Johnny Cash - The Unauthorized Biography

Johnny Cash The Unauthorized Biography Cover

Plakativ, fad und oberflächlich
Ist eine Biografie ohne Zutun der biografierten Person entstanden bzw. von ihr oder ihrem Umfeld nicht abgesegnet worden, führt man im Titel gern "unauthorized". Denn unterschwellig suggeriert dieser kassenträchtige Zusatz: Hier wird Schmutzwäsche gewaschen! Hier erfährt man skandalöse Dinge, die die Beteiligten am liebsten unter den Teppich kehren möchten. Im Falle von John Ross' fader Doku, die gerade auf DVD erschienen ist, bedeutet es aber offensichtlich: Der Cash-Familie (außer Tommy, Johnnys jüngerem Bruder) war diese Doku schnurz, und der Filmemacher musste sehen, wie er klar kommt. Mit anderen Worten: Sein Film besteht aus einer spärlichen Ansammlung von tausendfach gesehenen Fotos, Dokumentarschnipseln und schauderhaften, plakativ nachgestellten Szenen. Wirklich interessantes Originalmaterial lässt sich an einer Hand abzählen, die Fotoauswahl ist so dünn, dass Ross permanent dieselben Bilder verwendet, bis man sich verarscht vorkommt.

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Neil Young - Heart Of Gold

Neil Young Heart of Gold cover

It's A Long Road Behind Me
An zwei Abenden im August 2005 präsentierte Neil Young mit alten Weggefährten in Nashville sein damals aktuelles Album "Prairie Wind", das er ganz unter dem Eindruck eines lebensbedrohlichen Aneurismas (Ausbeulung eines Hirngefäßes) und dem Tod seines Vaters verfasst hatte. Ein persönliches Werk über Familie, Freunde, Vergänglichkeit - und eine Art vorsorgliches Vermächtnis. Denn vier Tage nach den Studioaufnahmen sollte Young unters Messer, Ausgang ungewiss. Wie um zu beweisen, dass er dem Tod nochmal von der Schippe gesprungen ist, folgten nach erfolgreicher Genesung die Konzerte im Ryman Auditorium. Aber es war kein kraftmeierischer Brachialauftritt, sondern eine berührende Rückbesinnung, ein Alterswerk, dessen Essenz Regisseur Jonathan Demme ("Das Schweigen der Lämmer") schlicht, doch eindrucksvoll eingefangen hat.

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Come Early Morning

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Das Morgen-Grauen
Verkatert pliert Lucy (Ashley Judd) aus den Augen und mustert ihre Umgebung. Schon wieder Kopfschmerzen, schon wieder ein fremdes Zimmer, schon wieder ein Typ neben ihr im Bett, an den sie sich nicht mehr erinnern kann. Wann hatte sie eigentlich zum letzten Mal Sex, ohne besoffen zu sein? Das ist nur eine der Fragen, denen sich die Mittdreißigerin aus einem Südstaaten-Kaff stellen muss, denn ihr Leben verläuft in ritualisiertem Chaos. Jeden Tag landet sie nach Feierabend im örtlichen Honkytonk, lässt sich vollaufen und dann abschleppen. Feeling Single, Seeing Double. Irgendwann merkt selbst Lucy, dass es so nicht weitergehen kann. Doch es ist schwer, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Sogar als sie Cal kennenlernt, der ihr ehrliche Gefühle entgegenbringt und deutlich macht, dass sie für ihn kein One-Night-Stand war, reagiert Lucy abweisend. Zu hart ist der Panzer, den sie sich in den letzten Jahren zugelegt hat...

