The Pistol Annies

Die Supergruppe "The Highwaymen" mit Willie Nelson, Kris Kristofferson, Johnny Cash und Waylon Jennings oder das berühmte Trio mit Emmylou Harris, Dolly Parton und Linda Ronstadt sind nur zwei Beispiele für äußerst erfolgreiche Country-Music-Projekte, die auf Freundschaft und kreativem Zusammenspiel beruhen. In diese Fußstapfen treten nun die Pistol Annies, der jüngste Zusammenschluss markanter Persönlichkeiten zu einem faszinierenden neuen Act, der mit dem Debütalbum "Hell on Heels" die Charts stürmte.

"Jede von uns als hat als Einzelperson und Solokünstlerin ihre eigene Botschaft", sagt Miranda Lambert über sich, Ashley Monroe und Angaleena Presley. "Indem wir alle drei Sichtweisen und alle drei Lebensentwürfe mit allem, was wir bereits durchgemacht haben, verbunden haben, brachten wir wohl etwas zur Sprache, was die meisten Leute denken, aber niemals aussprechen. So mache ich es auch bei meiner Solokarriere. Ich gehe Risiken ein und bin in meiner Musik immer ehrlich, und genauso sind wir dieses Pistol Annies-Projekt angegangen."

"Wir drei sind von verschiedenen Einflüssen geprägt, aber uns allen ist eines ganz wichtig - Ehrlichkeit", fügt Monroe hinzu. "Miranda verehrt Merle (Haggard). Ich liebe Dolly (Parton), und Angaleena liebt Loretta (Lynn). Diese drei Künstlerinnen haben uns sehr inspiriert. Wenn man deren Platten hört, weiß man sofort, worum es geht."

Manche Plattenfirmen drängen Künstler gelegentlich zu einer Zusammenarbeit, von der sie sich kommerziellen Erfolg versprechen, doch bei den Pistol Annies war das nicht der Fall. "Miranda und ich kennen uns seit sieben Jahren", so Monroe. "Eines Abends waren wir bei ihr zu Hause, und ich fragte sie, ob sie schon mal von Angaleena Presley gehört hatte. In Nashville hatte ich einige Male mit ihr geschrieben. Sie kannte sie nicht, also holte ich meinen Computer und spielte ihr ein paar Sachen vor. Sie war ganz aus dem Häuschen und meinte: 'Das ist sie! Genau die hat uns gefehlt!' So einfach hat sich das ergeben."

Presley betont, die Zusammenarbeit sei von Anfang an ganz ungezwungen gewesen. "Wir setzten uns zusammen und schrieben diese Songs und grübelten nicht übermäßig darüber nach", erzählt sie. "Der Wahnsinn hatte keine Methode. Es sind einfach nur Songs aus der Perspektive von drei verschiedenen Mädels, und offenbar können viele Leute etwas damit anfangen."

"Die Chemie stimmte von Anfang an", ergänzt Monroe. "Wir fingen einfach an zu schreiben. Wir setzen uns zusammen und waren inspiriert. So war es wirklich. Wir haben nichts erzwungen. Wir wollten einfach nur echte Songs über echte Themen schreiben."

CD-Cover: The Pistol Annies - Hell On HeelsBevor sie sich mit den Annies zusammentat, hatte Monroe 2009 ein Digitalalbum mit dem Titel "Satisfied" bei Columbia Nashville herausgebracht. Presley hat ein nicht veröffentlichtes Album aufgenommen und wartet noch auf ein gutes Angebot. Lambert dagegen ist natürlich ein etablierter Star mit zahlreichen Hits in petto, darunter "The House That Built Me" (aus der Feder von Tom Douglas und Allen Shamblin), der 2010 von der CMA zum Song des Jahres gekürt wurde.

"Hell on Heels", das Album der Pistol Annies, erschien im August, zwei Monate vor Lamberts viertem Album "Four the Record". Auf die Frage, ob sie sich Sorgen gemacht habe, wie sich das Debüt auf ihre neueste Soloplatte auswirken würde, erwidert Lambert: "Das kam mir schon in den Sinn, aber ich fand, wenn etwas so natürlich ist und sich so richtig anfühlt (wie Pistol Annies), muss es einfach richtig sein. Die Musik ist uns dreien quasi zugeflogen, und die Chemie zwischen uns zeigte mir ganz deutlich, dass Bedenken fehl am Platz waren und ich einfach der Musik folgen und mich überraschen lassen musste."

