Morgan Wallen und die Billboard Top 200 Charts

Morgan Wallen - Billboard Top 200 Charts

Morgan Wallen kann sich seit zwei Wochen an der Spitze der Billboard Top 200 Charts halten.

Seit 2015 schafften das erst insgesamt drei Country-Künstler, Morgen Wallen bereits miteinbezogen. Es geht um die Billboard 200 Charts und damit um die Platzierung des Albums "Dangerous: The Double Album". Dass ein Country-Album zwei Wochen in Folge den ersten Platz der Charts belegte gelang zuletzt Luke Bryan mit "Kill the Lights" und Chris Stapleton mit seinem Album "Traveller".

Im ersten Augenblick wirken diese Zahlen durchaus bewundernswert und beachtlich, jedoch unterscheiden sie sich bei genauerem Hinsehen grundsätzlich und es kann beim Leser durchaus die Frage aufkommen, ob die Charts in diesem Fall, jeweils die gleiche Leistung, gleich gut bewerten oder beschreiben. Warum?

Das Problem mit den Streamingzahlen

Um die ganze Situation ansatzweise verstehen zu können schaut man sich die Zahlen etwas genauer an. Die aktuelle Nr. 1 der Billboard 200 ist unangefochten und in seiner zweiten Woche in Folge das Album "Dangerous: The Double Album" von Morgan Wallen. Wieso steht das Album ganz oben in den Charts? Eben wegen der durch die Decke steigenden Streamingzahlen. In der ersten Chartwoche erreichte das Album 265.000 "album-equivalent units", damit wird versucht, Streamingaufrufe in Albumkäufe umzurechnen und 1.500 Premium-Aufrufe entsprechen einem Verkauf. Tatsächlich und klassisch verkauft wurde das Album 74.000 Mal. In Woche zwei sanken diese Zahlen bereits auf 159.000 "album-equivalent units" und nur noch 22.000 tatsächlich verkaufte Tonträger.

Zuletzt gelang ein solcher Erfolg wie nun "Dangerous" den Alben "Traveller" und "Kill the Lights" von Chris Stapleton und Luke Bryan. Wenn auch die Chartplatzierungen dieser beiden Alben bereits im Jahre 2015 von statten gingen, ergeben sich signifikante Unterschiede, welche zum Nachdenken anregen. Am Beispiel von "Traveller" muss man einige Zahlen daher kritisch beäugen. In Woche eins auf dem Top-Chart-Platz verkauften sich 153.000 Tonträger, und zwar tatsächliche Verkäufe. In Woche zwei waren es noch 97.000 Verkäufe und somit überschatten diese Werte den reinen Verkaufserfolg von "Dangerous" um Längen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich, wenn man das aktuelle Top-Chart-Album mit dem angesprochenen Album "Kill the Lights" von Luke Bryan vergleicht. Hier wird der mittlerweile eklatante Unterschied sogar noch deutlicher, da "Kill the Lights" in der ersten Woche 345.000 "album-equivalent units" verkaufte, wobei 320.000 davon tatsächliche Verkäufe waren. Zwar verringerten sich die Verkäufe in Woche zwei auf knapp ein Drittel der in Woche eins erreichten Werte, es reichte jedoch trotzdem für weitere sieben Tage an der Spitze der Billboard 200-Charts.

Das Problem wird also darin deutlich, dass sich das Hörverhalten so sehr geändert hat, dass die Industrie auf andere Kennzahlen mehr Wert legt als zuvor. Nun muss das an dieser Stelle nicht schlecht sein, doch konnte man vor einigen Jahren, als die Charts noch von tatsächlich Verkaufen bestimmt wurden, diesen Wert deutlich schwerer beeinflussen als beispielsweise die Streamingzahlen. Als Musikfan war es mit den Charts bisher relativ einfach: Album X hat Y Verkäufe und steht daher über Album Z, weil dieses eben weniger Verkäufe hat. Wenn aber nun Album Z eigentlich deutlich mehr Alben verkaufen konnte, jedoch Album X einen großen Deal mit einem Streamingpartner hat, daher millionenfach geklickt wurde und am Ende, der Berechnung zufolge auf Platz 1 der Charts landet, kann man dies schon als fraglich bezeichnen.

Doch nicht nur Streamingzahlen können für einen Chart-Erfolg für ein Album sorgen. Bei "Traveller" konnte dies bestens beobachtet werden, denn das Album wurde bereits am 5. Mai 2015 veröffentlich, fand jedoch erst durch die Live-Performance von Chris Stapleton mit Justin Timberlake bei den 2015 Country Music Awards den Weg in die Öffentlichkeit und auf Platz eins der Billboard 200. Dieser Auftritt bereitete Stapleton den Weg in eine rosige und erfolgreiche Zukunft und im Jahr darauf sollte er einiges an Preisen mit "Traveller" abräumen. Genauer gewann er bereits 2015 die Album des Jahres-Auszeichnung der Country Music Association (CMA), 2016 folgte der Bestes Country Album-Award bei den Grammy Awards, die Album des Jahres-Auszeichnung bei den Academy of Country Music Awards, der Top Country Album-Award bei den Billboard Music Awards und viele weitere Nominierungen bei verschiedenen Preisverleihungen.

