Angela Hacker, Kellie Pickler, Cowboy Troy; Foto: John Russel

Man muss nicht weiter zurückschauen als bis zu dem kürzlichen Erfolg der "American Idol"-Absolventinnen und Labelmates Kellie Pickler (19 Records/BNA Records) und Carrie Underwood (19 Records/Arista/Arista Nashville), um den Einfluss aufzuzeigen, den Talentwettbewerbe bei der Einführung neuer Künstler haben.

Doch das Format "American Idol" beim Sender FOX ist nicht das einzige Mittel, das aufstrebenden Künstlern im Bereich Country Music zum Start verhilft. Wettbewerbe waren lange Zeit eine Talentschmiede für die Führungskräfte im Bereich A&R bei Country-Plattenlabeln. Die Gruppe Sawyer Brown machte ihren Diener bei "Star Search" auf CBS im Jahr 1983 und wurde zum ersten Gewinner der landesweit im Fernsehen übertragenen Show.

Brad Cotter, George Canyon, Buddy Jewell, Erika Jo, Miranda Lambert, John Arthur Martinez, Chris Young und die Newcomer Angela Hacker, Jason Meadows und Lance Miller befinden sich unter den Künstlern, die ihren Anfang auf der Music Row über USA Networks "Nashville Star" nahmen. Zusätzlich zu diesen Künstlern bekamen Lyric Street Records Bucky Covington und Josh Gracin, beide durch "American Idol", ein landesweites Publikum.

LeAnn Rimes moderierte die Sendung zum 25-jährigen Jubiläum des Colgate Country Showdown, bei dem die in North Carolina geborene Megan Peeler den Preis von 100.000US Dollarerhielt. Das im Fernsehen übertragene einstündige Special wurde landesweit zugleich von MG Perin und auch auf GAC (Great American Country) gesendet. Während der 25-jährigen Geschichte des Wettbewerbs waren Garth Brooks, Tracy Byrd, Billy Ray Cyrus, Sara Evans, Brad Paisley, Martina McBride, Tim McGraw und Neal McCoy unter den Künstlern, die den Wettbewerb auf entweder nationaler oder lokaler Ebene gewonnen haben.

"Nur dadurch war alles möglich, indem wir eine schnelle Starthilfe bekamen", erinnert sich Sawyer Brown-Frontmann Mark Miller an die "Star Search"-Erfahrung der Gruppe, welche für die Fans immer noch als das Sprungbrett der Band gilt. "Diese Fernsehshow erregte ein so großes Aufsehen, damals besonders für die Country Music. Unsere ersten beiden Alben bekamen Gold und Platin. 1985 war es für einen Country-Act eine große Sache, 100.000 Tonträger zu verkaufen, und wir verkauften 250.000 Alben in den ersten Wochen, wenn ich mich recht erinnere."

Sawyer Brown nimmt noch immer bei Curb Records Platten auf, und zusätzlich zu seiner Arbeit mit der Band verfolgt Miller verschiedene weitere Unternehmungen. Er ist Besitzer von Beach Street Records, einem christlichen Label, das die Heimat der mit Platin ausgezeichneten Band Casting Crowns ist. Er produziert auch andere Künstler, unter ihnen Covington, der in der fünften Staffel von "American Idol" Platz acht belegte.

Foto: Kristin Barlowe
"Er hat eine richtig coole Stimme", so Miller. "Ich habe Bucky entdeckt, weil mein Sohn sein größter Fan war. Tatsächlich hat mein Sohn Gunnar mich dazu gebracht, ihn anzurufen, als er herausgewählt wurde. Er sagte, "Daddy, du musst ihm helfen." So hat die ganze Sache tatsächlich angefangen."

Unnötig zu sagen, dass Covington positiv überrascht war, als er den Anruf von Miller bekam. "An dem Tag, nach dem ich aus der Show gewählt wurde, rief Mark Miller die Zeitung meiner Heimatstadt an, bekam meine Telefonnummer und rief mich an", erzählt Covington und klingt dabei immer noch ungläubig in Anbetracht seines Glücks.

