Mark Chesnutt - Rollin' With The Flow

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Redaktionswertung Bewertung: 5 Sterne = sehr gut
Userwertung
Was für ein Schelm: "Rollin' With The Flow" nennt Mark Chesnutt sein neues Album. Von wegen "mit dem Strom schwimmen" - der Neo-Honkytonk-Sänger paddelt seit Jahren dagegen an. Auch - oder vor allem - mit dieser neuen CD. Anstatt angesagter, radiokompatibler, auf modern getrimmter Country-Pop-Kost serviert der etwas fülliger gewordene Interpret ein wundervoll nostalgisches, gefühlvolles und zu jederzeit authentisches Song-Menü. Country-Schleckermäuler kommen da voll auf ihre Kosten.

Die Vorspeise könnte kaum geschmackvoller ausfallen. Mit "Things We Do In Wichita", geschrieben von Produzent Jimmy Ritchey und Bob Regan, "When You Love Her Like Crazy", aus der Feder von Tony Martin und Mark Nesler und dem Titeltrack, eine Jerry Hayes-Komposition, bricht Mark Chesnutt zum Trail auf - der nur heißen kann: zurück in die Zukunft. Denn kaum einem anderen Country-Act gelingt es besser, eine so herrlich nostalgische und gleichzeitig zeitlose Atmosphäre herzustellen, als dem Texaner auf dieser CD. Keine Frage, Vinyl wäre der wesentlich passendere Tonträger für diese Klänge.

Das gilt, nahezu ausnahmslos, für alle weiteren Titel. Gemeinsam mit verschiedenen Songschreiber-Koryphäen, dem A-Team von Nashvilles Studio-Szene (Bayers, Mason, Franklin, Worf & Co.) und dem subtilen Produzenten Jimmy Ritchey umschifft Chesnutt alle derzeit angesagten Klischees. Will heißen: keine Metal-Riffs, keine Big & Rich-Rap-Einlagen, keine wummernden, rockradio-tauglichen Drums. Dafür aber Fiddle, Harp, Slide-Gitarre, Geigen und einen hingebungsvollen Sänger, der sich das Prädikat Neo-Honky Tonk mehr als verdient.

Als Mitte-Vierzigjähriger scheint der Sohn eines Countrysängers musikalisch endgültig am Zenith seiner Kreativität angelangt zu sein. Das belegen Interpretationen von Songs wie "When I Get This Close To You" und "She Never Got Me Over You" - zwei mit großem Geigen-Arrangement ganz auf Gute-alte-Zeit gebürstete Titel. Aber auch zwei Songs, die - geschrieben von Phil O'Donnell/Buddy Owens/Billy Lawson bzw. von Dean Dillon/Keith Whitley/Hank Cochran - dem Sänger alles abverlangen: Gefühl, Harmonie, Phrasierung, Timing. Beide Titel erinnern in Arrangement und Inhalt an Country-Balladen der 60er Jahre - dennoch gelingt es Mark Chesnutt, diese beiden zuckersüßen Balladen vor den Untiefen des Kitsch zu retten. Mühelos und lässig sogar.

Eine gute Figur gibt der mittlerweile etwas fülliger gewordene Country-Überzeugungstäter auch in den etwas rockigeren Songs ab. Im relativ deftigen "If The Devil Brought You Roses" genauso wie im stampfenden Wunschdenken "Live To Be 100". Und im kreuzfidelen Honky-Tonk "(Come On In) The Whiskey's Fine" sowieso. Wie die beiden letztgenannten Titel inhaltlich zusammen passen, bleibt allerdings Mark Chesnutts Geheimnis.

Fazit: Von wegen "mit dem Strom schwimmen" - Mark Chesnutt steuert einen unbeirrbaren Kurs in Richtung erdigem Country und Honky-Tonk. Mit viel Fiddeln, Geigen und Gefühl. So schön kann Country-Nostalgie sein...

Label: AGR Television (Universal) VÖ: 22. Juli 2008

  • Titelliste

  • Links

01 Things To Do In Wichita 07 (Come On In) the Whiskey's Fine
02 When You Love Her Like Crazy 08 If the Devil Brought You Roses
03 Rollin' With the Flow 09 Woman
04 Going On Later On 10 Man In the Mirror
05 Live To Be 100 11 Long Way To Go
06 When I Get This Close To You 12 She Never Got Me Over You

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