DVD Cover: Dixie Chicks - VH1 Storytellers
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Redaktionswertung Bewertung: 3,5 Sterne = gut
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Der im September 2006 im Los Angeles Theatre aufgezeichnete Live-Mitschnitt zeigt die Dixie Chicks auf der H√∂he ihrer Kunst: prima Vocals, ihre besten Songs, tolle Backingband und viele Informationen √ľber die Entstehungsgeschichte ihrer Hits. Trotzdem hinterl√§sst die DVD einen etwas zwiesp√§ltigen Eindruck.

Dieses launige Geplaudere √ľber Song-Hintergr√ľnde und Band-Interna geh√∂rt zum Format der VH1-Reihe "Storytellers". Na ja, und die Schwestern Emily Robison und Martie Maguire sowie Natalie Maines - die drei Dixie Chicks - haben nat√ľrlich so manche Story auf Lager. Immerhin wurde das Trio erst so richtig bekannt, nachdem Lead-S√§ngerin Natalie Maines bei einem Konzert 2003 in London ordentlich √ľber den damaligen Pr√§sidenten George W. Bush abgeledert hat. Die Konsequenzen - CD-Vernichtungen, Radio-Boykott, Morddrohungen - markieren ein dunkles Kapitel der j√ľngeren Country-Geschichte.

Trotz vieler Repressalien konnte die Band aber auch in 2006 auf eine treue und begeisterungsf√§hige Fangemeinde z√§hlen, wie dieser Mitschnitt beweist. Die Dixie Chicks wissen das offenbar zu w√ľrdigen und bieten eine erstklassige Show: Sie harmonieren gesanglich auf h√∂chstem Niveau, sie knuddeln sich, werfen sich gegenseitig die B√§lle zu, haben Spa√ü. Dennoch f√§llt auf: Das rhetorische Storytelling ist ihre Sache nicht. Vor allem Natalie Maines, offenbar geh√∂rig nerv√∂s, kommt um einen guten Tick zu aufgekratzt, zu angestrengt witzig daher. Sie plaudert scheinbar auch den beiden Schwestern bisweilen zu viel, so setzt es zwischendrin schon mal die Ermahnung von Martie "let's do the next song". Dass Maines immer wieder einen Schluck aus einer Papier umwickelten Buddel nimmt, macht die Sache auch nicht besser.

Wenn es aber um die Musik geht, sind die drei Ladies aus Texas eine Klasse f√ľr sich. Ihr Satzgesang: erste Sahne. Die Instrumentierung an Fiddle, Gitarre, Banjo: perfekt. Vor allem die erste H√§lfte der DVD besticht durch grandios interpretierte Songs: das rockige "The Long Way Around", das ebenfalls temperamentvolle "Truth No. 2", die sch√∂ne, Maines verstorbener Oma gewidmete Ballade "Silent House" und das h√ľbsche, gemeinsam mit Marcus Hummon entstandene "Cowboy Take Me Away" stehen f√ľr wundervollen Country-Rock/Pop. Die M√§dels singen wie Pr√§riek√∂niginnen, die Band macht Druck wenn es sein muss und h√§lt sich in den ruhigen Passagen vorbildlich zur√ľck. In den leiseren Songs kommen ihre stimmlichen Qualit√§ten nat√ľrlich besonders gut zur Geltung. Deshalb setzen Titel wie "Not Ready to Make Nice", "Lullaby" und "Easy Silence" die H√∂hepunkte. Wie deftig die Texanerinnen aber auch abrocken k√∂nnen, stellen sie mit dem kessen "Lubbock Or Leave It" unter Beweis. Trotz hohen Energieaufwandes, nur ein, sagen wir mal, nice to have. Dass Natalie Maines in dem Track immer lauter und lauter wird, k√∂nnte dieser omin√∂sen, mit Papier umwickelten Pulle geschuldet sein.

Fazit: N√ľchtern betrachtet, bieten die Dixie Chicks in manchen Songs schlichtweg grandiosen Country und Country-Pop/Rock. Auf das viele Bla-Bla zwischen den Titeln k√∂nnte man aber gerne verzichten.

Dixie Chicks
Label: Columbia Nashville (Sony) V√Ė: 25. November 2011

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