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Bandidas

Bandidas Cover

Platzpatronen statt Dynamit
Klingt eigentlich vielversprechend: Salma Hayek und Penélope Cruz als Banken überfallende Pistolenbräute in einer Westernkomödie. Country-Topstar Dwight Yoakam als Killer. Dazu schönste Sam-Peckinpah-Welten, denn "Bandidas" spielt in Mexiko, wo auch die berühmten Western des Regisseurs wie "Pat Garrett jagt Billy The Kid" entstanden. Doch das vermeintliche Kinodynamit entpuppt sich als Platzpatrone. Dabei will man dem Film ja allein wegen der sympathischen und bildschönen Hauptdarstellerinnen eigentlich nur wohlgesonnen sein. Aber wenn Penélope Cruz bereits nach wenigen Filmminuten mit ihrem Pferd Tic-Tac-Toe spielt, wird klar, auf welches Niveau man sich dafür einlassen muss.

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Brokeback Mountain

Brokeback Mountain Cover

Liebe ist eine Naturgewalt
In Wyoming macht man nicht viele Worte. So karg und verwittert wie das Land ist, so verschlossen sind die Menschen, die dort leben. Einer von ihnen, der introvertierte Rancher Ennis Del Mar (Heath Ledger), wird 1963 gemeinsam mit dem eher umgänglichen Rodeoreiter Jack Twist (Jake Gyllenhaal) angeheuert. Sie sollen auf Brokeback Mountain eine Schafherde hüten. Eine Begegnung mit Folgen: In der Einsamkeit und Unwirtlichkeit der Berge fallen sie während einer regnerischen Nacht leidenschaftlich übereinander her und werden für den Sommer ein Paar. Diese Erfahrung macht vor allem Ennis Angst. Er kann mit seinen Gefühlen nicht umgehen und weiß, dass Männerromanzen in Wyoming lebensgefährlich sein können. Deshalb beschließen Jack und er, nach dem Job getrennte Wege zu gehen - was nicht lange klappt, denn Liebe ist eine unzähmbare Naturgewalt. Obwohl sie beide Familien gründen, kommen sie nicht voneinander los und unternehmen einmal im Jahr eine gemeinsame "Angeltour". Während die Jahre ins Land ziehen, wird Jacks Wunsch nach mehr immer größer, nach einer Ranch, die er mit Ennis bewirtschaften möchte. Für Ennis eine undenkbare Vorstellung: Niemand darf Verdacht schöfen, doch dafür ist es bereits zu spät...

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Ein Duke kommt selten allein

Ein Duke kommt selten allein Cover

Die Fernsehserie "Ein Duke kommt selten allein" als Kinofilm mit Willie Nelson als Onkel Jesse

Ein Kennzeichen des Hollywood-Kinos in den Siebziger Jahre war die Welle von Anarcho- und Destruktionskomödien. Billig in der Herstellung, erfolgreich an den Kinokassen und leicht verdaulich im Konsum. Nach dem Credo "Hauptsache, was kaputt machen und gegen die fiese Obrigkeit" wurde eifrig das "Gesetz gebrochen", möglichst viele Autos demoliert, ganze Provinznester in Schutt und Asche gelegt und die begehrte Blondine erobert. Burt Reynolds war hier mit seinen "Schlitzohr"-Actionkomödien erfolgreich. Obskurer Nebeneffekt war die Wiederentdeckung des Südens. Seit der Bürgerrechtsbewegung standen Bundesstaaten wie Texas unter einem schlechten, weil rassistischen Ruf.

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Townes Van Zandt - Be Here to Love Me

Townes von Zandt Be Here To Love Me Cover

Traurige Songs, Alkoholexzesse und eine gelöschte Kindheit: Der Film "Be Here to Love me" zeichnet ein sehr persönliches Portrait des Countrysängers Townes van Zandt

"Sometimes I don't know where this dirty road is taking me." Texas, in den Siebzigern: Tiefgründige, reife Texte und eine warme rauchige Stimme sind seit seinem, von "Cowboy" Jack Clement produzierten Debüt "For The Sake Of The Song", das Markenzeichen von Townes Van Zandt. Seine Lieder beeinflussen deshalb nicht umsonst eine ganze Generation von Musikern; Stars wie Bob Dylan, Kris Kristofferson, Emmylou Harris oder später die Cowboy Junkies und Norah Jones. Willie Nelson und Merle Haggard landen mit dem romantischen Titel aus seiner Feder "Pancho and Lefty" sogar einen Nummer Eins-Hit - ein Erfolg, der Townes van Zandt als Interpret in seiner Karriere versagt blieb.

