Willie Nelson - Country Music

CD Cover: Willie Nelson - Countrymusic
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Redaktionswertung Bewertung: 4,5 Sterne = sehr gut
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Der Titel und das Cover sprechen für sich. Auf eine alte Scheune hat jemand mit weißer Farbe "Willie Nelson – Country Music" gepinselt. Und wenn man dann noch hört, dass Roots-Profi T Bone Burnett das Album produziert hat, ist die Richtung eindeutig: bewusst auf authentisch getrimmte Songs, allesamt Country-Klassiker und Traditionals, pur aufgenommen mit altem Equipment und akustischen Instrumenten. Dem Country-Puristen geht das Herz auf, dem Liebhaber kommerzieller Nashville-Sounds rutscht es in die Hose. Aber Nelson-Fans gehören definitiv zur ersten Kategorie.

Nach seinen Ausflügen in Jazz-, Reggae-, Blues- und Popstandard-Gefilde nun also wieder der "real deal" – Country in seiner reinsten Form. Banjo, Akustikgitarre, Fiddle, Kontrabass und Harmonica. So traditionsbewusst hat sich Nelson seinem musikalischen Grundstock bislang nicht genähert. Doch "Country Music" ist ebenso ein T Bone Burnett-Album, wie es ein Willie-Nelson-Album ist. Die Handschrift des Authentizitäts-Freaks, mehrfachen Grammy- und frischgebackenen Oscar-Preisträgers (für den Song "The Weary Kind" aus "Crazy Heart") ist unverkennbar. Nun bettet er Nelson in einen warmen, analogen Sound, bei dem man sich gern vorstellt, dass die Aufnahmen unmittelbar in der Scheune stattgefunden haben, die das Cover ziert, von handverlesenen Nashville-Studiomusikern (Ronnie McCoury, Jim Lauderdale, u. a.) auf Strohballen sitzend eingespielt.

Aber das ist nostalgische Schwärmerei, denn es wird natürlich verdammt viel Studiotechnik (in diesem Fall aus Nashville) benötigt, um ein Album so natürlich klingen zu lassen. Die Songauswahl ist nicht minder traditionell und geht ebenfalls in erster Linie auf Burnetts Kappe. Er schlug Nelson 28 Titel vor, der fügte den Abschlusssong "Nobody’s Fault But Mine" hinzu und wählte von 23 Aufnahmen schließlich die vorliegenden 15 mit aus. Außer Nelsons "Man With the Blues" handelt es sich ausschließlich um Fremdkompositionen, etwa Hank Williams’ "House of Gold", und Traditionals, wie das flehende "Satan, Your Kingdom Must Come Down". Der Grundton von "Country Music" ist eher ruhig und verhalten. Abgesehen von dem swingenden "Pistol Packin’ Mama" und dem energetischen "Freight Train Boogie" dominieren langsamere Stücke, darunter der unverwüstliche Klassiker "Satisfied Mind", der sich zufälligerweise auch auf Johnny Cashs "American Recordings VI" befindet.

Die Night-Life-Ballade "Drinking Champagne" von Bill Mack Smith entpuppt sich als Glücksgriff und stimmigster Song des ganzen Albums. Obwohl man Nelson eher mit einem Joint und einem Bier in der Hand vor sich sieht als mit einem Champagner-Glas, fühlt er sich in der dezent benebelten Morgenstimmung spürbar wohl. Denn was das Nachtleben angeht, kennt sich keiner besser aus als der alte Willie, und das überträgt sich auch auf den Zuhörer.

Kurzum: Bei der Kombination Willie Nelson/T Bone Burnett konnte ja auch gar nichts schiefgehen. Burnetts bewährter Produktionsstil ergänzt sich hervorragend mit Nelsons Interpretation und gibt seiner immer noch beeindruckend kraftvoller Stimme den passenden Rahmen. Mit dieser Auswahl traditioneller Country-Songs ohne Firlefanz macht sich Willie Nelson selbst das schönste Geburtstagsgeschenk (er wird am 30. April dieses Jahres 77).

Fazit: Willie Nelsons Output ist schier unerschöpflich, da kommt man kaum noch hinterher. Doch "Country Music" ist dank T Bone Burnetts Produktion eines der schönsten Nelson-Alben der letzten Jahre.

Label: Rounder (Universal) VÖ: 23. April 2010

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