Seraphim Falls

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James Bond mit Buffalo-Bill-Bart
Als Agent 007 erledigte er Schurken mit links, während er in der rechten Hand seinen Martini hielt und hatte hinterher nicht einmal Falten im Smoking. Hier wird Pierce Brosnan als Trapper Gideon, ein ehemaliger Bürgerkriegsoffizier, am Lagerfeuer angeschossen, stürzt einen Abhang hinunter, landet im dicksten Winter in einem reißenden Fluss, wird von einem menschenfressenden Wasserfall verschluckt, hebelt sich mit einem gigantischen Messer die Kugel aus dem Arm und erfriert fast, weil er vor Schmerzen bewusstlos wird, nachdem er die Wunde selbstredend mit der glühenden Klinge geschlossen hat - und das alles passiert in den ersten Minuten! Man kann nicht behaupten, dass sich TV-Regisseur David von Ancken ("CSI: NY", "The Shield - Gesetz der Gewalt", "Cold Case - Kein Opfer ist je vergessen" u. a.) in seinem Spielfilmdebüt viel Zeit lassen würde. Jedenfalls nicht am Anfang. Doch nach dem furiosen Auftakt geht's bedeutend gemächlicher zu.

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Todeszug nach Yuma

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"Todeszug nach Yuma" ist die Neuverfilmung des Klassikers "Zähl bis drei und bete".

A Man's Gotta Do What A Man's Gotta Do
Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss. Das war im Wilden Westen schon immer so, und hier ist es auch nicht anders. Der Farmer Dan Evans (Christian Bale) erklärt sich mit Kopfgeldjäger Byron (Peter Fonda) und ein paar anderen Freiwilligen bereit, den Killer Ben Wade (Russell Crowe) in einen Zug nach Yuma zu verfrachten. Dort erwartet ihn der Galgen. Doch auf dem langen Ritt zum Bahnhof von Contention kann viel passieren: Er führt durch Indianergebiet und auch Wades Gang unter Führung des Psychopathen Charlie (Ben Foster) ist längst unterwegs, um ihren Boss zu befreien.

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Die Ermordung des Jesse James durch den Feigling Robert Ford

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Der Western ist zurück!
Erstmal vorweg: So viele Western wie die nächste Zeit gab es schon lange nicht mehr. Nach "Jesse James/Robert Ford" mit Brad Pitt und Casey Affleck, der am 25. Oktober startet, kommt am 13. Dezember "3:10 to Yuma" von James Mangold ("Walk the Line") mit Christian Bale und Russell Crowe in die Kinos, ein Remake des Klassikers "Zähle bis drei und bete" von 1956. Außerdem erscheinen die DVD-Premieren "Broken Trail" (2. Oktober) von Regie-Veteran Walter Hill mit Robert Duvall sowie das Bürgerkriegsdrama "Seraphim Falls" (22. November) mit Liam Neeson und Pierce Brosnan. Das HBO-Indianerepos "Begrabt mein Herz an der Biegung des Flusses" hat derzeit zwar noch keinen Veröffentlichungstermin, dürfte aber auch Ende 2007/Anfang 2008 bei uns in den Regalen stehen.

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Ein Duke kommt selten allein - Wie alles begann

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Hormongetriebene Teenager
Der blonde Bo (Jonathan Bennett) und dunkelhaarige Luke Duke (Randy Wayne) sind Cousins und kurz vor der Volljährigkeit. Da sie gern und immer wieder Dummheiten anstellen, landen sie eines Tages vor dem Kadi. Der lässt Gnade vor Recht ergehen - fast. Als Erziehungsmaßnahme müssen die beiden hormongetriebenen und deshalb ständig notgeilen Chaoten zu ihrem Onkel Jesse (Willie Nelson) in das verschlafene Nest Hazzard, um dort den Wert ehrlicher Landarbeit schätzen zu lernen. Dumm nur, dass der herzensgute Onkel einer der besten illegalen Schnapsbrenner des ganzen County ist. Allerdings hat Onkel Jesse ein übles Problem am Hals, denn Boss Hogg (Christopher McDonald), der korrupte Bürgermeister von Hazzard, will dessen Farm pfänden lassen, wenn er nicht innerhalb von zwei Wochen 25.000 Dollar auftreibt.

