Das schönste Freudenhaus in Texas

Dolly Parton schiebt als Puffmutter diverse musikalische Nummern. Burt Reynolds trägt als Dorfsheriff außer seinem Schnauzbart sexy Slips. Ein Bordell, in dem es so aufregend zugeht, wie bei den Waltons, wird zum Kleinstadtpolitikum - willkommen in den trashigen Welt des 1980er-Jahre-Musicals "Das schönste Freudenhaus in Texas". Das Original war etwa zur Hochzeit von Aids und Ronald Reagan ein gewaltiger Broadway-Hit. Da ließ eine Verfilmung nicht lange auf sich warten: ein nostalgischer Klamauk mit ein paar guten Gags und netten Songs.

Was wäre Amerika ohne seine Mythen und Legenden? Eine eher unbekannte ist die von der Chicken Ranch, die hier erzählt bzw. gesungen wird. So hieß ein Bordell in einem kleinen Kaff in Texas. Der Name ging darauf zurück, dass Freier während der Depressionsjahre ihre Vergnügungen auch mit Hühnern bezahlen konnten. Ruckzuck gab's im Freilandpuff mehr "Chickens" als "Chicks". 150 Jahre lang existierte die provinzielle Bumsbude in friedlicher Co-Existenz mit den Ortsbewohnern - bis ein heuchlerischer TV-Moralapostel in den 1970ern viel Staub aufwirbelte und den Laden schließen ließ. Im Film nehmen Puffmutter Miss Mona ( und ihr Liebhaber Sheriff Ed Earl Dodd (Burt Reynolds) den Kampf gegen den bigotten Fernsehprediger (Dom DeLuise) auf, können die Geschichte jedoch auch nicht umschreiben...

Von Musicals Tiefgang zu erwarten, ist ungefähr so, wie in einem Bordell nach wahrer Liebe zu suchen. Doch aus dem immer aktuellen Konflikt zwischen Moral und Horizontal, sowie der Kritik an Medienwillkür und -macht, hätte man auch anno 1982 schon mehr herausholen können, ohne den Unterhaltungswert zu schmälern. Doch Regisseur Colin Higgins, immerhin Drehbuchautor von "Harold & Maude" und Regisseur von "Warum eigentlich...bringen wir den Chef nicht um?", setzt in erster Linie auf fade Gags und biederes Geblödel, das schon während der Entstehungszeit des Films mehr nostalgischen Wert gehabt haben dürfte. Statt frech geht es altbacken zu. Auch wenn Dolly Parton einige Anspielungen auf ihre gigantische Oberweite macht und in einer Musiknummer ein paar blanke Busen zu sehen sind. In einer Szene textet Miss Mona ihren Lover beim Mondscheinflirt allen Ernstes mit Jesus-Geschichten zu, um neben dem Klischee von der Nutte mit Herz auch Bibelfestigkeit zu demonstrieren.

Die Songs funktionieren jedoch immer noch ganz gut, vor allem Charles Durnings (oscarnominierter) Kurzauftritt als singender und tanzender Gouverneur von Texas. Musikalisch interessant ist der Film in erster Linie wegen der Originalsongs, die Dolly Parton beisteuerte: Ihre Abschiedsnummer an Porter Wagoner, "I Will Always Love You", mit der sie hier Reynolds anschmachtet, erklomm nach 1974 auch 1982 die Spitze der Charts. Damit ist Parton die einzige Künstlerin, die es mit einer identischen Produktion zweimal auf Platz 1 geschafft hat. Und ihr "Sneakin' Around" ist der vergnügliche Trash-Höhepunkt des Films, ein Duett zwischen Parton und Reynolds (der über so viel Gesangstalent verfügt wie Pierce Brosnan in "Mamma Mia!" - also keins). Sie in Reizwäsche gepresst, er halbnackt, balgen sie sich um einen String-Tanga. Das muss man wirklich gesehen haben, um es zu glauben.

Fazit: Bieder züchtiges 1980er-Jahre-Musical mit hohem Trashfaktor, das über wenig Reize verfügt. Darum heißt es in einem der Songs auch: "Nothing Dirty Going On".

CD Cover zum Soundtrack zu Das schönste Freudenhaus in Texas
Regie Schauspieler Rolle
Colin Higgins Dolly Parton ... Miss Mona Stangley
Burt Reynolds ... Sheriff Ed Earl Dodd
Dom DeLuise ... Melvin P. Thorpe
Jim Nabors ... Deputy Fred
Charles Durning ... The Governor
Robert Mandan ... Senator Charles Wingwood
Theresa Merritt ... Jewel
Originaltitel: The Best Little Whorehouse in Texas
Studio: RKO Pictures / Universal Pictures
Land: USA, 1982
FSK: ab 16 Jahren
Laufzeit:114 Minuten
Kino: 18.11.1982
DVD: 17.01.2002
PPV: ./.
Pay-TV: ./.
Free-TV: ./.

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