Der elektrische Reiter

Filmplakat:Der elektrische Reiter

"Der elektrische Reiter" mit Hollywoods Traumpaar Jane Fonda und Robert Redford.

Bereits in den Sechzigerjahren feierte man Jane Fonda und Robert Redford als das neue Traumpaar. Für das Texas-Drama "Ein Mann wird gejagt" (1966) fanden die beiden das erste Mal zusammen, in der Komödie "Barfuß im Park" kabbelten sie sich als Ehepaar erneut. Ein drittes und leider auch ein letztes Mal standen sie 1979 für "Der elektrische Reiter" vor der Kamera. Hier können sich Redford als einstiger Rodeo-Weltmeister Sonny Steele und Fonda als engagierte TV-Reporterin Hallie Martin anfangs gar nicht ausstehen, und doch entsteht eine Romanze, bei der auch die obligatorischen Kussszenen nicht fehlen darf.

Womöglich ist "Der elektrische Reiter" auch der ambitionierteste Film des Leinwandpaares, denn beide nutzten ihren Ruhm, um gegen konservative Kräfte anzukämpfen. Die Tochter der Filmlegende Henry Fonda (†77) protestierte an vorderster Front gegen den Vietnamkrieg, der blonde Beau aus Kalifornien wurde als Umweltschützer aktiv und hob in Utah das Sundance Film Festival zur Förderung unabhängiger Filmemacher aus der Taufe, benannt nach der Rolle, die er neben Paul Newman (†83) in dem Western "Butch Cassidy and the Sundance Kid" (1969) spielte. Übrigens sollen Jane Fonda und Robert Redford im wahren Leben nie etwas miteinander gehabt haben.

Der elektrische Reiter als lebende Leuchtreklame

Regisseur Sydney Pollack (†74), der mit Redford insgesamt fünf Film drehte, darunter der Kassenschlager "Jenseits von Afrika", reicht allein der Vorspann, um den Auf- und Abstieg des Rodeo-Reiters Norman "Sonny" Steele bildlich in Szene zu setzen - untermalt mit dem wehmütigen Song "My Heroes Have Always Been Cowboys" von Willie Nelson.

Vom fünffachen Rodeo-Weltmeister ist also nicht mehr viel übrig, wenn die Handlung einsetzt und der volltrunkene Sonny aufs Pferd gesetzt wird, um in der Arena Werbung als eine Art Pausenclown die Werbetrommel für Cornflakes zu rühren. Sein lilafarbene Cowboy-Kluft ist dabei mit kleinen Lämpchen übersät. Der elektrische Reiter macht also zunächst eine imposante Figur, ist aber doch nur eine lebende Leuchtreklame, und wenn Sonny auch noch vom Pferd fällt, bleibt nur noch Erbärmlichkeit.

Bei seinem nächsten Auftritt in Las Vegas soll Sonny mit dem berühmten Rennpferd Rising Star auf eine Bühne. Als er jedoch merkt, dass das Tier mit Beruhigungsmitteln vollgepumpt ist, reißt ihm der Geduldsfaden. Mitten in der Show galoppiert er mit dem 12-Mio-Dollar-Hengst davon und fällt im Lichtermeer der Glamourstadt in seinem Anzug noch nicht mal auf. Die TV-Reporterin Alice "Hallie" Martin (Jane Fonda) wittert eine Story und nimmt noch vor der Polizei die Verfolgung auf. Tatsächlich kann sie ihn ausfindig machen, er lässt sie abblitzen. Als der Werbekonzern jedoch Lügen über Sonny verbreitet, wendet der sich doch an Hallie. Sie soll ihm helfen, die Wahrheit über das Dopen eines Rennpferdes ans Licht zu bringen.