Das Ergebnis war ein Nummer-Eins-Album. "Hell on Heels" sollte ursprünglich nur digital erscheinen, doch die Nachfrage der Fans traf das Label gänzlich unvorbereitet. Als nicht-virtuelle Händler um "richtige" Platten flehten, kam Sony Music Nashville dem Wunsch eilig nach. Wie Lambert erzählte, war das Trio gerade auf einem Kurzurlaub in Mexiko, um das Erscheinen des Albums zu feiern, als bekannt wurde, dass es vielleicht schon in der ersten Woche auf Platz 1 der Billboard-Country-Album-Charts landen würde. "Ehrlich gesagt war das ein richtiger Schock für mich", gesteht sie, "denn wir hatten ja gar kein Produkt - es war nur digital."

"Das Tolle am Pistol Annies-Projekt ist sein äußerst musikalischer Ursprung", so Gary Overton, Präsident/CEO von Sony Music Nashville, der durch Lamberts Managerin Marion Kraft zum ersten Mal von dem Projekt hörte. Fasziniert bat er darum, die Musik hören zu dürfen, und das Trio kam vorbei und spielte ein paar Songs live. "Zunächst waren vier Nummern im Gespräch, aber dann entstand ein Song nach dem anderen. Alles war stimmig, der Sound war cool, so dass schließlich eine ganze Platte daraus wurde. Wir fanden: "Da ist eigentlich nichts dabei, was auf Anhieb ein Radiohit werden könnte, also stellen wir es online und warten ab, was sich ergibt. Und Bang, es wurde ein Nummer-Eins-Countryalbum. Das zeigt mal wieder, dass die Leute ein Gespür für tolle Musik und tolle Künstler haben."

Overton stellt fest, dass das Pistol Annies-Album Lamberts Profil in der Branche noch weiter gefördert hat. "Ich glaube, dass viele in der Branche Miranda wirklich sehr bewundern", meint er. "Obwohl die Geschäfte in der Musikbranche nicht so gut laufen, konnte sich das Revolution-Album mehr als 1,4 Millionen Mal verkaufen - das ist wirklich eine Meisterleistung. Und seitdem hat sie eine neue Platte gemacht und dieses Nebenprojekt gestartet, das es auf Nummer Eins geschafft hat. Ich bin überzeugt, dass viele Leute sie als Künstlerin jetzt noch mehr respektieren."

Bei der Arbeit an dem Projekt ging es sehr heiter zu, und aus dieser Stimmung heraus nahm das Trio Spitznamen an und nannte sich Lone Star Annie (Lambert), Hippie Annie (Monroe) und Holler Annie (Presley). Der einzige andere Songwriter, der an dem Album mitwirkte, war Lamberts Ehemann Blake Shelton, der als Co-Autor an "Family Feud" beteiligt war und sich den Spitznamen Pistol Andy verdiente.

"Die Mädels waren bei uns zu Hause, weil wir zusammen die Songs auswählen und vielleicht noch ein paar neue schreiben wollten", erinnert sich Lambert. "Wir saßen vor dem Haus, Blake hatte für uns gekocht. Wir spielen alle nicht besonders gut Gitarre. Wir haben unterschiedliche Stile, aber Blake war ja da. Er spielt so toll Gitarre, dass wir ihm eine in die Hand drückten und sagten: 'Spiel mal was. Wir wollen einen Song schreiben.' Er ließ sich dann diese wirklich coole Melodie einfallen. Wir haben das Lied zusammen geschrieben, wir vier, auf diese Weise hat er sich dazwischengemogelt."

Das Album bietet eine Vielfalt an unterschiedlichen Songs, vom frechen "Bad Example" (Lambert und Monroe) über das witzige "The Hunter's Wife" (Presley) bis hin zu "Beige" (Lambert und Monroe), der ergreifenden Geschichte einer ungewollten Schwangerschaft. "Man wird lachen. Man wird weinen, und wahrscheinlich wird man auch seinen Mann mal ordentlich zur Rede stellen", beschreibt Presley den Inhalt des Albums.

Der vom gesamten Trio verfasste Titeltrack "Hell on Heels" spiegelt die aufsässige Stimmung der drei treffend wider. "Im Großen und Ganzen ist es das, worum es uns geht. Das ist ein knackiger Titel, eine knackige Wendung", so Lambert. "Man denkt sofort: ‘Wieso ist mir das nicht eingefallen?' Ich finde, damit ist alles gesagt, was die Pistol Annies ausmacht."