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Broken Bridges

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Neandertaler mit Gitarrenkoffer
Countrystars müssen keine miserablen Schauspieler sein, Kris Kristofferson und Dwight Yoakam sind die besten Beispiele dafür. Dennoch ist Vorsicht geboten, wenn jemand wie Toby Keith plötzlich eine Hauptrolle stemmen soll, weil er mal in einem Werbespot mitgespielt hat. Nun, bei "Broken Bridges" zeigt es sich leider bereits nach wenigen Minuten, dass das Südstaatendrama kaum zu mehr taugt, als den dazugehörigen Soundtrack zu vermarkten. Der erzkonservative Klotz mit Kopftuch unterm Cowboyhut "spielt", und das ist erstmal weder verwerflich, noch eine große Überraschung: einen Countrysänger. Bo Price ist ein Typ der Kategorie "das bisschen, was ich rede, kann ich auch singen", dessen Karriere durch sein Motto "das bisschen, was ich esse, kann ich auch trinken" den Bach runtergegangen ist. Eigentlich eine durchweg sympathische Figur also, nur dass Keith leider permanent so wirkt, als warte er auf seine Stichworte, wenn er nicht gerade wie ein Neandertaler mit Gitarrenkoffer durchs Bild trampelt.

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Walk The Line

Walk The Line Kinoplakat

"Walkt The Line" ist die Biopic-Verfilmung des Lebens von Johnny Cash, die mit drei Golden Globes und einem Oscar ausgezeichnet wurde

Es gibt eine Faustregel fürs Kino, die besagt, dass ein Film innerhalb der ersten sieben Minuten sein Publikum gepackt haben muss, sonst gelingt es ihm nicht mehr. "Walk The Line", das Biopic über Johnny Cash wilden Jahre, benötigt dafür nur wenige Sekunden, denn als Auftakt wählte Regisseur James Mangold ("Cop Land") das legendäre Knast-Konzert von 1968 in Folsom: Während nüchterne, statische Außenaufnahmen des Gefängnisses in der Abenddämmerung über die Leinwand flimmern, setzt die Tonspur zum Angriff über.

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Dixie Chicks: Shut Up & Sing

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Zwölf Worte
Eine unbedachte Äußerung - zwölf Worte nur - ruinierte fast die Karriere der erfolgreichsten Frauenband der Welt, der Dixie Chicks. 2003, kurz vor Beginn des Irak-Kriegs, sagte Sängerin Natalie Maines zum Auftakt der "Top of the World"-Tour im "Londoner Sheperd's Bush Empire": "Wir schämen uns, dass der Präsident der Vereinigten Staaten aus Texas stammt". Damit löste sie in den USA eine hysterische Hexenjagd aus, angefeuert von rechten Gruppen wie "Free Republic". Country-Sender boykottierten die Chicks, ihre Umsätze stürzten im freien Fall, aufgebrachte Fans zerstörten öffentlich ihre CDs, ließen Hass-Tiraden ab, sogar Morddrohungen. In den USA ist kürzlich "Shut Up & Sing" auf DVD erschienen, eine fabelhafte Dokumentation, die den Kampf der Band um ihre Integrität schildert und verfolgt, wie sie daran menschlich wie künstlerisch wächst.

Die Nerven liegen blank
"Dixie-Schlampen", "Saddams Engel", "Verräter", die Beschimpfungen kamen prompt und heftig. In den Medien, von Politikern, im Country-Radio, vor ausverkauften Hallen von (Ex-)Fans. "Wir hatten noch nie soviel Negativ-Feedback, da hätten wir auch gleich Marilyn Manson spielen können", bestätigte der Manager einer Country-Station vor laufender Kamera. Das "United We Stand"-Amerika war nicht nur kriegswillig, es schoss sich auch auf die Dixie Chicks ein, frei nach Bushs Motto: "Wer nicht für uns ist, ist gegen uns". Die Chicks reagieren zuerst ungläubig, sind um Schadensbegrenzung bemüht, vermuten ein kurzes Medien-Gewitter, das rasch vorüberziehen wird. Doch dann folgt Ernüchterung, Fassungslosigkeit. Nichts wird mehr so sein wie früher. Die Lage ist ernst, die Nerven liegen blank. "Natalie wird am 6. Juni in Dallas, Texas erschossen!", droht ein manischer Wirrkopf. Aber die Chicks weigern sich, klein beizugeben. Im Gegenteil, sie wollen sich nicht mundtot machen lassen und treten die Flucht nach vorn an.