Entgegen diesem bahnbrechenden Erfolg für "Traveller" gab es für "Kill the Lights" in der Folge der Nr.1-Chart-Platzierung über zwei Wochen keinerlei nennenswerte Preise oder Awards. Wenn er auch von der Recording Industry Association of America mit Doppel- Platin zertifizierte wurde. Somit sprechen die Verkaufs-, Streaming-, und Chartplatzierungszahlen jeweils eine komplett eigenen Sprache und lassen sich weder sinnvoll vergleichen, noch lassen sie Schlüsse zu, wo es mit dem neuen Album "Dangerous: The Double Album" hingeht.

Für die im März stattfindenden Grammy Awards und die im April stattfindenden Academy of Country Music Awards ist das Album nicht teilnahmeberechtigt und so müssen sich Fans noch bis zu den CMA Awards im November 2021 gedulden, um herauszufinden wie die Musikindustrie das Album wirklich findet.


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Joschis Avatar
Joschi antwortete auf das Thema: #59036 4 Wochen 1 Tag her
Ich habe mal gehört, das man die 1. Woche der Chartplazierung eh nicht ernst nehmen darf, da man hier die Zahlen die an die Händler verschickten CD's nimmt und nicht deren wirklichen Verkauf. Das erklärt dann auch, warum der Unterschied zwischen der 1. Woche und der 2. Woche so extrem abfällt. Ganz nach dem Motto glaube keiner Statistik die du nicht selbst gefälscht hast.

Das man nun verkaufte Alben (egal ob als CD oder MP3) mit Streaming Zahlen zusammen nimmt, ist so als würde man Äpfel mit Birnen vergleichen.

Denn die Streamingzahl zeigt, wie oft ein Song/Album tatsächlich gehört wird, bei dem Verkauf einer CD weiss man das nicht. Hier reicht schon eine gute Vermarktung.

Ich finde man sollte diese Charts trennen den wenn man sich die Hot Country Charts diese Woche anschaut (30.01.21) und man sieht 8 Singles von Morgan Wallen in den Top 25 seinem aktuellen Album, muss man sich schon fragen, ob man das noch ernst nehmen sollte
Haralds Avatar
Harald antwortete auf das Thema: #59037 4 Wochen 6 Stunden her
Hallo Joschi,
ich habe die Bilboard Hitparade ab Anfang diesen Jahrtausends auf AFN zuerst Samstagnachmittgas und später dann Sonntagnachmittags angehört. Und dann gab es plötzlich zwei Sendungen: die eine mit dem alten Moderator Bill Kingsley und eine neue mit Ronnie Dunn. Und plötzlich wurde AFN Europa von den Amerikanern abgeschaltet.
Irgendwann habe ich versucht, die Sendung im Internet zu finden. Am Anfang war mir das nicht möglich. Nach mehreren Versuchen in den letzten Jahren musste ich feststellen, dass man da locker zwei Dutzend Sendungen zu jeder Tages- und Nachtzeit von irgendeinem Sender in Amerika empfangen kann. Da Englisch leider nicht meine Muttersprache ist, ist es für mich schwierig herauszufinden, welche dieser Sendungen tatsächlich das Original ist.
Ich habe das dann irgendwann einmal frustriert aufgegeben.
Der Witz an der Geschichte ist, dass ich zur zeit viel im Homeoffice arbeite und da nebenher Zeit habe, meine alten Cassetten von vor zwanzig Jahren zu hören.
Und da hört man tatsächlich ab und zu noch Bill Kingsley.
Aber vielleicht hat mir jemand einen Link, wo man das Original heutzutage im Internet empfangen kann. Ich würde mir das gerne wieder einmal anhören.
Harald
Haralds Avatar
Harald antwortete auf das Thema: #59048 2 Wochen 5 Tage her
Ich habe mir jetzt einmal 4 Songs am Stück von Morgan Wallen angehört. Für mich ist das nichts anderes wie der in den letzten Jahren gängige Mainstreamcountry. Man kann es anhören, aber es reißt einen nicht vom Hocker. Dass diese Musik den 15-25 Jährigen Leuten gefällt, ist verständlich, aber jemand, der seit 40 Jahren Countrymusic hört und einfach gewisse Instrumente gewöhnt ist, kann mit dieser Musik nicht sonderlich viel anfangen.
Aber das ist wie bei allem Geschmackssache.
Das ist die Meinung von Harald