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Miss Undercover 2: Fabelhaft und bewaffnet

Miss Undercover 2 Cover

Trampel mit Charme
Entpuppt sich ein Hollywood-Film als Kassenknüller, folgt eine Fortsetzung auf dem Fuß. Für "Miss Undercover 2" ließ sich Sandra Bullock, die beide Teile auch produziert hat, erstaunliche fünf Jahre Zeit. Und gemessen an dem, was dabei herausgekommen ist, fragt man sich: Warum hat das so lange gedauert? Denn das zweite Abenteuer der burschikosen Agentin Gracie Hart (Bullock) ist weder originell, noch ausgefeilt, sondern eine uninspirierte Angelegenheit. So sehen Sequels aus, die die Welt nicht braucht. Das Original war ein halbwegs funktionierendes, ganz auf Sandra Bullock zugeschnittenes Slapstick-Vergnügen. Ziemlich grobschlächtig zwar, aber mit einer liebenswürdigen Hauptfigur, die fluchte, beim Lachen grunzte und mit offenem Mund kaute, dass man ihr Zäpfchen sehen konnte. Der Witz bestand darin, dass sich dieses FBI-Trampel undercover unter eine Miss Wahl mischen sollte, ohne aufzufallen, um einen Bombenleger dingfest zu machen. Mehr Handlung war nicht, aber das reichte als Folie für eine Gag-Parade, die beim großen Publikum hervorragend ankam.

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The Jacket

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Der Fantasy-Thrillers The Jacket mit Adrien Brody und Kris Kristofferson

Wenn einer eine Zeitreise tut...dann kann ihn das wohl quälen. Jack Starks (Adrien Brody) könnte ein Lied davon singen - wenn er nicht tot wäre. Oder sowas wie tot. Denn er versucht verzweifelt, sein Ende zu verhindern und dabei einige dubiose Handlungslöcher dieses Fantasy-Thrillers mit Bedeutung zu stopfen. Und das kommt so: Im Golfkrieg 1991 schießt dem US-Soldat ein kleiner Junge in den Kopf. Starks überlebt, leidet aber fortan unter Gedächtnisschwund. Darum hat er auch keine Ahnung, warum er - zurück in Amerika - in Vermont neben einem erschossenen Polizisten liegend auf der Straße gefunden wird. Er erinnert sich nur, einer Frau und ihrer Tochter geholfen zu haben, die mit dem Wagen liegengeblieben waren. Die könnten sicher bezeugen, dass er unschuldig ist. Doch das Gericht verurteilt Starks wegen Mordes und überführt ihn in eine psychiatrische Anstalt. Damit fängt der Irrsinn an, denn Dr. Becker (Kris Kristofferson) hat eigenartige Behandlungsmethoden...

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Die Frauen von Stepford

Die Frauen von Stepford Cover

Back- und Koch-Zombies
Träumt nicht jeder Mann von einer treusorgenden, liebevollen Frau, die ihm jeden Wunsch von den Lippen abliest? Die ihm das Bier bringt, den Haushalt schmeißt, sich um die Kinder kümmert, kocht, putzt, jederzeit willig ist und ihren Beschäler nach vollzogenem Akt sanft einschlafen lässt, statt ihn mit Kuschelforderungen zu nerven? Nein, nur chauvinistische Vollidioten träumen davon! Und genau die wurden in dem Horrorfilm "Die Frauen von Stepford" von 1974 vorgeführt. In der bösen Satire nach einem Roman von Ira Levin ("Rosemary's Baby") ging es um eine Reichen-Enklave in Connecticut, in der Männer ihre Frauen abmurksten und durch identisch aussehende, mechanische Back- und Koch-Zombies ersetzten, die willenlos das biedere Hausfrauendasein simulierten.

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