Jamey Johnson - That Lonesome Song

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Redaktionswertung Bewertung: 2,5 Sterne = ok
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Kurz nach der Herausgabe seines Debüt-Albums "The Dollar" (2006) begann für Jamey Johnson eine verlustreiche Zeit: Er wurde von seinem alten Label entlassen und ließ sich von seiner Frau scheiden. Vom Schmerz inspiriert lebte er zurückgezogen, um sich ganz dem Songwriting zu widmen. Als Co-Autor von Songs wie "Give It Away" von George Strait, "Ladies Love Country" von Trace Adkins und "Another Side of You" von Joe Nichols feierte er Erfolge in der zweiten Reihe. Aber allein mit dem Schreiben war er nicht zufrieden, er wollte in die erste Reihe, ins Rampenlicht einer Bühne und dort seine Songs selbst singen. Im letzten Jahr gelang ihm dann der Sprung ins neue Label - Mercury Nashville Records - und die Veröffentlichung seines zweiten "Debüt"-Albums, "That Lonesome Song". Der Erfolg lässt nicht auf sich warten: Die Nominierung für einen Grammy in diesem Jahr hat er sich damit jedenfalls schon mal eingeheimst.

Das Album beginnt erst einmal mit einer kurzen, hörspielähnlichen Einspielung, bei der schwere Schritte auf einem Eisengitter zu hören sind; dazu eine tiefe Stimme, die sagt: "Here's all your belongings, here's all your paperwork. Mr Johnson, as of now you're free to do whatever you want to do." Damit ist das gesamte folgende Album beschrieben: Einerseits ist mit der Anspielung auf den Knast die Brücke geschlagen zum altbekannten, traditionellen Country der großen Vorgänger. Andererseits beschreibt es die Weltschmerz-Gefühlslage von Johnson, der das Album seiner schweren Zeit des Verlusts widmet (siehe Booklet) und dem das alltägliche Leben vorkommt wie ein Gefängnis: Mit "High Cost of Living", dem ersten Song auf dem Album, beginnt Johnson mit einem klassischen Country-Song: zu weinenden Gitarren und seufzenden Keyboard-Klängen gibt der bildreich erzählerische Text sich dem typischen Weltschmerz eines Country-Sängers hin.

Der nächste Song, "Angel", behält zwar die Slide-Gituar-Klänge, ist aber ruhiger, fast schon resignierend melancholisch und beschreibt die Trennung von der einstmals geliebten Frau. Die Frage, wer am Ende Schuld hat, hängt offen im Raum - ein offensichtlich autobiographisch geprägter und lebensnaher Titel, wenn auch nicht wirklich tiefgründig.

Und so geht es auch weiter. Eine ganze Reihe der folgenden Songs sind ähnlich langsam, weinend - sowohl musikalisch durch jede Menge Slide-Gitarren als auch inhaltlich - und gleichzeitig im klassischen Country verwurzelt, so beispielsweise "Mary go round", das mit dem Wortwitz um "merry-go-round" spielt, "The Last Cowboy", das mit Glockenschlägen beginnt, die in den Beat übergehen (AC/DC lässt grüßen), sowie die beiden letzten Songs ("Stars in Alabama" und "Between Jennings and Jones").

Track Nummer Acht, "In Color", ist die Single-Auskopplung und schaffte es zum Jahresbeginn auf Platz Neun der Country Charts. Der Song ist musikalisch sehr laid-back, beeindruckt aber mit einem Text, der unter die Haut geht: Der Großvater zeigt schwarz-weiß-Aufnahmen aus seiner Kindheit und erzählt von den harten Zeiten - dem Hunger während der Wirtschaftskrise und der Kälte in Europa während des Zweiten Weltkriegs. Aber das Foto ist nichts dagegen, das Ganze live und "in Farbe" gesehen zu haben. Das lässt einen schlucken. Zum Glück findet der Großvater am Ende auch noch ein Bild eines freudigen Ereignisses: sein Hochzeitsfoto. Aber auch hier wird die Intensität der Gefühle vom Schwarz-Weiß der Aufnahme verfälscht.

Ein kleines Schmankerl ist der Song "Women": Eine amüsante Philosophie über Frauen im Allgemeinen, mit einem Augenzwinkern versehen und im flotten Tempo gehalten, macht gute Laune. Selbst das Ausrufezeichen hinter "women" wurde mit einem Schlagzeug-Tusch auf den High-Heads vertont.

Fazit: Jamey Johnson sieht sich als "last cowboy", der den alten, traditionellen Country der Vorväter - John Wayne, Gene und Roy - aufrecht erhält. Es gelingt ihm auch, nicht aus der vorgefahrenen Spur auszubrechen, sicher auf der asphaltierten Straße zu bleiben. Diesen Weg fährt er beständig, meist im gemütlichen Tempo; hin und wieder bricht er auch mal in eine schnellere Geschwindigkeit aus. Aber er weicht nie von den Geschwindigkeitsbeschränkungen ab oder bricht gar andere Verkehrsgesetzte. Damit bleibt er jedoch leider in der Mittelmäßigkeit.

Label: Mercury (Universal) VÖ: 27. Januar 2009

  • Titelliste

  • Links


01 Released 08 In Color
02 High Cost of Living 09 The Last Cowboy
03 Angel 10 That Lonesome Song
04 Place Out On The Ocean 11 Dreaming My Dreams With You
05 Mowin' Down The Roses 12 Women
06 The Door Is Always Open 13 Stars In Alabama
07 Mary Go Round 14 Between Jennings And Jones
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