CD Cover: Shania Twain - Now

"Now" - so betitelt Shania Twain ihr 2017er Comeback Album.

Nach gut und gerne 85 Millionen verkauften Tonträgern müsste Shania Twain natürlich längst nicht mehr arbeiten. Doch die glamouröse Kanadierin will es offenbar noch mal wissen und veröffentlicht nach langer Pause mit "Now" ein neues Album.

"Now". Jetzt aber. Vielleicht auch: endlich. Schließlich ist die globale Fangemeinde der aparten Kanadierin riesig, im Pop- wie im Country-Lager. Und sie musste lange, lange auf ein neues Werk ihrer Heldin warten. Ganze 15 Jahre. Eineinhalb Jahrzehnte, in denen im Leben der fünffachen Grammy-Gewinnerin einiges passiert ist: die Ehe mit ihrem Entdecker, Songschreiber und Produzenten Robert "Mutt" Lange ging 2010 in Brüche; schon ein Jahr später trug die Lady wieder einen Ring am Finger, ein Nestlé-Manager ist der Glückliche. Dazu kam eine schwerwiegende Stimmbanderkrankung, die ihr - so heißt es - um Haaresbreite die Karriere gekostet hätte. Nun, alles gut gegangen. "Now" ist ihr persönlicher Moment.

Was darf man von einer Sängerin erwarten, die noch keine 30 war, als sie alle Rekorde knackte? Im Country ist die die mit Abstand erfolgreichste Künstlerin, genreübergreifend rangiert sie als sechsterfolgreicher Solo-Act. Was macht das mit einem? Ist man satt und sieht das Ganze eher als Hobby, als Zeitvertreib - oder hängt der Wunsch, gute Musik zu machen, gar nicht von Rekorden und Goldenen Schallplatten ab? Also, was darf man von ihr erwarten?

"Now" - eine One-Woman-Show von Shania Twain

Vor allem mal: jede Menge Shania Twain. Nicht nur, weil die - allemal zu empfehlende - Deluxe-Edition von "Now" reichlich mit16 Tracks bestückt ist, sondern weil sie alle Songs auch selbst schrieb und dazu höchstselbst produzierte. Das ist respektabel. Und das zeigt uns glühenden Verehrern der Dame, dass sie trotz Glamour, Klunkern und dickem Bankkonto eine Musikerin mit Haut und Haar geblieben ist. Die kreative Selbstverwirklichung hat freilich auch einen Haken: man hört den Songs schon irgendwie die gemeinsame Handschrift an. Man könnte natürlich auch sagen: ein Album aus einem Guss.

Ob ihr Hit-Abo indes immer noch gültig ist, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Denn eines ist im Musikbusiness unstrittig: den sicheren Hit gibt es nicht. Der Käufer ist unberechenbar, ein Song kann zünden, müsste zünden - und floppt dann doch grandios. Für Shania Twains Verhältnisse fuhren die bisherigen Single-Auskopplung jedenfalls nicht die ganz große Ernte ein: "Life's About to Get Good", die in wohlklingenden Ohrwurm-Popmelodien ausgestatte erste Single, landete auf den Country-Airplay-Charts auf Platz 36. Nicht gerade das, womit sich Shania Twain abfinden dürfte. Und auch die zweite Single, der - so könnte man denken - absolut auf Hit getrimmte Album-Opener "Swingin' with My Eyes Closed" erfüllte keinesfalls die hohen Erwartungen.

"Now" - großer, glamouröser Pop einer großen Sängerin

Ob sich die Erwartungen der Shania Twain-Fans der erste Stunde erfüllen, darf auch bezweifelt werden. Schließlich lernten sie die 1965 in Ontario geborene Sängerin als waschechte Country-Künstlerin kennen und lieben - doch Country spielt auf "Now" höchstens eine untergeordnete Rolle. Shania Twain ist Pop. Guter Pop, manchmal, wie bei dem gut gelaunten "You Can't Buy Love" - auf wen dieser Song wohl gemünzt ist? - vielleicht sogar Country-Pop; aber sie serviert auch Songs, wie man sie eher von Rhianna oder Katy Perry erwarten würde, als von einer der größten Country-Sängerinnen aller Zeiten (man nehme nur "More Fun").

Neben wuchtigen, mit jede Menge Geigen-Gefiedel ausgestatteten Balladen wie "Soldier und Dance-Tracks wie "Roll Me On The River" liefert sie mit "We Got Something They Don't" einen Song, der sich in jedem James Bond-Film gut machen würde. Ex-Gatte Robert "Mutt" Lange dürfte bei dem Track besonders die Ohren spitzen. Für das Highlight der CD sorgt der ruhigste, gefühlvollste und am sparsamsten arrangierte Song: "Because of You", eine mit herrlichen Country-Melodien aufgeladener Song, bei dem Shania Twain auf ihre Anfänge in den frühen 90er Jahre verweist.

Fazit: Großer Pop mit vereinzelten Country-Zitaten. "Now" - die Rückkehr der Shania Twain fällt opulent aus.

Label: Mercury Nashville (Universal) VÖ: 29. September 2017
01 Swingin' With My Eyes Closed
02 Home Now
03 Light Of My Life
04 Poor Me
05 Who's Gonna Be Your Girl
06 More Fun
07 I'm Alright
08 Let's Kiss And Make Up
09 Where Do You Think You're Going
10 Roll Me On The River
11 We Got Something They Don't
12 Because Of You
13 You Can't Buy Love
14 Life's About To Get Good
15 Soldier
16 All In All

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Robbys Avatar
Robby antwortete auf das Thema: #58355 3 Wochen 1 Tag her
Für meine Ohren ein solides Album, man erkennt Shania wieder. Es kommt jedoch nicht an die drei Vorgängeralben heran. Die Knaller fehlen hier. Mir gefallen am besten "Soldier", "Let's Kiss And Make Up", "Home Now", "Who's Gonna Be Your Girl", "Because Of You", und "Swingin' With My Eyes Closed". Der Rest ist solider Durchschnitt, der nicht hängen bleibt

Ich freue mich, dass das neue Album jetzt da ist und viele alte Fans werden glücklich sein, doch Shania wird mit diesem Album wahrscheinlich kaum neue Fans gewinnen können.
linhars Avatar
linhar antwortete auf das Thema: #58356 3 Wochen 1 Tag her
Das Album gefällt mir sehr . Das ist Shania - sie muß sich ja nicht selbst neu erfinden .
Stimme , Energie .. alles da . Vielleicht etwas zu poppig ..

... die Schrift hie erinnert mich an einem Geiheimbund ...???