Ein Duke kommt selten allein

Ein Duke kommt selten allein Cover

Die Fernsehserie "Ein Duke kommt selten allein" als Kinofilm mit Willie Nelson als Onkel Jesse

Ein Kennzeichen des Hollywood-Kinos in den Siebziger Jahre war die Welle von Anarcho- und Destruktionskomödien. Billig in der Herstellung, erfolgreich an den Kinokassen und leicht verdaulich im Konsum. Nach dem Credo "Hauptsache, was kaputt machen und gegen die fiese Obrigkeit" wurde eifrig das "Gesetz gebrochen", möglichst viele Autos demoliert, ganze Provinznester in Schutt und Asche gelegt und die begehrte Blondine erobert. Burt Reynolds war hier mit seinen "Schlitzohr"-Actionkomödien erfolgreich. Obskurer Nebeneffekt war die Wiederentdeckung des Südens. Seit der Bürgerrechtsbewegung standen Bundesstaaten wie Texas unter einem schlechten, weil rassistischen Ruf.

Das Fernsehen nahm diesen Trend erst verspätet auf, dann aber richtig. Vor allem die "Dukes of Hazzard" (deutsch: "Ein Duke kommt selten allein") erlebten von 1979 - 1985 ganze 145 Abenteuer voller Blechschäden und Kneipenschlägereien. Gleichzeitig pflegten sie liebevoll so ziemlich jedes gut gemeinte Südstaaten-Klischee - und verballhornten jedes Übelmeinende! Schließlich sollten sich die draufgängerischen Cousins Luke und Bo Duke (Tom Wopat, John Schneider) ganz als Ritter im Einsatz für Gerechtigkeit entpuppen.

In Jay Chandrasekhars Actionkomödie "Ein Duke kommt selten allein" geht viel Blech zu Bruch

Das Hollywood-Kino des Neuen Jahrtausends lebt von der Wiederentdeckung bekannter Stoffe aus Film, Literatur, Comics und natürlich Fernsehen. Und wo die zahmen "Drei Engel für Charlie" zu Martial Arts-Katzen mutieren dürfen, und bald J.R. Ewing in "Dallas" sein dreckiges Lachen erklingen lassen wird (wohl Ende 2006), da dürfen die Dukes und ihr orange-roter Dodge Charger nicht fehlen.

Klamauk-Experte Jay "Lizard" Chandrasekhar ("Super-Troopers") übernahm die Regie der Leinwand-Adaption, die bei uns unter dem deutschen Titel der Serie starten wird: "Ein Duke kommt selten allein". Und sofort ist man mittendrin in der illustren Südstaaten-Provinz von Hazzard-County. Dort muss Bo (Seann William Scott) seinen Kumpel/Cousin Luke (Johnny Knoxville) vor der Schrotflinte eines Nachbarn retten, weil dieser die "Jungfraulichkeit" von dessen Tochter in Gefahr brachte. Yeeeeha!!! Aber ihre Flucht ist ja nur der Auftakt zu einer Reihe munterer und möglichst atemberaubender Autoverfolgungsjagden, diversen Schlägereien und sonstigen Hobbies, die die Dukes so pflegen. Ein weiteres davon ist die Aufdeckung der Machenschaften des ungekrönten County-Königs Boss Hogg (geniale Parodie: Burt Reynolds). Der "kauft" unter willfähriger Nutzung der lokalen Polizeistreitkräfte von Sheriff Roscoe P. Coltrane (M. C. Gainey) sämtliche Farmen der Umgebung auf. Auch das Land von Onkel Jessie () kann er sich einverleiben, weil dieser als gestandener Schwarzbrenner irgendwann zwangsläufig einen Fehler macht. Doch die Dukes und ihre attraktive Cousine Daisy () halten natürlich zusammen und wollen sich wehren. So entdecken sie, dass parallel zum alljährlichen, von Hoggs gesponserten Auto-Rennen, um die Krone von Hazzard County, ein gerichtliches Hearing über die Vergabe von Minenlizenzen abgehalten wird. Da alle Bewohner beim Rennen sein werden, wird wohl keiner Einspruch einlegen gegen den Antrag von Hoggs, den schönen Hazzard County mal eben so umpflügen. Oder können es die Dukes verhindern?

Klamauk steht bei dieser Leinwand-Adaption an erster Stelle. Jay Chandrasekhar erlaubt sich neben dem finalen Wettrennen und ländlichen Scharmützeln unter anderem sogar eine wahnwitzige Verfolgungsjagd durch Indianapolis, die es in sich hat. Dass die Dukes dabei ausgerechnet einer aufgebrachten Meute schwarzer Rapper erklären wollen, warum die Südstaatenflagge auf dem Dach ihres geliebten "General Lee" gar nicht schlimm sei, darf man ein typisches Beispiel für den Humor von "Ein Duke kommt selten allein" interpretieren.

Hommage an die Serie und Hommage an das wohl gepflegte Klischee der Südstaaten stehen im Mittelpunkt der sehr konstruierten und schwachen Handlung. Fast verzweifelt versuchen Chandrasekhar und sein riesiges Autorenheer so ziemlich jeden Gag der Serie, dem sie habhaft werden konnten, in die 105 Minuten hineinzupressen. Natürlich verzetteln sie sich dabei und rauben sich am Ende durch ein plumpes Ende viel vom Spaß am Klamauk und an der Destruktion. Hier fällt vor allem ins Gewicht, dass sowohl Seann William Scott als auch Johnny Knoxville ihre Dukes nicht mehr als anarchische Ritter anlegen, sondern als leicht debile Clowns, denen das Gesetz einfach nur wurscht ist. Eine echte Sympathie mag da nicht entstehen. Ein Lichtblick in der permanenten Hi-Speed-Jagd ist dagegen Willie Nelson. Der mittlerweile 72-jährige spielt den Schnaps brennenden und bauernschlauen "Hillbilly" voller Selbstironie und verweist lässig auf das eigene Country-Sänger-Image. So macht er die "körperlichen Attraktionen" von Kollegin und Filmdebütantin Jessica Simpson locker wett und erinnert an seinen starken Auftritt in "Wag the Dog". Und weil er sich im Soundtrack unter anderem mit den Mannen von der James Gang misst, steht Willie Nelson am Ende der sinnfreien Blech-Klamauk-Orgie von "Ein Duke kommt selten allein" als klarer Sieger fest.

Den Dukes bleibt nur ihr "Yeeeeha!!!", mehr nicht.

Regie     Schauspieler   Rolle  
Jay Chandrasekhar     Johnny Knoxville ... Luke Duke  
      Seann William Scott ... Bo Duke  
      Alice Greczyn ... Laurie Pullman  
      Steve Lemme ... Jimmy  
      Jessica Simpson ... Daisy Duke  
      Willie Nelson ... Uncle Jesse Duke  
      Burt Reynolds ... Jefferson Davis 'Boss' Hogg  
Studio: Warner Bros. / Village Roadshow (Warner Bros.)
Land: USA, 2005
FSK: frei ab 12 Jahren
Laufzeit: 104 Minuten
Kino:25. August 2005
DVD: 17. Februar 2006
PPV: ./.
Pay-TV: ./.
Free-TV: ./.
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