Townes von Zandt Be Here To Love Me Cover
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Redaktionswertung Film nicht bewertet
Userwertung

Traurige Songs, Alkoholexzesse und eine gelöschte Kindheit: Der Film "Be Here to Love me" zeichnet ein sehr persönliches Portrait des Countrysängers Townes van Zandt

"Sometimes I don't know where this dirty road is taking me." Texas, in den Siebzigern: Tiefgründige, reife Texte und eine warme rauchige Stimme sind seit seinem, von "Cowboy" Jack Clement produzierten Debüt "For The Sake Of The Song", das Markenzeichen von Townes Van Zandt. Seine Lieder beeinflussen deshalb nicht umsonst eine ganze Generation von Musikern; Stars wie Bob Dylan, Kris Kristofferson, Emmylou Harris oder später die Cowboy Junkies und Norah Jones. Willie Nelson und Merle Haggard landen mit dem romantischen Titel aus seiner Feder "Pancho and Lefty" sogar einen Nummer Eins-Hit - ein Erfolg, der Townes van Zandt als Interpret in seiner Karriere versagt blieb.

Dies, oder besser, auch dies zu begründen, versuchte die texanische Regisseurin Margaret Brown in ihrer anrührenden Dokumentation über den eigenwilligen, 1997 verstorbenen Musiker. Der Film zeichnet ein sehr persönliches Portrait des Song-Poeten und zieht - zur Charakterstudie - eine ganze Reihe von Freunden, Familienangehörigen und künstlerischen Wegbegleitern hinzu. Neben den drei hinterbliebenen (Ex-)Ehefrauen und Kindern Townes Van Zandts konnte die Regisseurin auch eine prominente Country-Riege vor die Kamera locken: Joe Ely, Guy Clark, Willie Nelson, Kris Kristofferson kommen nacheinander zu Worte, Steve Earle, Kinky Friedman, Emmylou Harris und Lyle Lovett - nur um einige wenige zu nennen - folgen. Sie runden mit ihren genauso geistreichen wie aufschlussreichen Kommentaren das Bild des 1944 in einer sogenannten "einflussreichen Familie" hineingeborenen Sonderlings ab. So nach und nach werden die Stationen seiner schwierigen Biografie enthüllt. Das vielleicht schockierendste Moment: Mit Anfang 20 wurde er einer Elektroschocktherapie unterzogen, nachdem er sich rückwärts aus dem vierten Stock stürzte, "nur um zu sehen, wie sich das anfühlt." Diese Elektroschockbehandlungen löschten seine Kindheitserinnerungen vollständig aus und machten es ihm lange Zeit nahezu unmöglich, eine Beziehung zu seiner Umwelt herzustellen - er erkannte selbst seine Mutter nicht mehr. Vermutlich verlieh die abgerissene Verbindung zu seinen Wurzeln seinen Texten eine gewisse Melancholie. In einem Interview darauf angesprochen, warum seine Songs so traurig seien, antwortet Van Zandt: "Ich denke nicht, dass alle so traurig sind. Ich habe ein paar, die nicht traurig sind, - sie sind hoffnungslos."

Seine Musik
Van Zandt bringt sich nach seiner Entlassung aus der Nervenheilanstalt selbst das Songschreiben bei und beginnt in Clubs in Houston zu spielen. "For the Sake of the Song" lautet der Titel des ersten Albums (1968), das bei Poppy erscheint. In den folgenden Jahren erscheint je ein neues Album ("Our Mother the Mountain", 1969, "Townes Van Zandt, 1970, "Delta Momma Blues", 1971), im Jahr 1972 kommen sogar zwei neue Platten: "High Love & In Between" und "The Late Great Townes Van Zandt" auf dem zwei seiner Klassiker sind: "Pancho & Lefty" und "If I Needed You." Auf die chaotische, von Alkoholexzessen bestimmte Blue Van Tour folgt Mitte der Siebziger der abgebrochene Versuch, ein neues Studioalbum mit dem Titel "Seven Comes Eleven" aufzunehmen. Die Platte wird nie veröffentlicht. Auf Drängen seines neuen Managers John Lomax III. werden alle sechs Alben des Künstlers neu gepresst, 1977 erscheint "Live at the Old Quarter", ein Doppelalbum, das 1973 aufgenommen wurde. Die Abstände zwischen den neu veröffentlichten Alben werden größer: "Flying' Shoes" beeendet 1978 eine sechsjährige Schaffenspause, 1987 erscheint mit "At my Window" das erste Album nach zehn Jahren. Die letzte Platte Van Zandts ist mit "Live & Obscure" ein Album, das vier Jahre früher aufgenommen wurde. An Neujahr 1997 stirbt Townes Van Zandt an einer Herzattacke und hinterlässt drei Ex-Frauen, drei Kinder und ein großes Vermächtnis an Songs von ausgefeilter Kunstfertigkeit, die zahlreiche Musiker noch heute beeinflussen.

Der Soundtrack
Die knapp 100minütige, in teilweise mit herrlich melancholischen Einstellungen versehene Dokumentation lebt zu einem guten Stück auch vom Soundtrack. Natürlich, es geht ja auch um einen Musiker. Doch diese Filmmusik hat es tatsächlich in sich. Sie wird - jede Wette - auch nicht erklärte Townes Van Zandt-Fans begeistern können. Immerhin steuern die aufgeführten Interviewpartner Willie Nelson, Merle Haggard, Lyle Lovett, Emmylou Harris und Kris Kristofferson die Songs bei. Eine postume, tiefe Verbeugung vor einem Musiker, der das Scheitern zum Prinzip erklärte - und vielleicht gerade deshalb so Anerkennung bei seinen Kollegen gewann.

  • Regie und Schauspieler

  • Produktionsinfos

  • Starttermine

Regie Schauspieler Rolle
Margaret Brown Townes van Zandt ... sich selbst
Steve Earle ... sich selbst
Emmylou Harris ... sich selbst
Kris Kristofferson ... sich selbst
Willie Nelson ... sich selbst

Studio: Rakefilms (MFA+)

Land: USA, 2005

FSK: ohne Altersbeschränkung

Laufzeit: 96 Minuten

Kino: 22. Dezember2005
DVD: 16. Februar2006
Pay-TV:
Free-TV:


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