Sugarland - The Incredible Machine

CD Cover: Sugarland - The Incredible Machine
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Redaktionswertung Bewertung: 2 Sterne = Geschmackssache
Userwertung

Eher geht Dolly Parton als flachbrüstige Latina durch, als man "Incredible Machine" von Sugarland als Country-CD bezeichnen könnte. Leider. Denn sowohl die Stimme von Jennifer Nettles als auch die Melodien von Gitarrist Kristian Bush haben in den letzten Jahren so manch schönen, griffigen Countrysong hervorgebracht. Natürlich naschten die 2006 zum Duett geschrumpften Sugarland schon immer am Pop-Topf. Doch noch nie so eindeutig, noch nie so kompromisslos wie hier.

Pop also. Aber, und das ist die vielleicht noch schlechtere Nachricht als die Country-Abkehr: es ist nicht einmal richtig gut gemachter Pop. Den elf, in einem Studio in Atlanta – ohne jede Fiddle, Pedal-Steel-Guitar, Dobro & Co. – von Sugarland und Byron Gallimore produzierten Tracks mangelt es an zündenden Melodien, an griffigen Themen, an originellen Arrangements. Wer sich die CD durchhört, wird sich vermutlich nur mit größter Anstrengung an eine hinterlassene Melodielinie oder gar an einen ganzen Song erinnern können. Alles ist einfach viel zu simpel und zu oberflächlich effekthascherisch in Szene gesetzt.

Die allermeisten Titel haben Nettles und Bush im Alleingang geschrieben. Nur bei "Stuck Like Glue", bei dem ein munteres Akkordeon für dezentes Cajun-Feeling sorgen soll, mischten Kevin Griffin und Shy Carter als Co-Autoren mit. Beim nachfolgenden "Tonight" war nochmals Kevin Griffin mit von der Partie. Der Rest besorgte das Duo. Wieder: leider. Denn diese beiden genannten Titel sorgen bei diesem Fest der Beliebigkeit noch am ehesten für rare, halbwegs lichte Momente.

Die wenig schmeichelhaften Attribute "banal" und "beliebig" verdienen sich die meisten Tracks. Manch einer aber nicht mal das. Titel wie das lärmige, im Intro mit den gebrüllten "Hejos" an Harry Belafontes "Tchibo"-Werbung erinnernde "Wide Open" oder das nicht minder laute "Find The Beat Again" sind mit ihren Mitgröl-Refrains nur noch nervig. Jennifer Nettles mag ja über eine kräftige Stimme verfügen. Doch so in den Vordergrund gemischt und so in den Mittelpunkt von Songs gerückt, ist man über jede Gesangspause und Instrumentaleinlage nur noch dankbar. Diese bieten am Ende von "Wide Open" beispielsweise Drummer Travis McNabb mit stürmischen Fills, das von Kristian Bush ausnahmsweise gesungene Mini-Interlude des Titeltracks und das im Reggae-Groove gehaltene "Every Girl Like Me".

Alleine schon die Nennung dieser Titel lässt Tiefgang und Anspruch der beiden erkennen. Die Songs sind, da muss man weder Prophet noch Studio-Spion sein, im Schnelldurchlauf, vermutlich bei Sessions entstanden. Ein paar nette Riffs, eine geschmetterte Allerweltszeile, Drums, Bass und Keyboards dazu – fertig ist die CD. Die, traurig aber vermutlich unvermeidlich, dennoch viele Abnehmer finden wird. Vielleicht aber geht es dem einen oder anderen Sugarland-Fan wie dem Autor dieser Besprechung – und ist enttäuscht.

Fazit: Das Beste an der CD ist noch das Artwork: Ein lautes, nerviges Pop-Album, das – wenn es Gerechtigkeit gibt – die alten Fans verprellt und keine neuen Fans finden sollte. Im Vergleich zum wirklich starken Album "Love On The Inside" eine echte Enttäuschung.

Label: Mercury Nashville (Universal) VÖ: 12. Oktober 2010

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01 All We Are 07 Every Girl Like Me
02 Incredible Machine 08 Little Miss
03 Stuck Like Glue 09 Find The Beat Again
04 Tonight 10 Wide Open
05 Stand Up 11 Shine The Light
06 Incredible Machine (Interlude)

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