Interview mit Volker Lechtenbrink

Volker Lechtenbrink Interview

CountryMusicNews.de sprach mit Volker Lechtenbrink über Kris Kristofferson und Country Music

Vor 40 Jahren startete der Film "Heaven's Gate - Das Tor zum Himmel" in den Kinos und trieb das renommierte Hollywood-Studio United Artist, das von Charly Chaplin, Douglas Fairbanks Sr., Mary Pickford und D.W. Griffith gegründet wurden, in den Ruin. In Europa ergings dem Western, mit Kris Kristofferson in der Hauptrolle, etwas besser. Zum Jubiläum sprach CountryMusicNews.de mit Volker Lechtenbrink, der Kristofferson synchronisierte.

40 Jahre ist es her, dass der Western "Heaven's Gate" US-Premiere feierte und mit vierjähriger Verspätung dann auch in die deutschen Kinos kam…

Ja, "Heaven's Gate - Das Tor zum Himmel" war damals ein Riesenflop und Regisseur Michael Cimino wurde dafür in den USA quasi erst mal gevierteilt. Der Film war unglaublich teuer, kam beim Publikum aber nicht an. Später wurde der Film neu zum Leben erweckt und danach wurde er zu einem Triumph für Michael Cimino, besonders in Europa.

Hatten Sie dennoch Bedenken, Kris Kristofferson in einem Film zu synchronisieren, der im eigenen Land zuerst so schlecht aufgenommen wurde?

Mir war sofort klar, das mache ich. Zum einem hatte ich Kris Kristofferson schon in einem anderen Film gesprochen, zum anderen hatte ich schon einige seine Songs auf Deutsch interpretiert. Ich bin ja nur wegen Kris Kristofferson Sänger geworden.

Das müssen Sie erklären…

Ich war so fasziniert von ihm und seinen Texten, dass ich diese unbedingt auf Deutsch bringen wollte. Das habe ich mit Knut Kiesewetter dann gemacht. Was uns gut gelungen ist, weil wir auch die unbequemen Aussagen und Inhalte seiner Texte übersetzt haben. Aber keiner meiner lieben Kollegen wollte sie singen, also musste ich es selber machen.

Haben Sie Kris Kristofferson auch mal persönlich kennengelernt?

Das habe ich und kann sagen, dass ich ihn danach als Menschen noch mehr geschätzt habe. Er ist ein kluger Mann, der daraus aber kein großes Brimborium macht. Er ist charmant und in sich ruhend, eigentlich alles, was man sich von einem angenehmen Mitmenschen wünscht. Er hat ja Lieder geschrieben, die er zwar auch selbst gesungen hat, die aber durch andere Sänger zum Teil noch größere Erfolge wurden. Zum Beispiel "Me and Bobby McGee" mit Janis Joplin oder mit Johnny Cash, der fast alle Songs von Kristofferson gesungen hat.

Bei welcher Gelegenheit hatten Sie ihn eigentlich getroffen?

Das war bei James Last, der eine große Fernseh-Sendung hatte. Kris Kristofferson und ich waren eingeladen. Er war begeistert von der deutschen Fassung und meinte: "Mach' weiter so, Volker." Aber wie es dann so ist. Er war bald wieder zurück in den Staaten und ich selbst hatte auch wieder viele andere Dinge zu tun.

Eine Freundschaft ist daraus also nicht entstanden?

Nein, das war nicht möglich. Auch, wenn man es versucht hätte, aber es sind dann doch Welten dazwischen. Da musst du in Amerika auch leben und arbeiten, um in diesen Kreisen Freundschaften zu erhalten. Aber wenn Kris mal wieder hier war, habe ich ihn öfter besucht. Das letzte Mal im Deutschen Schauspielhaus bei einem seiner Konzerte.

Hatten Sie mal überlegt, nach Amerika zu gehen?

Eigentlich nicht, ich wollte ja gerade deutsche Texte schreiben, um das Niveau von Kristofferson zu übertragen. Ich habe mal ein Album nur mit Songs von Waylon Jennings und Willie Nelson ins Deutsche übertragen und produziert. Als ich mal wieder in Amerika war, habe ich eine Kassette in den Briefkasten von Waylon Jennings geworfen und dachte, vielleicht kommt ja eine Reaktion darauf. Aber das ist dann doch eine andere Welt.

Wann sind Sie eigentlich das erste Mal mit Country Music in Berührung gekommen?

