Brad Paisley - 5th Gear

CD Cover Brad Paisley - 5th Gear
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Redaktionswertung Bewertung: 3,5 Sterne = gut
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Sagt mal, was ist denn jetzt los? Nach Tim McGraw präsentiert mit Brad Paisley ein weiterer Garant für ausgewogene und schöne Cover-Konzepte ein quietschbuntes Booklet-Durcheinander, das jeder Grafik-Praktikant auf Anhieb besser hinbekommen hätte. Vielleicht denkt sich jetzt der eine oder andere - was hat das mit der Musik zu tun? Stimmt schon, in erster Linie geht's um die Songs und die Produktion. Doch merke: das Auge hört mit. Und wie nicht nur Tim McGraws letztes mehr oder weniger uninspiriertes Werk nahe legt, erlauben sich durchaus Rückschlüsse vom Cover zur CD.

Derart gewarnt, fühle ich mich dann doch nach wenigen Songs gewissermaßen erleichtert. Das Album geht erstklassig los. Aber auch ein bisschen bestätigt. Denn: Was sich schon in den letzten zwei, drei CDs andeutete, findet bei Paisleys "5th Gear" seine Fortsetzung - der Strolch nimmt die Musik nicht besonders ernst. Das kann ein durchaus sympathischer Zug sein. Das kann aber auch ein bisschen nerven. Beide Ausprägungen dieser betont schlitzohrigen Lockerheit finden in den 16 Tracks ihren Niederschlag.

Der Beginn der von Frank Rogers produzierten CD ist aber allemal gelungen. Nach einem bluesigen, wirbelnden, an hitzige Sessions erinnernden Gitarren/Drums-Intro geht es mit der Paisley/Chris DuBois/Kelly Lovelace-Komposition "All I Wanted Was A Car" ins Rennen. Auch wenn der Titel einen weiteren Griff in die "Ich erinnere mich an früher"-Kiste darstellt, verfügt der Song einfach über alle Zutaten zum klasse Countrysong: Gesang, Hookline, Groove, Instrumentierung... alles hervorragend. Mit dem Gute-Laune-Song "Ticks" geht's weiter, gefolgt vom Gute-Laune-Song "Online". Sie haben es bemerkt: Die Stimmungslage vonBrad Paisley ist einfach meist im oberen Bereich angesiedelt. Während er bei "Ticks" um einen Tick zu wenig Tiefgang bietet und der Song deshalb auch so schnell verklingt, wie ein mittelmäßiger Witz, hat "Online" schon mehr auf der Pfanne. Viel mehr. Zum Beispiel einen stimmkräftigen Gospel-Chor und unglaublich dichte Gitarren-Riffs. Keine Frage,Brad Paisley ist derzeit an der Gitarre eine Klasse für sich. Das Marching-Band-Outro ist dagegen wieder mal um das bestimmte Quäntchen zuviel.

Deshalb ist man richtig froh, wenn der Spaßvogel mal an der Stimmungsschraube dreht, um in etwas ruhigere, balladeskere Gefilde einzutauchen. Gelegentlich macht er das - und er macht es immer ausnehmend gut. Das gilt bei "5th Gear" gleich für eine ganze Reihe von Songs. Für das introvertierte "Letter To Me", für das traurige Liebeslied "If Love Was A Plane", für das recht traditionelle, fürPaisleys Verhältnisse fast schon pathetische "It Did" und für das innige Duett mit Carrie Underwood - "Oh Love".

Die schnellen, aufgekratzten Titel können dagegen nicht mithalten. Das liegt zum einen an der überbordenden Kreativität von Paisley und Rogers: hier ein Sound-Schnipsel, da noch ein Gag, dort noch ein Schenkelklopfer. Zum anderen aber auch an den mitunter einfallslosen Kompositionen. Wie bei dem Hi-Speed-Flitzefinger "Mr. Policeman" sind die Songs häufig nur ein Vehikel, umPaisleys superschnelle Gitarrenarbeit unter Beweis zu stellen. Das gilt leider auch für das unverzichtbare Instrumental: "Throttleneck" heißt der Song, der als eine neue "Ghostriders In The Storm"-Variation daherkommt - und gegenüber Paisley-Instrumentals wie "Make A Mistake With Me" vom "Mud On The Tires"-Album keineswegs konkurrenzfähig ist. Immer noch etwas bescheuert wirken die offenbar unvermeidlichen und ach so lustigen Hörspielbeiträge: Dieses Mal murmeln "The New Kung Pao Buckeroos" mit - keine Geringeren als Little Jimmy Dickens, Bill Anderson und Vince Gill.

Fazit: Licht und Schatten wechseln sich ab - wobei die lichten Momente von Paisleys "5th Gear" freilich überwiegen. Ein bisschen weniger Gaudi, ein Tick mehr Ernst, und der Mann wäre kaum zu toppen.

Label: Arista Nashville (Sony) VÖ: 22. Juni 2007

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