Miller und sein Sohn waren nicht die Einzigen, die von Bucky Notiz genommen hatten, was die Dinge einfacher machte, als Miller mit der Suche nach einem Label-Deal für Covington begann. "Ich musste ihn wirklich nicht lange überall anbieten", sagt Miller. "Ich kannte Doug [Howard] und Randy [Goodman] bei Lyric Street. Ich machte nur einen Anruf, und sie sagten so ziemlich gleich "ja". Doug hatte Bucky während der Show gesehen und war ein Fan."

Durch Sawyer Brown ist Covington raus auf die Bühnen gelangt und hat, so Miller, aus erster Hand die Anerkennung gesehen, die ihm das Phänomen "American Idol" einbrachte. "Es ist verblüffend, wie viele Leute diese Show gesehen haben", sagt Miller. "Wenn wir ihn raus auf die Bühne bringen, müssen wir ihn nicht einmal vorstellen. Die Leute sehen dieses lange blonde Haar und werden verrückt. Sie wissen genau, wer er ist."

Randy Goodman, Präsident von Lyric Street Records, ist nicht überrascht. "Wir waren uns immer über die Macht im Klaren, die Network Television hat", sagt er. "Man muss schon ein Mönch sein, um nicht zu wissen, wie viel Einfluss "American Idol" auf die allgemeine Bevölkerung hat."

Goodman sagt, dass der Auftritt bei "American Idol" Acts zu einem schnelleren Durchbruch verhilft. "Mit Leuten wie Carrie Underwood sowie Josh und Buckyhat man Acts, die bereits bis zu einem gewissen Grad mit einem Markenzeichen versehen wurden. Radiosender wissen, wer Bucky ist oder wer Kellie Pickler ist oder wer Josh ist, und sie wissen auf jeden Fall, wer Carrie Underwood ist. Man hat also eine Bekanntheit, und diese Bekanntheit erzeugt Interesse. Das Radio wird immer der Weg sein, auf dem ich hauptsächliche Platten verkaufe und auf dem ich das Publikum anspreche und aufmerksam mache, aber durch "American Idol" haben einige Künstler eine sofortige Anerkennung und Bekanntheit erlangt."

"Der Auftritt bei "American Idol" hilft", so Covington, "auf jeden Fall dabei, einen neuen Künstler auf die Überholspur zu bringen. Eines der schwierigsten Dinge für einen neuen Künstler ist, dass man drei bis vier gute Songs herausbringen muss, bevor die Leute wissen, wer man ist", sagt er. "Das Beste an der Show ist, dass man schon Fans hat, bevor man die Single herausbringt. Das ist ein großer Vorsprung."

Goodman beurteilt die gemeinsame Arbeit mit Miller als ein bedeutendes Plus für den neuen Künstler Covington, weil dieser so versteht, was es bedeutet, durch einen Talentwettbewerb zum Erfolg zu gelangen.

"Miller hat das auch erlebt", so Goodman. "Was Mark zu einem so großartigen Mentor macht, ist die Tatsache, dass er auch aus einem Wettbewerb hervorgegangen ist. Er hat ihn gewonnen. Er weiß Bescheid über die sofortige Zuneigung, mit der einen jeder überschüttet, aber er weiß auch, dass man zum Aufbau einer langfristigen Karriere diese Grundlage, diese Art der Markenbildung, annehmen muss und ganz oben großartige Songs darauf aufbaut. Mark und Sawyer Brown haben es so gemacht, und Mark hat sich als ein außerordentlicher Geschäftsmann herausgestellt. Bucky könnte mit keiner besseren Person als Mark zusammenarbeiten."

Für Covingtons Label-Kollege Gracin sind Talentwettbewerbe ein großartiger Weg für aufstrebende Acts, im Geschäft Fuß zu fassen.

"Ich habe lange Zeit vor der Show versucht, ins Country Music-Geschäft zu kommen", so Gracin. "Ich nahm eine CD auf und versuchte, sie anzupreisen und die Sache in Gang zu setzen. Es hat nie funktioniert. Also trat ich einen Schritt von der Musik zurück und ging zum Marine Corps. Dann kam die Show auf und ich dachte, dass wäre eine ziemlich coole Art, in der Country Music Fuß zu fassen. Ich versuchte es und bekam einen Platz in der Show. Sie hat Wunder für mich bewirkt." Gracin hat ein Goldenes Album, eine Nr. 1 Single und zwei Singles unter den Top 5 erreicht.