Kommerz und Glamour treffen auf Western-Nostalgie

Das Ziel des Antihelden ist es, dem Pferd seine Freiheit wiederzugeben und damit auch sich selbst. Katharsis pur für einen naturliebenden Cowboy, der nach etlichen Knochenbrüchen sein eigenes Ich verloren hat, sich ausschließlich für Geld kommerzialisieren ließ und nun das Richtige tun will, um damit seinen inneren Frieden zu finden. Diese wohlwollende Botschaft wird von Sydney Pollack äußerst behutsam ans Publikum weitergegeben. Kommerz-Kritik wird höchstens mit spöttischen Sprüchen weitergetragen, wenn Redford etwas sagt: "Sie würden dem Pferd auch eine Badehose anziehen, wenn sie dadurch ihr Zeug verkaufen könnten." Ansonsten lässt Pollack Landschaftsszenen von unberührter Natur für sich sprechen und entzaubert damit gleichzeitig einer verlogenen Geld- und Glitzerwelt wie Las Vegas.

Damit die Western-Nostalgie aber nicht allzu verkitscht, gibt es eine für die Siebzigerjahre übliche Actionszene mit einer Karawane von Polizeiautos und Motorrädern, von denen am Ende der Verfolgungsjagd nur noch Schrott übrigbleiben. Ungewöhnlich dabei ist, dass der Verfolgte hoch zu Ross sitzt und in der asphaltlosen Prärie eindeutig im Vorteil ist. Eine Szene, die auch 40 Jahre nach der deutschen Erstaufführung von "Der elektrische Reiter" am 3. April 1980 noch Spaß macht.

Erster Kinoauftritt für Country-Legende Willie Nelson

spielt in "Der elektrische Reiter" zwei ganz besondere Rollen. Zum einen gab er als Wendell Hickson, Freund und Fürsprecher von Sonny, sein Leinwanddebüt. Zum anderen steuerte er die Musik bei und ist neben den orchestralen Kompositionen von Dave Grusin mit fünf Songs auf dem Soundtrack vertreten. Mit dem bereits erwähnten "My Heroes Have Always Been Cowboys" (1976 von Sharon Vaughn geschrieben) erreichte Nelson durch den Film seinen fünften Nummer-Eins-Hit in den Country Charts. Weitere Evergreens der Country Music, die er zum Besten gibt, sind "Midnight Rider" (1971 erstmals von der Allman Brothers Band veröffentlicht) oder "Mammas Don't Let Your Babies Grow Up to Be Cowboys" (1975 von Ed und Patsy Bruce geschrieben).

Im Film selbst singt Nelson nur einmal direkt vor der Kamera - jedoch nicht auf einer Bühne, sondern passender zu seiner Rolle mehr improvisiert auf einer Wohnzimmercouch sitzend. Als Schauspieler ist er bis heute tätig geblieben.

Fazit: Die Chemie zwischen Jane Fonda und Robert Redford stimmt, Willie Nelsons gibt der Story mit seinen schwungvollen Songs die treibende Kraft und ein wenig Action ist auch noch dabei. Ein Gegenwartswestern mit der richtigen Mischung.

Regie     Darsteller   Rolle  
Sydney Pollack     Robert Redford ... Norman "Sonny" Steele  
      Jane Fonda ... Alice "Hallie" Martin  
      Valerie Perrine ... Charlotta Steele  
      Willie Nelson ... Wendell Hickson  
      Wilford Brimley ... Farmer  
Original-Titel: The Electric Horseman
Studio: Universal (CIC)
Land: USA 1979
FSK: ab 12 Jahren
Laufzeit: 121 Minuten
Kino: 3. April 1980
DVD / Blu-ray: ./.
Pay-TV: ./.
Free-TV: ./.

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Monticellofans Avatar
Monticellofan antwortete auf das Thema: #58925 1 Monat 1 Tag her
Der Beschreibung ist nichts hinzuzufügen. Ein toller Film mit einem klasse Soundtrack.
Ich habe den Film auf DVD schon mehrfach angeschaut.