Come Early Morning

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Redaktionswertung Bewertung: 3,5 Sterne = gut
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Das Morgen-Grauen
Verkatert pliert Lucy (Ashley Judd) aus den Augen und mustert ihre Umgebung. Schon wieder Kopfschmerzen, schon wieder ein fremdes Zimmer, schon wieder ein Typ neben ihr im Bett, an den sie sich nicht mehr erinnern kann. Wann hatte sie eigentlich zum letzten Mal Sex, ohne besoffen zu sein? Das ist nur eine der Fragen, denen sich die Mittdreißigerin aus einem Südstaaten-Kaff stellen muss, denn ihr Leben verläuft in ritualisiertem Chaos. Jeden Tag landet sie nach Feierabend im örtlichen Honkytonk, lässt sich vollaufen und dann abschleppen. Feeling Single, Seeing Double. Irgendwann merkt selbst Lucy, dass es so nicht weitergehen kann. Doch es ist schwer, sich an den eigenen Haaren aus dem Sumpf zu ziehen. Sogar als sie Cal kennenlernt, der ihr ehrliche Gefühle entgegenbringt und deutlich macht, dass sie für ihn kein One-Night-Stand war, reagiert Lucy abweisend. Zu hart ist der Panzer, den sie sich in den letzten Jahren zugelegt hat...

Sex, Suff und Honkytonk
Regisseurin Joey Lauren Adams, die auch das Drehbuch geschrieben hat, bettet den schleichenden Abstieg ihrer Hauptfigur in beiläufige Szenen und vermittelt so ein glaubwürdiges Bild amerikanischen Kleinstadtlebens. Es ist offensichtlich, dass die in North Little Rock, Arkansas geborene Schauspielerin ("Chasing Amy") weiß, wovon sie spricht. Unprätentiös und illusionslos schildert sie Lucys Alltag zwischen Bürocontainer und Honkytonk, zwischen Familienproblemen und Pick-Up-Kurverei. Eine Idylle ist das wahrlich nicht, die Adams da beschwört. Doch andererseits auch kein auswegloses Drama, dass seine Hauptfigur in ungeahnte Fallhöhen treibt. Lucy hat Probleme, die jeder auf die eine oder andere Weise mit sich herumschleppt und mit denen man fertig werden kann. Die Frage ist nur, ob man in der Lage ist, die Alltagsstrukturen aufzubrechen. Je mehr sich Lucy bemüht, umso eindringlicher wird der Film. Betrunken und vergeblich hämmert sie nachts an die Haustür ihres Vaters. Cal stößt sie vor den Kopf, indem sie sich wahllos mit anderen Männern einlässt, nur um schließlich im Rinnstein zu landen. Dennoch verliert sie in diesem Schleudertrauma aus Sex, Suff und Honkytonk nicht vollends die Kontrolle. Denn der Film will keine reine Elendsbeschreibung sein, sondern schildert vielmehr die langwierige Auseinandersetzung Lucys mit sich selbst.

Country gegen Kummer
"Come Early Morning" feierte dieses Jahr auf dem Sundance Festival Premiere und lief vor kurzem mit großem Erfolg auf der Viennale, dem Filmfest von Wien. Wann der Film bei uns ins Kinos kommt oder ob er lediglich auf DVD erscheint, steht noch nicht fest. Country-Fans bietet das Drama übrigens neben dem ausgezeichneten Soundtrack (Merle Haggard, Willie Nelson, Billie Joe Shaver, u.a.) einige zusätzliche, hübsche Einfälle. Denn Lucy mag Probleme haben, aber sie hat auch einen Sinn für gute Musik. So rettet sie kurzerhand die alte, mit Countryklassikern gefüllte Jukebox ihrer Stammkneipe, als man sie gegen eine neue austauscht. Und als Lucy erfährt, dass ihr Vater, eigentlich ein verstockter, völlig in-sich-gekehrter Mann, mal mit Chet Atkins auf der Bühne gestanden hat, kommt es zur schönsten Szene des Films. Unfähig, mit seiner Tochter darüber zu reden, spielt er ihr auf seiner Gitarre vor, bevor er in seinem Kummer verschwindet.

Fazit: Kleiner, aber feiner Independentfilm mit Ashley Judd als verzweifelter Mittdreißigerin, die versucht, ihr Leben in in den Griff zu bekommen. Ein aufrichtiges, unspektakuläres Drama.

  • Regie und Schauspieler

  • Produktionsinfos

  • Starttermine

Regie Schauspieler Rolle
Joey Lauren Adams Ashley Judd ... Lucy
Jeffrey Donovan ... Cal
Diane Ladd ... Nana
Tim Blake Nelson ... Onkel Tim
Scott Wilson ... Lowell Fowler
Laura Prepon ... Kim

Studio:Bold Films / Firm Films

Land: USA, 2006

FSK:nicht beantragt

Laufzeit:96 Minuten

Kino:
DVD:
PPV:
Pay-TV:
Free-TV:

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