Heaven's Gate - Das Tor zum Himmel

Filmplakat: Heaven's Gate - Das Tor zum Himmel

"Heaven's Gate - Das Tor zum Himmel" - 40-jähriges Jubiläum eines verhängnisvollen Westerns mit Kris Kristofferson und Jeff Bridges.

1980 genoss Regisseur Michael Cimino (†77) nach dem Erfolg seines Vietnamkriegsdrama "Die durch die Hölle gehen" quasi Narrenfreiheit. Für sein nächstes Projekt wählte er eine wahre Geschichte aus dem wilden Westen aus. Der "Johnson County War" über die Auseinandersetzung zwischen mächtigen Viehzüchtern und ärmlichen Einwanderern aus Osteuropa fand im April 1892 in Wyoming statt und gehört zu den dunkelsten Kapiteln der US-Geschichte. Doch Cimino war der Ruhm zu Kopf gestiegen. Mit seiner Selbstüberschätzung und dem Anspruch auf Perfektion trieb er das ursprünglich veranschlagte Budget von 12 auf 44 Mio. Dollar in die Höhe und damit das Filmstudio United Artists in den Ruin.

Eine der teuersten Produktionen jener Zeit konnte aber Kritiker noch Zuschauer begeistern und "Heaven's Gate - Das Tor zum Himmel" ging damit als einer der größten Flops in die Filmgeschichte ein. Das wirkte sich ebenso negativ auf die weitere Filmkarriere von Kris Kristofferson aus, dem man weitere Hauptrollen in großen Hollywoodfilmen ausschlug. Immerhin nutzte der Country-Star die langwierigen Drehpausen, um mit Filmpartner Jeff Bridges Jam-Sessions abzuhalten. Die Musik führte sie immer wieder zusammen, Bridges nahm eigene Alben auf und Kristofferson unterstützte ihn bei der Vorbereitung für die Rolle eines abgehalfterten Country-Sängers in "Crazy Heart", wofür Jeff Bridges mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Beide haben nie ein schlechtes Wort über "Heaven's Gate - Das Tor zum Himmel" fallen lassen, und nach 40 Jahren hat der Spätwestern generell einen anderen Stellenwert bekommen.

125 Mordaufträge für 50 Dollar pro Kopf

James Averill () ist Sheriff von Johnson County, wo er in die Kämpfe zwischen Ranchern und Farmern hineingezogen wird. Weil die auf dem Land lebenden Emigranten ihre Familien ernähren müssen, stehlen und schlachten sie schon mal eine Kuh von der Weide, was den Besitzern gar nicht schmeckt. Deshalb stellen die Rinderbarone unter der Führung von Frank Canton (Sam Waterston) eine von der Regierung abgesegnete Todesliste mit 125 Namen zusammen. Den Kopfgeldjägern werden 50 Dollar für den Toten versprochen.

Als Averill davon erfährt, stellt er sich auf die Seite der eingewanderten Siedler, nicht zuletzt, weil auch Bordellbesitzerin Ella Watson (Isabelle Huppert) auf der Liste steht, für die er sehr viel empfindet. Sein Gegenspieler ist der für die Rancher beauftragte Scharfschütze Nathan Champion (Christopher Walken). Er ist ebenfalls in Ella verliebt, und als sie von Cantons Leuten vergewaltigt wird, wechselt auch er die Seiten. In dem Saloon von John Bridges (Jeff Bridges) versammeln sich die Osteuropäer, um gemeinsam Mut zu fassen und sich zu wehren. Ein blutrünstiges Feuergefecht mit vielen Toten bricht aus. Canton erwartet Ella und Averill in einen Hinterhalt, der schmerzlich endet.

Das Tor zum Himmel war ein Ritt durch die Hölle

Die erste Fassung von "Heaven's Gate - Das Tor zum Himmel" dauerte fünfeinhalb Stunden und wurde vom Studio United Artists sofort abgelehnt. Michael Cimino schnitt das Material für die Premiere am 19. November 1980 auf drei Stunden und 40 Minuten zusammen, doch nach den vernichtenden Kritiken eliminierte er weitere 70 Spielminuten. Doch es war nichts mehr zu retten, zumal die Aussage des Films, dass die Eroberung des amerikanischen Westens auf Gewalt beruht in den USA vielerorts als unpatriotisch eingestuft wurde.

