Dierks Bentley - Up On The Ridge

CD Cover: Dierks Bentley - Up On The Ridge
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Redaktionswertung Bewertung: 4,5 Sterne = sehr gut
Userwertung

Schau an, Dierks Bentley hat sich einen Bart wachsen lassen. Natürlich kein Zauselmodell á la Willie Nelson oder Charlie Daniels, sondern schon adrett getrimmt. Trotzdem, die Gesichtsbehaarung ist ein Statement. Zumal der flotte Dierks auf dem Schwarz-Weiß-Coverfoto mit Akustikgitarre in einem Ohrensessel vom Sperrmüll sitzend posiert. Nein, so kennt man den Country-Abräumer der letzten Jahre nun wirklich nicht.

Auch musikalisch zeigt er sich von einer neuen Seite. Während die neue CD mit dem Titeltrack noch halbwegs modern startet (Sprechgesang, Slide-Gitarre, grooviger Rhythmus), geht es mit dem nachfolgenden "Fallin‘ For You" schon deutlich in akustische Folk-Gefilde. Da wird man schon mal stutzig. Mit dem nächsten Titel "Señor (Tales Of Yankee Power)" zeichnet sich endgültig das Konzept der CD ab:

Der Jung-Star aus Phoenix-Arizona, der mit allen fünf Alben in den Top 5 der Country-Charts landete (drei Mal Nummer eins!), besinnt sich mit "Up On The Ridge" der Roots und Traditionen der Countrymusik. Der smarte Lockenkopf gibt den Hobo – und setzt auf Bluegrass und Hillbilly. Das ist, gelinde gesagt, eine kleine Sensation.

Und vor allem: extrem mutig. Schließlich hätte der Mann nur ein weiteres Mal das gleiche Pferd satteln und auf rockigen Mainstream-Country setzen müssen. Der Erfolg wäre ihm sicher gewesen. Und jetzt? Werden ihm seine (vielen weiblichen) Fans die neue Rolle abkaufen und annehmen? Der Ausgang dieses Experiments ist noch offen und auch spannend. Für den kritischen Beobachter der Nashville-Szene aber hat Dierks Bentley schon jetzt gewonnen –deutlich an Profil und Format.

So ganz überraschend aber kommt der Stilwechsel nicht. Kenner der Materie werden sich an "Last Call" von seinem letzten Album "Feel That Fire" erinnern. Auch hier flirtete er bereits mit Bluegrass. Jetzt aber ist das noch ein ganz anderer Schritt. Konsequenterweise macht er ihn gemeinsam mit einem neuen Produzenten, mit Randall Stewart, ein erwiesenen Kenner und Könner der Roots-Materie. Stewart hat Bentley gleich einmal die Crème de la Crème der Bluegrass-Szene zur Seite gestellt: Gitarrist Bryan Sutton, Stuart Duncan an der Fiddle, Rob Ickes an der Dobro, Mandolinen-Star Sam Bush und weitere Asse der Akustik-Szene.

Auch wenn die Stimme von Dierks Bentley anfangs noch etwas gewöhnungsbedürftig in diesem Umfeld erscheint, macht er seine Sache gut. Mehr als das. Bei Uptempo-Titeln wie "Rovin‘ Gambler" und "Fiddlin‘ Around" überzeugt er auf der ganzen Linie. Aber auch wenn es in balladeske Regionen geht, wie beim letzten Song der CD "Down In The Mine". Da singt er so traurig und schweren Herzens, dass man ihm den Malocher-Job in der Kohlengrube glatt abkaufen möchte.

Neben dem an Dan Tyminski erinnernden "You're Dead To Me", ein gemütlicher, harmonisch wunderherrlicher Bluegrass-Song, setzen einige Duette und eine außergewöhnliche Coverversion weitere Highlights:

Dierks Version der U2-Hymne "Pride (In The Name Of Love)" muss man gehört haben. Und die Duette mit Miranda Lambert ("Bad Angel"), Alison Krauss ("Draw Me A Map") und – Respekt! – Kris Kristofferson ("Bottle To The Bottom") sind nicht nur hervorragend gelungen und dazu wunderbare Songs – sie sind für den Bluegrass-Neuling gleich mal der künstlerische Ritterschlag.

Fazit: Dierks Bentley stellt die Harley in die Garage und sattelt einen alten Gaul – um auf Traditional- und Bluegrass-Trip zu gehen. Das Schönste daran: es gelingt ihm unglaublich gut. Alle Achtung!

Label: Capitol Nashville (EMI) VÖ: 25. Juni 2010

  • Titelliste CD

  • Links


01 Up On The Ridge 07 Fiddlin' Around
02 Fallin' For You 08 You're Dead To Me
03 Senor (Tales Of Yankee Power) (mit den Punch Brothers feat. Chris Thile) 09 Pride (In The Name Of Love) (mit den Punch Brothers feat. Del McCoury)
04 Rovin' Gambler (mit den Punch Brothers) 10 Love Grows Wild
05 Draw Me A Map 11 Bottle To The Bottom (feat. Kris Kristofferson)
06 Bad Angel (feat. Miranda Lambert and Jamey Johnson) 12 Down In The Mine
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