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Flicka - Freiheit, Freundschaft, Abenteuer

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Wildes Pferd
Alles in diesem Film ist wild, die Landschaft (Wyoming), die Pferde (Mustangs) und die 16-jährige Katy (Alison Lohman), nur eines nicht - die Inszenierung. Von Anfang bis Ende zuckelt die Neuverfilmung des Kinderbuchklassikers "Mein Freund Flicka" (1941) von Mary O'Hara brav die üblichen Pfade solcher Mädchen-trifft-Pferd-Storys ab, ohne auch nur einmal auszubrechen und Haken zu schlagen wie die titelgebende Stute. Einzige Modernisierung, wenn man es denn so nennen will: In der Romanvorlage und auch den bisherigen Adaptionen ist die Hauptfigur ein Junge, hier geht's um eine Rancher-Tochter, die in den Bergen Wyomings von einem Wildpferd vor einem Berglöwen gerettet wird.

Wildes Mädchen
Sofort identifiziert sich Katy mit dem Freiheitsdrang des Mustangs, den sie Flicka nennt, was soviel wie "hübsches Mädchen" heißt. Aber ihr Vater Rob (Tim McGraw), ein Ranchbesitzer, verbietet ihr, das störrische Tier zu behalten, weil es seine Pferdezucht ganz kirre macht. Die rebellische Katy fühlt sich missverstanden und hat nun klassische 90 Filmminuten Zeit, das Schicksal zu wenden. Ihr Bruder Howard und ihre Mutter Nell (Maria Bello) sind zwar auf ihrer Seite. Aber wie es im amerikanischen Westen nun einmal ist: da hat das Familienoberhaupt das letzte Wort. Flicka wird verkauft. In ihrer Verzweiflung kommt Katy eine verrückte Idee. Jedes Jahr findet ein großes Rodeo statt, auf dem die lokalen Cowboys Wildpferde zu zähmen versuchen. Auch Flicka befindet sich in der Herde. Katy will sie (als Cowboy verkleidet!) einreiten. Ein bisschen Pferdeflüstern im Vorfeld sollte reichen, denn zu der Stute hat sie längst eine Seelenverwandtschaft entwickelt. Mit dem Preisgeld will sie den wilden Mustang dann zurückkaufen...

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Hände weg von Mississippi

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Der wilde, wilde Osten...

...fängt gleich hinter Hamburg an. Am Schaalsee in Mecklenburg-Vorpommern, um genau zu sein. Eine knappe Autostunde von der Hansestadt entfernt. Dort hat Detlev Buck seinen neuesten Film gedreht. "Hände weg von Mississippi", einen Kinderwestern, wie er ihn selbst nennt, der auf dem gleichnamigen Roman von Cornelia Funke basiert. Nach "Knallhart" (2006), dem packenden Ausflug in die Hölle der Großstadt, benötigte Buck offensichtlich dringend wieder Landluft. Dabei hat er ein nostalgisches Paradies geschaffen, ein norddeutsches Bullerbü, in dem das Getreide besonders gelb leuchtet, das Gras besonders grün, und die Erdbeeren besonders rot.

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Robert Altman's Last Radio Show

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Endlich im Kino
Nachdem bereits auf der Berlinale 2006 die Deutschlandpremiere stattfand, kommt Robert Altmans letzter Film (der Regisseur starb im November 2006 an Krebs) endlich in die deutschen Kinos. Und um es gleich vorweg zu nehmen: Für Country-Fans war seit "Walk The Line" kein Kinobesuch lohnender als dieser! Rund dreißig Jahre nach "Nashville" widmet sich Altman wieder dem Thema Country-Musik, was aber nicht heißt, dass beide Filme viel miteinander gemein hätten, außer, dass sie Ensemble-Stücke sind. War "Nashville" ein weit verzweigter, sarkastischer Seitenhieb auf die Unterhaltungsindustrie, so zeigt "Robert Altman's Last Radio Show" mit viel Herz und Humor den überschaubaren Kosmos der Radio-Livesendung "A Prairie Home Companion". Frei von Bitterkeit und ätzender Satire, dafür voller Nostalgie und dem beschwingten Rhythmus amerikanischer Folklore.

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