Foto: Robert Ashcroft
Der Auftritt bei "American Idol" hat geholfen, Pickler's Debütalbum "Small Town Girl" herauszubringen, ein gewaltiger Erfolg. Genau wie Gracin ist sie dankbar, "Idol" als Sprungbrett gehabt zu haben.

"Jeder sieht es sich an und wird zu einem Teil unseres Erfolgs", sagt sie. "Sie wählen den Gewinner und sehen dich vom Anfang deiner Karriere an wachsen, bis du ganz oben bist. Und sie unterstützen dich danach, kaufen deine Alben und kommen zu deinen Konzerten."

Obwohl die Fernsehaustrahlung von "American Idol" diesem Wettbewerb eine ungeheure Anzahl von Zuschauern bringt, ist der am längsten laufende Talentwettbewerb im Bereich Country - und der, der einige der erfolgreichsten Künstler auf den Markt gebracht hat - der Colgate Country Showdown. Er wird von der Special Promotions Inc. produziert, die mit 470 Radiosendern im ganzen Land Partnerschaften hat. Im Jahr 2006 hat der Showdown mehr als 550 Live-Shows gesponsert und eine Menge neuer Talente hervorgebracht. Am Anfang war Wrangler Sponsor des 1982 auf den Markt gebrachten Ereignisses.

Über Jahre waren dann Coca Cola, Jimmy Dean, Dodge, GMC und True Value Titelsponsoren, aber der eine dauerhafte Sponsor an der Spitze des Showdowns war durch alle Jahre hindurch Dean Unkefer.

"Wir helfen Radiosendern und Messen durch Produktionshandbücher und Medienkoordination bei der Promotion des Showdowns", sagt Unkefer. "Es ist Synergie. Wir sind alle stolz darauf und es gibt für jeden einen Platz in diesem Programm."

Unkefer gefällt es, aufstrebenden Acts dabei zu helfen, gesehen und gehört zu werden. "Das wichtigste beim Showdown ist nicht das Gewinnen oder Verlieren, sondern die Möglichkeit zu haben, vor einem Live-Publikum aufzutreten und Wettbewerbsteilnehmern dabei zu helfen, von Branchenexperten gesehen zu werden" meint er.

Ein solcher Auftritt kann langfristige Auswirkungen haben. Troy Gentry hatte 1994 den Jim Beam Talent Contest als Solokünstler gewonnen, bevor er zusammen mit Eddie Montgomery den Act Montgomery Gentry bei Columbia Records Nashville gründete. Jim Beam unterstützte seine aufkeimende Karriere und tut dies auch weiterhin durch das Sponsoring von Montgomery Gentry.

"Sie haben verfolgt, wie es mit meiner Solokarriere läuft, und versuchten, mir auszuhelfen", erzählte Gentry. "Dann wurden Eddie und ich zusammengebracht und die Leute, die am Jim Beam-Wettbewerb beteiligt waren, kontaktierten unsere Managementfirma, um zu sehen, ob wir ein Sponsoring erhalten könnten."

Gentry ermutigt andere aufstrebende Künstler, es mit Wettbewerben zu versuchen. "Ich glaube, dass das Gewinnen des Wettbewerbs für mich eine Ermutigung war weiterzumachen, was mich zur Gründung von Montgomery Gentry mit Eddie geführt hat."

Obwohl mit dem Gewinnen eines Talentwettbewerbs manchmal ein Brandmal verbunden ist, ist es für diejenigen, die es als Tor zur Musikindustrie benutzt haben, kein Grund zur Reue.

"Wenn das schlecht ist, hatte ich es gut", lacht Pickler. "Letzten Endes ist es egal, wie du es geschafft hast, du hast es geschafft. Ich kann "American Idol" nur für dafür danken, dass ich dadurch zu Anfang meiner Karriere soviel Bekanntheit erlangt habe."

Auch Gracin ist stolz auf seine Vergangenheit bei "Idol". "Es wird immer ein Teil dessen sein, wo ich herkomme und was ich getan habe", sagt er. "Ich werde nie versuchen, das herunterzuspielen, denn ohne das alles wäre ich nicht da, wo ich jetzt bin. Es war bei allem sehr hilfreich."

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