Mary Sarah & Friends - Bridges


Ist Country Music die neue Pop Musik

Carrie Underwood ein Thema im deutschen Frühstücksfernsehen? Wow! Das ist doch mal was. Auch wenn die Blondine natürlich nicht persönlich zu Gast war, reichte es in der Show von SAT.1 kürzlich immerhin zu einem wohlgemeinten CD-Tipp. Allerdings ist es ja auch kaum möglich, sich um das Thema herumzudrücken, verkaufte "Blown Away" in der ersten Woche nach Veröffentlichung doch schon so viele Einheiten, dass in diesem Jahr in den USA nur noch Madonna erfolgreicher gewesen ist. Nach den Staaten will Underwood nun nach und nach auch Europa erobern. Im Juni 2012 gastiert die attraktive Sängerin erstmals in der legendären Royal Albert Hall, die binnen weniger Minuten ausverkauft war.

Im Gespräch über den vierten Underwood-Longplayer tauchte bei den Moderatoren dann die Frage auf: "Ist Country der neue Pop?" Das dürfte bei Lesern dieser Seite sicher ein mildes Lächeln in Kombination mit einem Stirnrunzeln hervorgerufen haben. Denn wer sich ein wenig in der Szene auskennt, kann mit einer ganzen Sackkarre voller CDs locker beweisen, dass Country im besten Sinne populär ist! Und das nicht erst seit Carrie Underwood, der übrigens erfolgreichsten American Idol-Siegerin seit Bestehen des Gesangswettstreits.

Shania Twain

So gehört Shania Twain, deren letztes Album "Up" vor stolzen zehn Jahren in die Läden gekommen ist, trotzdem noch immer nahezu täglich zum Radioprogramm des WDR. Sicher ist auch noch nicht in Vergessenheit geraten, dass die Kanadierin damals mit ihrem auch in Deutschland auf Platz 1 gecharteten Album eine erfolgreiche Tour in den größten Hallen des Landes absolviert hat, oder?

Nur einer, nämlich ein gewisser Garth Brooks, spielte bei seinen Stippvisiten, beispielsweise in Frankfurt am Main, insgesamt vor noch mehr Fans. Der Mann aus Oklahoma überschritt im Jahr 2000 schon die magische Grenze von 100 Millionen verkaufter Alben - allein in den USA. Wohl kein anderer Künstler schaffte es, Country tatsächlich bis in den letzten Winkel der Welt zu bringen.

Highlights gab und gibt es in Deutschland vielleicht nicht so häufig, aber dafür immer mal wieder. In bester Erinnerung dürften noch die Auftritte von Toby Keith sein, der sein Versprechen, einmal in Deutschland aufzutreten, mit vier umjubelten Shows 2011 erfüllte. Auch die "Top of The World Tour" führte die zu jener Zeit überall geliebten Dixie Chicks 2003 für einige Konzerte ins Land. Im Frühjahr 2007 flammte dazu erstmals ein echtes Keith Urban-Fieber auf. Zwei ausverkaufte Konzertreisen und einen Auftritt vor einem Millionenpublikum bei "Wetten, dass...?!" konnte der Neuseeländer in dieser Zeit verzeichnen. Schon im Mai 2006 hatte es eine Country-Sensation aus eigenen Landen gegeben. Mit "No No Never" landete damals passend zur Teilnahme am Eurovision Song Contest die Hamburger Band Texas Lightning nach ganz oben in den Charts - und das gleich für mehrere Wochen!

Taylor SwiftDoch man muss gar nicht so weit zurückblicken, um festzustellen, dass Country Music alles andere als altbacken oder unmodern ist. Musterbeispiel für die Verbindung zwischen den Genres ist natürlich Taylor Swift, die sich nach unglaublich erfolgreicher Welttournee, zahllosen Auszeichnungen gerade mit den Vorbereitungen für ihr nächstes Album beschäftigt. Swift schaffte es selbst in hiesigen Breitengraden locker, sich nicht nur in der Fachpresse im positiven Sinne "breit zu machen", sondern konnte auch Kids & Teens für ihre Mischung aus Country und Pop begeistern. Hat der Nachwuchs Berührungsängste mit Country? Nein, wieso denn auch?