The Pistol Annies: Miranda Lambert, Angeleena Presley and Ashley Monroe. Photo credit: Randee St. NicholasAuf dem Album finden sich auch düsterere Stücke wie "Housewife's Prayer", das Presley zu schreiben begann, als sie in Scheidung lebte. "Ich war wirklich am Ende, sehr deprimiert, verzweifelt und wusste nicht, was ich tun sollte", berichtet sie. "Ich dachte daran, mein Haus niederzubrennen, für mich und meinen kleinen Jungen eine Wohnung zu mieten und einen Neuanfang zu machen. Doch stattdessen nahm ich mir die Gitarre und schrieb einen Song darüber. Den habe ich den anderen vorgespielt, und gemeinsam stellten wir ihn fertig."

"Mir gefällt ‚Housewife's Prayer‘", fährt Presley fort, "denn der Song erzählt von einer der schwersten Zeiten in meinem Leben und erinnert mich daran, dass ich stark genug war, um diese zu überstehen. Er ist mir eine Warnung, damit ich in Zukunft vernünftigere Entscheidungen treffe."

Auch "Lemon Drop" ist aus Presleys Leben gegriffen. "Die Geschichte ist wirklich wahr", sagt sie. "Ich war auf dem Heimweg nach Kentucky, als ich eine Autopanne hatte. Ich hielt an und stellte fest, dass mein Auspuff halb abgerissen war. Da ging ich an den Kofferraum, schnitt eine Gitarrensaite ab, band sie fest, fuhr nach Hause und dann zurück nach Nashville. Ich fuhr eine ganze Weile mit einem Auspuff herum, der nur von einer Gitarrensaite gehalten wurde, daher stammt die Idee. Der ganze Song handelt davon, wie mein Leben damals aussah, als ich versuchte, den Durchbruch zu schaffen, darum kämpfte und niemals aufgab."

"Boys from the South" stammt von Lambert. "Eines Nachts fuhr ich sehr spät vom Flughafen nach Hause und versuchte, bloß nicht einzuschlafen", erinnert sie sich. "Ich war auf dem Weg von Texas nach Oklahoma und dachte, Mensch, ich liebe es, hier zu wohnen, ich liebe es, nach Hause zu Blake, meinem süßen Südstaatenjungen zu fahren, der schon auf mich wartet‘. Ich fand irgendwie, das könnte einen netten Song geben."

Fans hatten die Gelegenheit, die Pistol Annies im Rahmen von Lamberts Tour 2011 live zu erleben. Weitere Shows sind in Planung, und Lambert hofft, dass die öffentlichen Auftritte mit den Pistol Annies die Solokarrieren ihrer beiden Freundinnen ankurbeln werden. "Ich will einfach, dass die ganze Welt sie hört", sagt sie über Presley und Monroe. "Sie müssen berühmt werden, weil sie fantastisch sind. Ich hoffe, dass sie ihre Karrieren als Solokünstler ausbauen und ihr eigenes Ding machen können, ihre eigenen Platten herausbringen, und trotzdem noch immer bei den Pistol Annies mitwirken. Ich hoffe einfach, dass alle Welt uns gemeinsam und auch jede für sich hört."

Zum Zeitpunkt der Drucklegung arbeitete Monroe gerade an ihrem Debüt bei Warner Bros., während Presley noch auf ein Angebot hoffte. "Ich bin seit acht Jahren in Nashville, und ich weiß nicht, wie oft mir schon gesagt wurde, ich sei zu alt für Country", sagt sie. "Ich habe eine Platte mit (den Produzenten) Frank Liddell und Mike Wrucke gemacht. Die kam gut an, aber man traute sich nicht richtig. Wir bieten sie immer noch an, aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir sie rausbringen werden. Wer Pistol Annies mag, wird auch Angaleena Presley mögen. Ich hoffe, die Pistol Annies haben Signalwirkung für mich und Ashley und alle anderen, die Songs aus der Tiefe ihres Herzens schreiben, die sie nirgends unterbringen können.”

Alle drei Frauen sind sich einig, dass sie noch lange als Pistol Annies Musik machen wollen. "Unsere Idealvorstellung ist es, dass wir alle einzeln auf Tour gehen und diese Tours dann einmal im Monat unterbrechen, um als Pistol Annies aufzutreten", so Lambert. "Wir hoffen, dass wir zusammen Musik machen werden, bis wir nicht mehr singen können."

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