Ich habe immer gern Country Music gehört, aber nicht diese ganz traditionelle. Das ist nicht so meins. Von Anfang an stand ich unheimlich auf Willie Neslon, Waylon Jennings, selbstverständlich auch auf Johnny Cash, und dann tauchte plötzlich Kris Kristofferson auf. Ich mag Balladen mit richtig satten Männerstimmen. Daher mochte ich auch Gunther Gabriel. Country Music hat für mich etwas Beruhigendes, aber ich höre natürlich nicht nur Country Music. Das ist immer eine Stimmungsfrage.

"Der Macher" nach Kristoffersons "Taker". war Ihr erster Erfolg als Sänger. Warum hatten Sie sich gerade diesen Song ausgesucht?

Das hatte sich so ergeben, weil es auch der prägnanteste Song auf meinem gleichnamigen Album war. Der Erfolg gab uns, also Knut und mir, schließlich auch Recht. Wir waren damit gleich in den Charts und ich wurde danach erst mal nur noch "Der Macher" genannt. Es ging dann so richtig los.

Teilweise waren Sie als Musiker sogar erfolgreicher als als Schauspieler…

Vielleicht als Filmschauspieler, aber am Theater war ich mindestens genauso erfolgreich, was aber nicht so wahnsinnig wahrgenommen wird. Mit ausverkauften Vorstellungen am Theater erreicht man natürlich nicht so viele Zuschauer wie mit einer einzigen Fernsehausstrahlung.

Aber Sie hatten als Musiker Blut geleckt…

Ja, ganze 12 Jahre! Fast jedes Jahr brachte ich ein neues Album heraus, bis ich keine Lust mehr hatte. Da war ich in so einem Getriebe und es hieß immer, man müsse sich dem Trend anpassen. Doch ich wollte nur das schreiben und singen, was ich auch glaubte und aussagen wollte. "Irgendwann" hieß mein letzter Hit. Ich beschloss: 'So, damit höre ich jetzt auf.' Alle meinten, ich wäre wahnsinnig. Man kann doch nicht mit einem Hit aufhören. Ich fand aber, man kann gerade mit einem Hit aufhören. Das ist besser als umgekehrt.

Sie haben die Musik aber nicht ganz an den Nagel gehängt…

Ich wurde oft gebeten, meine alten Lieder mal wieder zu singen. Vor drei Jahren war das so stark, dass ich tatsächlich wieder anfing, im kleineren Kreis Liederabende am St. Pauli-Theater in Hamburg zu veranstalten. Das hat wieder so viel Spaß gemacht und ich merkte, dass die Texte heute genauso gut ankommen wie früher.

Heißt das, Sie werden auch mal wieder eine größere Tournee planen?

Gern mal hier und dort, aber ich will nicht mehr auf Tournee gehen müssen. Wenn, dann singe ich auch meine alten Lieder. Ich hätte jetzt keine Lust, ein Corona-Lied zu schreiben. Mein Publikum ist auch älter geworden, was schön ist. Wenn ich nach einer Show höre: "Bei dem Song war ich das erste Mal verliebt" oder "Bei diesem hatte ich Liebeskummer", weiß ich, man ist zusammen ein Stück des Weges gegangen.

Das klingt, als wären Sie sehr zufrieden mit sich…

Das bin ich auch. Ich sage oft, ich bin ein glücklicher Mensch, weil ich immer das gemacht habe, was ich machen wollte. Dadurch hatte ich auch manche Widerstände oder wurde auch mal für einen schwierigen Typen gehalten. Aber ich habe für meine Verhältnisse ein gerades Leben gelebt und viel Spaß gehabt. Also, ich habe immer noch Spaß – na logisch. Aber es ist nicht so, als würde ich irgendetwas nachrennen oder mir sagen müssen: ‚Ach, hätte ich nur.' Nein, so ist es nicht. Ich bin dankbar, denn ich habe eine tolle Frau und großartige Kinder.

Was haben Sie als Nächstes vor?

Geplant sind, sobald es wieder möglich ist, einige Liederabende im St. Pauli-Theater in Hamburg. Zuletzt gab es dort das Zwei-Personen-Stück "Love Letters" mit Eva Mattes und Weihnachtslesungen habe ich ebenso vor. Auch wenn ich jetzt nicht mehr drei Stunden den "King Lear" spielen muss und man am Theater viel weniger verdient, finde ich es immer noch beglückend, auf der Bühne zu stehen.

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