1985 kam die längere Fassung in die deutschen Kinos und wurde wie zuvor schon in Frankreich weit wohlwollender aufgenommen. Der Director's Cut lief hierzulande jedoch nicht als Blockbuster an, sondern in den Arthaus-Kinos vor einem Publikum, dass sich auf die thematische Tragweite und die langsame Erzählweise am Anfang durchaus einlassen konnte. Landschaftsaufnahmen, Reiterhorden und Kulissen geben "Heaven's Gate - Das Tor zum Himmel" eine epische Breite und dennoch ist auch 40 Jahre danach Ciminos Größenwahn spürbar, der sich an filmhistorische Meilensteine wie "Lawrence von Arabien" oder "Spiel mir das Lied vom Tod" messen lassen wollte. Davon zeugen allein Prolog und Epilog, die zwar der melancholischen Grundstimmung des Films dienlich sind, aber nicht für die Handlung.

Dass ein echter Hahnenkampf inszeniert wurde und für Reitstunts vier Pferde dran glauben mussten, stößt heute umso mehr negativ auf, führte aber damals dazu, dass die American Humane Association in Hollywood so viel Einfluss genommen hat, dass bis heute kein Tier mehr für einen Film gequält, verletzt oder getötet werden darf. Lobend an "Heaven's Gate - Das Tor zum Himmel" bleibt jedoch Ciminos Anspruch, den Mythos vom Goldenen Westens zerrupfen zu wollen. Ein ehrliches Bild über Geldgier, Machtspiele und Menschenverachtung, aber auch über würdevolle Einzelkämpfer, der von Kris Kristofferson gespielte Sheriff ist damit entstanden und damit den heutigen Gegebenheiten wieder ziemlich nah.

Ein Fiddler auf Rollschuhen

Eine der beindruckenden Szenen ist die, in der David Mansfield auf Rollschuhen in einen Saal stürmt und dabei auf der Fiddle spielt. Das animiert alle Anwesenden, sich im Takt der Musik auf Rollschuhen übers Parkett zu bewegen. Eine Cajun Music Band stimmt den fröhlichen "Mamou Two-Step" an und an dieser Stelle wird deutlich, dass in diesem ausgelassenen Zusammenspiel aus Fiddle, Mundharmonika, Triangel, Akkordeon und Gitarre die Wurzeln der späteren Country Music liegen.

Ursprünglich sollte "Star Wars"-Komponist John Williams die Musik für "Heaven's Gate - Das Tor zum Himmel" schreiben. Da es aber immer wieder zu desaströsen Verzögerungen kam, nahm er letztlich seinen Hut und Michael Cimino beauftragte überraschenderweise David Mansfield damit, den gesamten Score zu schreiben. Die meist sanften Gitarrenklängen unterstützen die pessimistische Grundhaltung des Films, manchmal mischt sich russisch angehauchte Folklore dazu und immer wieder baut Mansfield leise den Donauwalzer von Johann Strauss ein, der auf die Vergangenheit von Sheriff Averill verweist, als er noch als unbedarfter College-Absolvent sorglos dazu tanzte.

Mansfield trat zuvor schon mit Bob Dylan und T-Bone Burnett auf, als Studiomusiker arbeitete er auch mit Johnny Cash (†71), Lucinda Williams, Dwight Yoakim und Nanci Griffith zusammen.

Fazit: Ein epischer Western, der sich anfangs viel Zeit nimmt, um eine melancholische Stimmung zu schaffen. Umso actionreicher und gewaltsamer geht er seinem Ende entgegen. Bis dahin muss man sich unbedingt einlassen, damit sich der Film entfalten kann.

 
Regie     Darsteller   Rolle  
Michael Cimino     Kris Kristofferson ... James Averill  
      Christopher Walken ... Nathan D. Champion  
      John Hurt ... William C. Irvine  
      Sam Waterston ... Frank Canton  
      Brad Dourif ... Mr. Eggleston  
      Isabelle Huppert ... Ella Watson  
      Joseph Cotten ... The Reverend Doctor  
      Jeff Bridges ... John H. Bridges  
      Richard Masur ... Cully  
      Mickey Rourke ... Nick Ray  
      T Bone Burnett ... Heaven's Gate Band  
      Willem Dafoe ... Willy  
Original-Titel: Heaven's Gate
Studio: United Artists (Tobis)
Land: USA 1980
FSK: ab 16 Jahre
Laufzeit: 217 Minuten
Kino: 1. März 1985
DVD/Blu-ray: ./.
Pay-TV: ./.
Free-TV: ./.

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