Während Swift für ein Konzert nach Deutschland kam, wird es nach aktuellem Stand im Sommer 2012 zwei Auftritte von Lady Antebellum und eine weitere Show in der Schweiz geben. Dass nun also auch das Trio, welches 2011 fünf Grammys in wichtigen Kategorien absahnte, über den großen Teich kommt, ist ein weiteres Indiz dafür, wie gefragt diese Klänge hierzulande sind. So ist es auch kein Wunder, dass 2010 aufgrund der großen Nachfrage das zweite Album "Need You Now" extra für den europäischen Markt neu veröffentlicht wurde.

Dass populärer Country auch für Grenzgänger aus anderen musikalischen Bereichen ein ernstzunehmendes Thema ist, zeigt unter anderem ein Blick in die Vita von Kelly Clarkson. Die erste American Idol-Gewinnerin nahm ihren 2004er Hit drei Jahre später liebend gern noch einmal zusammen mit Reba McEntire für das "Duets"-Album auf und präsentierte die Power-Ballade dann sogar mit der Queen of Country beim CMA-Festival. 2008 gingen beide Sängerinnen sogar gemeinsam auf Tour. Als noch erfolgreicher in den Hitlisten sollte sich 2010/11 die Zusammenarbeit mit Country-Rocker Jason Aldean herausstellen. Das Duett "Don't You Wanna Stay" ist mittlerweile für zwei Millionen Downloads mit Doppel-Platin ausgezeichnet und damit in den USA der erfolgreichste Titel für Clarkson.

Lionel RichieÜberhaupt kommt es immer häufiger vor, dass Künstler ihr Herz für den Country entdecken. So sattelte Folkpopprinzessin Jewel nach einem Abstecher auf die Tanzfläche im Jahr 2008 auf Country um. Kommerziell kann die Songwriterin und Schauspielerin damit zwar bislang nicht ganz an die Verkaufszahlen aus ihren Anfangstagen im Musikgeschäft anknüpfen, trotzdem fühlt sich die Gattin eines Rodeo-Cowboys sich in der "neuen" Umgebung sehr wohl. Manchmal dauert die Erkenntnis oder besser der Weg, zum Country zu finden, noch ein wenig länger. Lionel Richie brauchte 62 Jahre - und erlebt durch seine aktuelle Zusammenarbeit mit einer erlesenen Auswahl aus der Country-Elite auf dem Album "Tuskegee" gerade seinen dritten oder vierten Frühling. In Good Ole Germany stieg der Silberling problemlos in die Media Control Album Charts ein und sicherte sich Platz 7. Im Winter 2012 schaut Richie für eine ausgiebige, neun Konzerte umfassende Tour, in Deutschland vorbei. Mit etwas Glück engagiert die Soulstimme für das Vorprogramm noch einen Country-Act und würde so vielleicht für einen noch besseren Abschluss des Country-Jahres 2012 sorgen.

Aber bis dahin stehen schon in nächster Zukunft noch eine ganze Reihe spannender Veröffentlichungen ins Haus, von denen sicherlich einige beweisen werden, dass Country langsam, aber stetig weiter auf dem Vormarsch ist. Und natürlich dürfen dies auch Popfans gut finden...und damit: Ja lieber Matthias Killing (Moderator vom SAT.1 Frühstücksfernsehen), Country Music ist populär, und es ist schön, dass dieses auch den Medienvertretern in Deutschland auffällt. Die Country-Fans in Deutschland freuen sich darauf, dass ihre Lieblingsmusik auch langsam hierzulande sich immer größerer Beliebtheit erfreut.