Southwest Museums und heute Direktorin des Indian Arts Research Centers an der School of American Research in Santa Fe, N.M., begrüßt Autrys Bemühungen.

“Diejenigen von uns, die in Los Angeles aufgewachsen sind, sind enttäuscht darüber, dass diese historisch so bedeutende Einrichtung so heruntergekommen ist," sagt sie.

“Doch das Autry hat genau genommen eine Sammlung von nationaler Bedeutung gerettet.

Die Leute in der Umgebung und die Stadt Los Angeles haben nicht wirklich etwas dazu beigetragen, das Museum zu erhalten."

Um das neue Museum zu bauen, in dem einmal die Southwest-Sammlung untergebracht sein soll, benötigt das Autry National Center die Erlaubnis der Stadt zum Ausbau.

Stadtrat José Huizar, in dessen Bezirk das Hauptgebäude des Southwest liegt, gab an, die Stadt habe Vorkehrungen getroffen, das Museum am derzeitigen Ort zu unterhalten. Zum Beispiel wurde ein Haltepunkt der Gold Line Stadtbahn am Museum eingerichtet, nicht zuletzt weil das hügelige Gelände zu wenig Parkmöglichkeiten bietet.

“Man schließt kein Gelände wie dies, nur weil zu wenig Parkplätze da sind," so Huizar.

Die Stadt hat eine Reihe öffentlicher Anhörungen über die Zukunft des Museums durchgeführt.

Während Bürgermeister Antonio R. Villaraigosa sich während seines Wahlkampfes im letzten Jahr noch für den Verbleib des Southwest aussprach hat er sich in letzter Zeit für keine der beiden Seiten entschieden. Vier Telefongespräche, in denen um Klärung des Themas gebeten wurde, wurden vom Pressebüro des Bürgermeisters nicht beantwortet.

John Gray, ein ehemaliger Bankier, der mit seinem kurzen Haar, der randlosen Brille und dem weißen Hemd gut und gerne einen Old-West-Bankier in einem von Autrys Wildwestfilmen spielen könnte, gibt zu, dass er zwar Museumsangestellter aber kein Kurator oder Experte für die Kultur der Amerikanischen Indianer ist.

“Ich bin ein vollkommener Dilettant," sagt er. “Aber als ich hinzukam, hatte das Museum nicht genug Geld, um seine Rechnungen zu bezahlen. Es gab keine Sicherheitsbeamte und keine Denkmalpfleger. Es hatte nie die öffentliche Unterstützung, um die Sammlung zu sichern."

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